×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die schönsten und schaurigsten Schauen

Highlights der Berlin Fashion Week 2017

Eine Woche Fashion Week in Berlin liegt hinter uns. Wir sind zwischen Messen, Events und Shows hin und her geflitzt und haben einige Highlights für euch zusammengetragen.
Geschrieben am
01 Julia Seemann
Berlin sei als Modestadt mehr Provinz denn Metropole, schimpfen so einige nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Und tatsächlich werden Trends weiterhin in woanders gesetzt. In Paris. In Mailand. In New York. Bei der Show von Julia Seemann im Kronprinzenpalais konnte man sich kurz in eben jenen Städten wähnen. Oversized-Sweatstücke mit Gothic-angehauchten Prints, mit der Knopfleiste nach hinten getragene Herrenhemden, Tartan-Details und übergroße Trackjackets – Frau Seemann hat sich die letzten Shows des Hype-Labels Vetemets ganz genau angeschaut: Anti-Fashion it is. Die junge Designern schickte jedoch eine eigene Interpretation auf den Laufsteg, die nicht nur Yung Hurn in der Front Row begeisterte.
02 Vladimir Karaleev
Der Meister der Dekonstruktion Vladimir Karaleev schickte bei seinem Defilee im Kaufhaus Jandorf nur eine kleine, feine Auswahl von Looks über den Laufsteg. Die Farbpalette wurde von düsteren Tönen dominiert: Schwarz, Navyblau, Bordeaux und ein intensives Olive mit Akzenten in leuchtendem Ecru oder meliertem Greige – so sieht der kommende Herbst und Winter bei dem Berliner Designer aus. Das Besondere sind und bleiben die Wahl und der Mix Materialien: ungewöhnliche Bouclés und Tweeds treffen auf Strick und Seide. Neonfarbene Muster und Tartan setzen Highlights. Seinem Markenzeichen, den unverarbeiteten Säumen, bleibt Vladimir Karaleev auch in dieser Saison treu.
03 Hien Le
War es vor einigen Saisons noch Tennis, so lässt sich Hien Le für den kommenden Herbst und Winter von einer anderen Sportart inspirieren: Skateboarding. Wer bereits ein paar weiße Sk8-Hi im Schuhschrank hat, der sollte sie im Sommer schonen, um sie in der nächsten kalten Jahreszeit möglichst fleckenfrei vorrätig zu haben. Die minimalistischen Sneaker passen aber auch zu perfekt zu Hiens puristischen Entwürfen. Die Jungs tragen Chinos zu Feinstrick und Workerwear-Jacken, die Mädchen ausgestellte Skaterröcke in mehrfarbiger Lederoptik oder auch Pencilskirts mit feinen Nadelstreifen. Navyblau und Creme dominieren die Looks, aber auch ein zartes Rosa, ein kräftiges Tannengrün sowie Creme und Grau färbt die eleganten Strick- und Seidenstücke.
04 Ivanman
Der serbische Designer Ivan Mandzukic überraschte im Me Collectors Room mit einer sehr tragbaren und trotzdem kein bisschen langweiligen Kollektion – Freunde von minimalistischen, aber dennoch spannenden Silhouetten a la Cos kommen bei Ivanman voll auf ihre Kosten. Oversized- und A-linien-Schnitte treffen bei den Mäntel auf Keilärmel und hohe Seitenschlitze – praktisch, um seine kalten Finger ohne viel Gekrame in Hosentaschen verschwinden zu lassen. Lila- und Fliedertöne setzen leuchtende Akzente und werden durch gedeckte Farben aufgefangen. Eine kleine implizite Modekunde gab es bei der Show quasi en passant: Mandzukic fertigte einige Stücke seiner Kollektion aus dem Nesselstoff, der für die Fertigung von Modellen dient. Farbige Linien, lose Fäden lassen den Weg vom Entwurf bis hin zur fertigen Kollektion erahnen.
05 William Fan
William Fan verwandelte den Laufsteg für seine »Afternoon Stories« in eine chinesische Markthalle, die von den Gästen im Anschluss an die Show auch gleich besucht werden konnte. Dort gab es auch die bereits im Vorfeld hier und da gesichteten Fan-Shirts, im wahrsten Sinne des Wortes, geschossen werden. Ein Jerseyshirt für 120 Euro? Dass die Dinger weggingen wie warme Semmeln ist nur ein weiterer Beleg für die Qualität der Entwürfe des Designers mit chinesisch-deutschen Wurzeln. Asiatische Einflüsse ließ auch die Kollektion erkennen, Wickel- und Schnürdetails wohin das Auge sehen konnte. Fan treibt das Layering auf die Spitze: Hemden mit übergroßen Ärmeln werden unter Oversized-Shirts und zu Teddyfell-Westen gestylt und von Männern wie Frauen getragen. Samt und Seite sorgten für festliche Stimmung.
06 Philomena Zanetti
Nachhaltige Mode sucht man während der Fashion Week in Berlin nicht völlig vergebens, schließlich gibt es mit dem Green Showroom und der Ethical Fashion Show gleich zwei der Fair Fashion gewidmeten Messen – die nicht unterschiedlicher sein könnten. Aber auf den Laufstegen der Hauptstadt ist das Thema noch weit weg vom Trend. Einzige Ausnahme: Philomena Zanetti. Die Designerin zeigte ihre Entwürfe für die nächste, kalte saison im Me Collectors Room. Feminine Silhouetten treffen bei Zanetti auf elegant-fließende Materialen, Beerentöne, Petrol und Taubenblau und Senfgelb kontrastieren oder zu dominieren. Heimliches Highlight: eine Marlene-Hose aus rostrotem Cord sowie die Stepp-Styles.
07 Marina Hoermanseder
Es ist nicht alles Gold was glänzt, manchmal ist es auch Lack, Latex und Leder – zum Beispiel bei der Show von Marina Hoermanseder. Die aus Österreich stammende Designerin ist schon lange kein Geheimtipp mehr – nicht zuletzt einer Kollaboration mit Hello Kitty sei Dank. Der Auflauf an Prominenz und solchen, die es noch gern werden würden war dementsprechend hoch. Leider konnten die Looks nicht wirklich überzeugen. Marinas ikonische Korsett-Kreationen wurden für den nächsten Herbst und Winter mit ordentlich Glitzer versehen, Lackleder sorgt für einen Hauch von Fetisch. Softe Materialien wie Organza und Samt stehen dazu im Kontrast. Weder das Gesamtbild der Show noch der dazugehörige Soundtrack wirkten jedoch besonders stimmig – viel zu viel von allem.