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Oversized und underrated

Kopenhagen Fashion Week 2016

Derbe Dr.-Martens-Boots und klobige Eytys-Sneaker, knallroter Strick zu rosafarbener Seide, Sweatpants in Flieder mit gelben Kanjis, Oversized-Steppjacken im Stil des Trend-Labels Vetements oder feine Nadelstreifen auf übergroßen Sakko-Mänteln – auf der Modewoche in Kopenhagen werden die Trends präsentiert, die wir im nächsten Frühling und Sommer tragen sollen und vielleicht auch wollen. Frederike Ebert war vor Ort und hat sich die Schauen der etablierten Designer, aber auch des talentierten Nachwuchses angesehen.
Geschrieben am

Dienstag, 9. August

Future of Fashion
In den herrschaftlichen Hallen der ehemaligen Kopenhagener Börse findet am Dienstagabend die »Future of Fashion 2016 Graduate Show« statt. Die Absolventen von drei Modeschulen, der Königlich Dänischen Kunstakademie, der VIA Design und der Designschule Kolding, präsentieren dort ihre Vorstellungen von der Zukunft der Mode – und die beinhalten neben Sportwear-Einflüssen, plakativen Prints und asymmetrischen Rüschen-Layerings leider auffällig oft Pelz. Klar, Kopenhagen hat eine große Fellindustrie und das Event wurde sicher nicht ganz uneigennützig von Kopenhagen Fur gesponsert. Trotzdem ist Pelz doch wohl hoffentlich out.

Mittwoch, 10. August

Nicholas Nybro
Die vielleicht seltsamste Show der Modewoche war Nicholas Nybro. Unter dem Titel »More Than a Number« zeigt der Designer im Souterrain des Steak Royal seine Visionen für den kommenden Frühling und Sommer. Allerdings an Models, die so gar nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen: ältere Damen und ergraute bis kahle Gentlemen. Auch die Kollektion war nicht klassisch-schön, sondern eher ein bisschen so, als würde sich Oma als Barbie verkleiden: viel Lurex, viel Pink, viel schimmernder Satin. Da verwundert es nicht, dass Nybro, wenn er nicht gerade für seine eigene Linie entwirft, vor allem auch Kostüme macht.

Fonnesbech

Das krasse Kontrastprogramm gibt es im Anschluss bei Fonnesbech. Das nachhaltige Label, das es übrigens schon seit 1847 gibt, wählt ein minimalistisch, beinahe schon japanisch anmutendes Setting. Auch die Looks der ersten Kollektion, die Designerin Mia Lisa Spon für das Label entworfen hat, sind schon fast zurückhaltend: Kastige Kurzjacken mit Workwear-Anleihen werden gelayert mit simplen Longsleeves, schlichte Blusen rutschen über Schultern, leichte Knitwear mit tiefem V-Ausschnitt wird zu asymmetrischen Röcken mit Schnallendetails kombiniert.
Han Kjøbenhavn
Bild: Vanessa Weber
Han Kjøbenhavn 
Han ist Hype! Was das dänische Label seit seiner Gründung 2008 vorgelegt hat ist nicht von schlechten Eltern. Zu Beginn vor allem auf Sonnenbrillen spezialisiert, hat Han zuletzt nicht nur eine Kooperation mit dem Trekkingtreter-Hersteller Teva initiiert, sondern auch endlich eine Kollektion für Männer und Frauen präsentiert – yay! Der nächste Sommer wird asiatisch: bestickte Seide, japanische Kanjis und breite, gesmokte Hosenbünde, die an Kampfsportkleidung erinnern, prägen die S/S17-Looks. Ein paar Nadelstreifen-Hosen und Bomberjacken dazu, Brille im Oakley-Style auf – fertig ist der Han-Look in zartem Flieder, Braun, Zitronengelb oder aus Moonwashed-Denim. 

Henrik Vibskov
 
Willkommen in Vibskovs Wunderland! Was der Designer entwirft, hat mit skandinavischer Schlichtheit nicht viel zu tun. Mitten im ehemaligen Meatpacking District von Kopenhagen zwischen verlassenen Schlachthöfen zeigt der Musiker/Modedesigner/Künstler seine neue Kollektion unter dem Titel »Salami Kitchen of the Non-Existent«. Auf dem Laufsteg installiert Vibskov eine Stoffsalami-Fabrik, die darum herumlaufenden Models tragen Oversized-Silhouetten mit Polka-Dot-Prints oder Knitwear mit abstrakten Mustern, afrikanisch anmutende Stoffbänder fixieren die ausgefallenen Kopfbedeckungen.

