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International Woman

Tracey Emin

»Always me« steht auf die Longchamp-Tasche genäht und umreißt so ziemlich exakt, worum sich Leben und (Kunst-) Werk ihrer Macherin drehen: um sie selbst, um Tracey Emin, Künstlerin, britische A-Celebrity, schräges Model, enge Freundin von Vivienne Westwood - und neuerdings Taschendesignerin für de
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»Always me« steht auf die Longchamp-Tasche genäht und umreißt so ziemlich exakt, worum sich Leben und (Kunst-) Werk ihrer Macherin drehen: um sie selbst, um Tracey Emin, Künstlerin, britische A-Celebrity, schräges Model, enge Freundin von Vivienne Westwood – und neuerdings Taschendesignerin für den französischen Accessoire-Hersteller. Longchamp greift zum 10-jährigen Jubiläum seiner faltbaren ›Le Pliage‹-Tasche auf ein altbewährtes, aber immer wieder hip wirkendes Konzept zurück: Art goes Fashion. Ohne Zweifel eine wirkungsvolle Strategie, um die Aufmerksamkeit auf eher unauffällige Accessoires zu lenken.

Dass die Wahl hierfür auf Tracey Emin fiel, ist nachvollziehbar. Die Künstlerin zählt zu den so genannten YBAs, den Young British Artists, die Ende der Neunzigerjahre mit der inzwischen legendären, weil Skandal-umwitterten Saatchi-Ausstellung ›Sensation‹ in London und Berlin mit zerteilten Tierleibern in Formaldehyd (Damien Hirst) oder einer gefrorenen Selbstportrait-Büste aus eigenen Exkrementen (Marc Quinn) für Furore sorgten. Bekannt wie ein Popstar wurde Tracey Emin mit dem Ausstellen ihres eigenen Bettes, das – nach viertägigem Alkohol-Exzess zwischen den Laken – gespickt war mit benutzten Kondomen, blutigen Slips und leeren Vodkaflaschen. Igitt! rief man in England entsetzt. So leicht ist auch heute noch ein Skandal gemacht. Zu ihrem Image des obszönen, alkoholabhängigen und doch glamourösen »bad girl« der aktuellen Kunstszene haben aber nicht nur Tracey Emins Installationen, ihre Videos, Fotos, Neon-Arbeiten und Texte über Liebhaber und Vergewaltiger beigetragen; womit sie wirklich Geld verdient, sind ihre Plaids: große Wandbehänge, die sie mit aus Kleidungsstücken ihrer Freunde ausgeschnittenen Text-Fragmenten und Statements bestickt. Diese Plaids werden auf dem Kunstmarkt teuer gehandelt und zeichnen sich sowohl durch eine unverblümte Sprache als auch durch ihre blumige Schönheit aus. Das gleiche gilt nun für Traceys faltbare ›Le Pliage‹-Taschen, sie sind lieblich pastell, zart floral und doch sehr eigensinnig und nur bedingt gefällig. Die drei von ihr entworfenen Modelle, die in limitierter Auflage erscheinen, erzählen – immer Tracey-like ohne Angst vor Kitsch und Sentimentalität – die Geschichte einer internationalen Frau, die durch die Welt reist, um internationale Liebe mit einem internationalen Mann zu finden. Wie bei all ihren Werken verwendet Tracey auch für die Taschen persönliche Erinnerungen. Der Koffer ›International Woman‹ besteht aus einem rosa Stoff, der ihrer Kindheits-Bettdecke gleicht. An jedes der 200 Exemplare hat sie eine Rosette angebracht, auf die sie eine Straße, eine Stadt oder ein Hotel notiert hat, die für sie jeweils ein »Ort der Liebe« waren. Jede Rosette ist signiert und somit jeder Koffer ein Original. Während die ›Always me‹-Tasche ihre Trägerin vor allem daran erinnern soll, dass sie – bei aller Liebe – sich selbst niemals vergessen sollte, erzählt die ›Dragonfly‹-Tasche von einer Romanze: Ein Liebesbrief ist seitenverkehrt auf der Rückseite der Tasche abgedruckt. Man liest ihn also am besten, wenn man nach einer durchzechten Nacht vor der Spiegelfront eines Hotels herumsteht und ungeduldig auf ein Taxi wartet. Und vielleicht spürt man dann, dass auch dieser in der Erinnerung ein Ort der Liebe wird.

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