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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

geh_doch_tanzen

go_disko

So ein Label macht Arbeit. Arbeit, von der man nie wissen wollte, dass es sie überhaupt gibt. Arbeit, die einem glatt die Freude an der Musik verderben könnte. Und da alles nicht einfacher wird (ojeoje), der Preisdruck weiter drückt und die Strukturen immer weiter professionalisiert werden müssen,
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So ein Label macht Arbeit. Arbeit, von der man nie wissen wollte, dass es sie überhaupt gibt. Arbeit, die einem glatt die Freude an der Musik verderben könnte. Und da alles nicht einfacher wird (ojeoje), der Preisdruck weiter drückt und die Strukturen immer weiter professionalisiert werden müssen, sitzt manch ein Labelmacher immer öfter Samstagabend im Büro, wo man doch eigentlich viel lieber in die Diskothek ginge. Die Software go_disko* soll helfen, das Leben wieder etwas leichter zu machen, indem sie alle Informationen, die bei der Labelarbeit so anfallen, in einer Nutzeroberfläche zugänglich macht. Sie verwaltet Kontakte, strukturiert diese nach branchentypischen Gesichtspunkten, nimmt zentrale Informationen über Tonträger und Artists auf, für Gema-Meldungen genauso wie für den MP3-Shop oder die Presseinfo. Sie sammelt Verkaufszahlen, erstellt Royalty Statements und organisiert Bestellungen, die Lagerhaltung, den Vertrieb oder die Abrechnungen. go_disko* ist modular aufgebaut, und die zentralen Arbeitsbereiche können so nach Gusto kombiniert werden. Wer sich um das Booking kümmern will, bekommt genauso ein Modul wie der, der sich um die PR bemüht.

go_disko* gibt es seit 2001 und besteht derzeit aus Barbara Hallama und Aki Hetkamp, unterstützt von einem Hardware-Spezialisten und einem weiteren Mitarbeiter in England. Neben der offensichtlich notwendigen Berücksichtigung der branchenspezifischen Besonderheiten, die in langer Kleinarbeit bei Freunden und Kunden gesammelt wurden, richtet sich die Software stark nach den Bedürfnissen der Nutzer aus. Überhaupt ist der Kontakt zwischen Hersteller und Nutzer des Programms sehr eng. Persönliche Betreuung spielt eine wichtige Rolle und wird als integraler Bestandteil des Gesamtprodukts angesehen, entsprechend wird sie auch nicht wie bei der Konkurrenz minutengenau abgerechnet. Dies gilt nicht nur für den Support. Auch kleinere Systemerweiterungen und individuelle Anpassungen werden so inklusive verstanden, ohne dass hier genauere Formalisierungen oder Leistungsbeschreibungen definiert wären. Man kennt sich ja, und nur wenn jemand all zu oft den Support in Anspruch nehmen will, wird halt mal nahe gelegt, dass es jetzt an der Zeit wäre, sich die Informationen aus den Handbüchern selbst zusammenzusuchen. Das funktioniert laut Barbara Hallama auch ganz gut. Was mit daran liegen mag, dass der allergrößte Teil der Kundschaft sich sowohl geschmacklich als auch häufig räumlich in unmittelbarer Nachbarschaft der Firma befindet. Fast alle der in der Referenzliste angegebenen Labels bewegen sich im Bereich elektronischer Musik, und sehr viele haben ihren Sitz in Berlin. Oder in Köln natürlich. Zur familiären Atmosphäre kommt, dass go_disko* einen so nett an die Vergangenheit erinnert. Der störrisch zu tippende Name mit Sternchen*, die Verwendung von (fast) durchgehender Kleinschreibung in den Eingabemasken, Flash-Webseite ganz ohne CMS, Hot News und Suchmaschinen-Optimierung, aber dafür mit Endlosloop und spielerischer Navigation erinnern wohlig an Zeiten, als die Welt noch in Ordnung war und der letzte Klickerkram und der ödeste Looptechno gekauft wurden wie frisch geschnitten Brot.

go_disko* hilft wie gesagt, sich den neuen Herausforderungen des sich ständig verändernden Marktes entgegenzustellen, und pariert da auch alle zum Test erdachten Anwendungsfälle ganz souverän. Sollte mal eine Funktion nicht im gewünschten Maße vorhanden sein, so besteht, Schilderungen zufriedener Anwender zufolge, eine realistische Chance, dass Aki, der Entwickler der Software, sie einfach recht unkompliziert einbaut. Was die Software natürlich nicht leistet, ist, das an sich unglaublich verwirrende Geflecht aus Gema- und Lizenzbestimmungen, Vertragsmodellen, Fachtermini und quasi institutionalisierten Prozessen zu erklären – das nötige Hintergrundwissen muss man sich nach wie vor selbst erarbeiten. Eine große Hilfe ist es aber schon, dass alle benötigten Informationen im sinnvollen Verbund dargestellt werden. Übersichtlichkeit und Usability könnten dabei für meinen Geschmack aber noch deutlich besser sein. go_disko* besticht eher durch die Fülle an Wissen der Entwickler über Bedürfnisse der Anwender als durch programmiererische Eleganz oder ein ausgefeiltes GUI. Die Einstiegsversion go_disko* light ist für 400 Euro erhältlich und richtet sich an neu gegründete Labels, die noch im Bereich einstelliger Katalognummern operieren. Das reguläre Basismodul kostet pro User 549 Euro, die Zusatzmodule jeweils zwischen 250 und 499 Euro. Das komplette Paket inkl. Booking, Promotion und Digital Distribution kommt auf 2149 Euro pro Arbeitsplatz zuzüglich der auch nicht ganz günstigen Filemaker-Lizenzen, die für den Mehrbenutzerbetrieb separat erworben werden müssen. Dafür muss man dann doch schon ein paar Tonträger an den Mann bringen.

Kundenliste
Die Kundenliste bei go_disko* ist so erlesen wie umfangreich: !K7, 2nd Records, Areal, BPitch Control, City Center Offices, der Cocoon Club, Four Music, Freude Am Tanzen, Hausmusik, Kitty-Yo, Kompakt, Plug Research, Shitkatapult, Staubgold, Traum/Trapez oder WMF sind nur einige der über 70 Labels, Vertriebe oder Clubs, bei denen die Software eingesetzt wird.

GUI
GUI steht für Graphical User Interface. In der Software-Ergonomie ist damit die grafische Benutzerschnittstelle gemeint, also die Verbindung zwischen Mensch und Software. Eine schöne Sammlung von GUIs verschiedener Betriebssysteme findet sich z. B. unter http://toastytech.com/guis/. Passt hier zwar nicht richtig rein, ist aber was Nettes für Nerds.