Donnerstag, 11. August

Mark Kenly Domino Tan
Skulpturale Silhouetten sowie ein kontrastierender Mix aus zartfließenden und steifstehenden Stoffen kennzeichnen die S/S17-Kollektion von Mark Kenly Domino Tan, der auf der Designschule Kolding studiert hat und seit 2012 ein Label unter eigenem Namen betreibt. Gelernt hat er unter anderem bei Balenciaga, Alexander McQueen und Sonia Rykiel und seine Entwürfe können durchaus mit den ganz Großen der Branche mithalten – ein bisschen wie Céline, gepaart mit einer ordentlichen Portion skandinavischer Schlichtheit.

Ganni
Kaum ein Kopenhagener Label ist so populär wie Ganni – nichts ging in diesem Sommer ohne ihre »Murphy«-Shirts mit farbenfrohen Frucht-Motiven. Die werden in der kommenden Sonnensaison vermutlich von »Space Cowboy« abgelöst. Das Motto der Kollektion ist nämlich auch als Statement-Shirt zu erwerben, eines der voraussichtlich erschwinglichsten Teile der Marke und somit auch Bestseller. Ansonsten ist »mix & mismatch« angesagt: Snakeskin-Jacken werden zu Bollerbuchsen mit breiten Schnürungen gemixt, Blumenkleider zieren Westernfransen. An den Füßen trägt das Ganni-Girl Trekking-Sneaker mit breiten Schleifen oder gleich Cowboy-Boots.
Ganni
Bild: Vanessa Weber
Ellen Pedersen
Ihre S/S17-Kollektion widmet die junge dänische Nachwuchsdesignerin Ellen Pedersen »My Generation«. Inspiriert von dem Street-Fashion-Fotograf Jamel Shabazz präsentiert sie ihre Interpretation vom New Yorker Stil der 80er-Jahre, für die sie Sportwear-Silhouetten mit HipHop-Attitüde mixt. Oversized-Outerwear trifft auf kurze Shorts, Steppjacken auf übergroße Sweater. Unverzichtbar sind Label-Patches und -Stitchings auf Poloshirts und schlichten Käppis. Die Models tragen außerdem Schlag- und Siegelringe, die Ellen Pedersen gemeinsam mit dem Schmuckdesigner Conor Joseph entworfen hat. It’s a hard knock life for us!

Baum und Pferdgarten
Die italienischste Show der Kopenhagener Modewoche? Ganz klar: Baum und Pferdgarten! Guccieske Mustermixe treffen auf Hosenanzüge im Stil von britischen Internats-Uniformen, Rippstrick aus glitzerndem Lurex, gern in Form von Stulpen, wird zu Track-Pants in simpel-sportlichem Stil gestylt. Plisseeröcke aus Gold-Lamé treffen auf biedere Strickjacken, karierte Bumbags lassen an Burberry denken. Hier und da erinnern schlichte Hemdblusenkleider mit überlangen Ärmeln daran, dass man sich in der dänischen Hauptstadt befindet und nicht im sonnigen Mailand.
Baum und Pferdgarten
Bild: Vanessa Weber
Uniforms for the Dedicated 
Die Uniform des modernen Mannes ist der Anzug – und genau darauf hat sich das dänische Label Uniforms for the Dedicated spezialisiert. Spektakulär sind weder die Entwürfe für den nächsten Frühling und Sommer noch deren Präsentation, aber der Teufel liegt hierbei ganz klar im Tailoring-Detail: Zeitlose Basics in hochwertiger Verarbeitung und aus ausgefallenen Materialien prägen den Look auf dem Laufsteg. Schmal geschnittene Sakkos treffen auf ebensolche Hosen, darüber trägt Mann klassische Bomberjacken mit güldenen Zippern oder übergroße Capes mit eingewebten Rautenmustern. Beige, Schwarz und Weiß dominieren die Farbpalette, neben Raw Denim wird auch Seersucker verarbeitet. 

