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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Wenn weniger mehr ist

Minimalistische Mode

Wir leben in einer Zeit, in der in der Mode so ziemlich alles erlaubt ist. Manchmal ist sie bunt und laut. Und momentan scheint sie uns regelrecht anzuschreien, wenn man die aktuellen Trash-Trends der 90er so betrachtet. Wir schalten mal einen Gang zurück und stellen fest, warum weniger manchmal mehr ist und wieso ein bisschen Minimalismus uns allen gut tun könnte.

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Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ein schlichtes Shirt oder ein gut sitzender Rollkragenpullover nie aus der Mode kommt. Besser gesagt stehen solche Basics wohl über dem Mode- und Trenddiktat der Fashionbranche. Ähnlich wie die Jeans, die neben der ein oder anderen Änderung im Schnitt (z.B. Boyfriend oder Skinny) in ihrem Grundprinzip unantastbar bleibt. Sie sind der Hauptpfeiler von Kleidung und letztendlich der Ursprung, auf dem jeder Trend oder Schnitt aufgebaut ist. Natürlich kann man immer mehr und noch mehr dazu packen, um sich von anderen abzuheben und einen neuen unverkennbaren Look in die Welt zu setzten. Doch auch in der Mode tut ein bisschen Entschleunigung manchmal ganz gut. Die schwedische Bloggerin Jenny Mustard weiß die skandinavische Schlichtheit schon immer zu schätzen und zeigt auf ihrem Blog minimale Looks mit maximaler Wirkung. Der Vorteil diese Kleidung uns Lebensweise? »Alles passt zusammen! Da die minimalistische Modeästhetik normalerweise ziemlich monochrom ist, anstatt bunt und voller Muster, ist es leicht, Kleidungsstücke untereinander zu kombinieren.«

Ein puristischer Kleidungsstil spart demnach Zeit und Nerven. Und das wirkt sich im besten Fall auch auf alle anderen Lebensbereiche aus. Viele Minimalisten zelebrieren nämlich ihren kompletten Alltag auf diese Art: »Ich denke, die meisten Leute, die einen minimalistischen Lebensstil haben, haben wahrscheinlich auch einen minimalistischen Sinn für Mode, da eine Garderobe, die sich auf die Grundlagen konzentriert, das Ankleiden am Morgen definitiv vereinfachen wird.« Grundlagen - ein Wichtiges, wenn nicht das essenzielle Stichwort. Denn eigentlich ist es das, worum es in minimalistischer Bekleidung geht. Das Modelabel Funktion Schnitt beispielsweise hat sich auf hochwertige Basics spezialisiert. Hier findet man weder wilde Muster noch auffällige Farben. Der Fokus liegt auf zeitloser Oberbekleidung, die aus Materialien wie Baumwolle, Leinen oder Seide gefertigt ist. Die Gründer der Marke wollen damit laut eigener Aussage die »Erwartung der Leute an ihre Kleidung« steigern.

Ein anderes einzigartiges Konzept verfolgen die Macher von Less To Late. Ihre Kollektionen vertreten immer eine politische oder religiöse Aussage. Dennoch wird auf puristisches und minimales Design gesetzt. Lediglich dezent eingesetzte Icons verweisen auf ein großes Thema. Vom Buddhismus bis zum Islam werden hier Religionen in ihrer Einfachheit auf einem schlichten weißen Sweatshirt abgebildet. »Während wir mit völlig verschiedenen und unterschiedlichen Formen von religiöser Praxis und Anbetung konfrontiert sind, haben wir dennoch stets festgestellt, dass es unter allen Gemeinsamkeiten gibt. Möge es sein, dass man als Familie zu Festlichkeiten zusammenkommt oder einfach nur über die großen Fragen des Lebens nachzudenken.«, erläutern die Gründer Anna and Teresa Müller die Idee von Less To Late.

Zusammenfassend dreht es sich nicht nur um schlichte Mode und puristisches Design. Es geht vielmehr auch um das Motto »Qualität vor Quantität«. Das greift natürlich grundlegend den Aspekt der Nachhaltigkeit auf. Viele fordern ein Umdenken und bewussteres, im besten Falle reduzierteres Kaufverhalten. Denn auch das macht den Grundgedanken von Minimalismus aus. Jenny Mustard sieht hier jedoch noch Potenzial nach oben: »Im Allgemeinen kaufen die Leute immer mehr Zeug als je zuvor. Obwohl der Minimalismus im Trend liegt, ist es immer noch ein Nischenmarkt. Wenn es um Mode und Ästhetik geht, dreht sich alles darum, was der Trend der aktuellen Saison vorgibt.«

Wen das Thema interessiert, kann sich auf Jennys Blog Inspirationen, Tipps und Anregungen rund um einen minimalistischeren Lebensstil holen. Zum Beispiel 10 Dinge, die man nicht in seinem Kleiderschrank benötigt.