Lovechild 1979
 
Ist hier noch jemand auf der Suche nach der perfekten Hochzeitslocation? Dann sollte er oder sie schleunigst den Glyptoteket Haven auschecken. Der weitläufige Garten neben einem Museum lässt die Herzen von Romantikfans ganz sicher höher schlagen – und bildet die perfekte Kulisse für die feminin-verträumten Kreationen von Lovechild 1979, so etwas wie das dänische Chloé. Floral gemusterte One-Shoulder-Kleider aus fließender Seide, Blusen mit wolkenähnlichen Mustern und die perfekten Pyjama-Anzüge kommen vor den ausladenden Blumenarrangements bestens zur Geltung. Lovechild widmet seine S/S17-Kollektion den starken Frauen unserer Zeit und umgibt sie mit einem Hauch der 50er an der italienischen Riviera. 

Asger Juel Larsen 
Asger Juel Larsen ist im Herzen Punk. Deshalb sieht sein Publikum auch eher nach Aftershowparty eines Skate-Contest in den 90er-Jahren aus als nach Fashionshow. Genau die findet aber als Abschluss des zweiten Tages der Modewoche in Børsen unter dem Motto »Burned Not Fried« statt. Oversized geschnittene Holzfällerhemden, übergroße Bikerjacken und mit Patches bestickte Strickpullis, die locker als Kleid durchgehen würden, abgeschnittene Jeansshorts und dazu klobige Tassle Loafers von Doc Martens an den Füßen – so ungefähr sieht der Style von Kopenhagen aus, den Asger Juel Larsen in seiner Kollektion auf die Spitze treibt. 
Asger Juel Larsen
Bild: Vanessa Weber

Freitag, 12. August

Randy
Wer oder was bitte ist Randy? Der Name im Schauenplan der Kopenhagener Modewoche dürfte selbst bei eingefleischten (oder selbsterklärten) Fashion-Experten für Schulterzucken gesorgt haben. Gerade mal 400 Abonnenten hat das Label von Adrian Soelberg bei Instagram, der als Randy seine dritte Menswear-Kollektion in einer kleinen Kunstgalerie zeigt. Trotzdem fasst die Show so ungefähr alle Trends zusammen, die in den vergangenen Tagen auf den Laufstegen oder Straßen gesichtet wurden: Hier Hosenbünde mit Kampfsport-Anleihen, da Seidenhemden mit chinesischer Ornamentik, Strickpullis im Army-Style, Workerwear-Hemden mit Schnallen-Details, kastenförmige Jacken in Khaki und dazu derbe Boots aus schwarzem und weißem Lackleder mit massiven Sohlen. Unaufgeregt, aber gut.

Elaine Hersby

Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einer Fashionshow zuzusehen, während man gemütlich im Acapulco Chair oder wahlweise in einer Badewanne Platz nimmt? Bei der Präsentation von Elaine Hersby ist genau das der Fall. Die komplett gekachelte Location bietet genügend Separees, in denen man es sich mit einem Kaltgetränk gemütlich machen kann, während ein angenehm ausgewogener Mix unterschiedlichster Models in Teilen der S/S17-Kollektion vorbeiflaniert. Die Farbpalette reicht von Weiß und Créme und bis hin zu Rose und Schwarz, die teils sehr figurbetonten Stücke kombinieren Sweatshirt-Jersey mit latexähnlichen Materialien, Steppnähte sorgen für Bondage-Anleihen, die ein bisschen an Hervé Léger erinnern. 

HÆRVÆRK

Niels Gundtoft Hansen ist ein echter Krawallbruder – insofern verwundert es nicht, dass er seine Kollektion nicht in Kopenhagen, sondern in der Freistadt Christiania ausrichtet. Der Geruch von Marihuana, dessen Konsum hier erlaubt ist, dringt durch die Türen von Alis Wonderland, dem kleinen Indoor-Skatepark direkt neben der Pusher-Street. Man sitzt auf Bierkästen, während leicht verlottert aussehende Models energischen Schrittes die Bühne betreten. Für deren Walk hätte Heidi sicher kein Foto gehabt. Die Looks wirken wie aus der Öltonne gefischt und durch den Farbeimer gezogen: Glänzende Oberflächen auf steifen Stoffen. Primärfarben und Monrianeske Prints machen deutlich, dass HÆRVÆRK mehr Konzeptkunst als Mode für echte Menschen macht.

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