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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Gegen die Rollenzuschreibungen

Models & Musiker

Models lieben das Musikmilieu - und umgekehrt. Das ist nicht neu, aber noch immer erfreulich ereignisreich für unser Verlangen nach Glam, Klatsch und Boulevardeskem.
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Models lieben das Musikmilieu - und umgekehrt. Das ist nicht neu, aber noch immer erfreulich ereignisreich für unser Verlangen nach Glam, Klatsch und Boulevardeskem, denn davon fällt beim gegenseitigen Kennenlernen jede Menge an.

Gehen wir zurück ins Jahr 1990: Damals ließ George Michael gleich zwei Meilensteine im Genre Model-Musikvideos drehen, zunächst für "Freedom", zwei Jahre später auf die Spitze getrieben für "Too Funky". Wer wissen will, welche glamouröse Riege den heute sehr verwaschenen Begriff Topmodel einst prägte, ist mit diesen Clips schnell wieder im Bilde. Diese waren so prägend, dass selbst schlappe 17 Jahre später Lady Gaga karikierend Bezug darauf nimmt, wenn sie sich selbst im Video zu "Paparazzi" an Krücken auferstehen lässt - trägt sie doch in der Szene den phänomenalen Metall-Body, der damals von Thierry Mugler perfekt auf Emma Sjöbergs Rundungen geschnitten wurde. Zwar wurde beim Casting für "Too Funky" Tyra Banks der Vorzug vor Naomi Campbell gegeben, von diesem kleinen historischen Malheur abgesehen, ist es aber nicht zu vermessen, die Campbell als die Königin der Musikvideos zu bezeichnen.


Macy Gray, Vanilla Ice, Jay-Z, Madonna und letztlich auch George Michael setzten sie als Sexsymbol dekorativ in Szene. Bei einem jedoch scheiterte dieser Versuch: Michael Jackson schwitzt trotz ihrer Nähe im Clip zu "In The Closet" nicht mal; zum Trost für La Campbell kann ergänzt werden, dass auch Iman (im Clip zu "Do You Remember The Time") gegen die Asexualität des King of Pop nichts ausrichten konnte.


Kommen wir wieder zu erfolgreicheren Versuchen: Der Preis des erotischsten Videos mit Topmodel-Einbindung geht klar an Chris Isaac. Wer konnte sich schon dem Anblick einer halbnackten Helena Christensen entziehen, an der ein liebeskranker Isaac fünf Minuten herumfummelt und sich dabei in "Wicked Games" verstrickt?


Und heute? Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Damals bewegten die hochbezahlten Schönheiten lasziv die Lippen zum Text, heute singen sie zum größten Teil selbst. Agyness Deyn ist nicht nur gerne mit Musikern liiert (beispielsweise mit Albert Hammond jr. von den Strokes oder Anthony Ellis von den Five O'Clock Heroes), sondern singt wie im Fall von Ellis auch gerne mal für dessen Band einen Song ein ("The Who"). Und warum nicht? Kate Moss hat das schließlich für Primal Scream, die Band ihres ehemaligen Lovers Bobby Gillespie, auch schon gemacht - bei ihrem aktuellen, Jamie Hince von The Kills, durfte sie bislang nur stundenlang (Karaoke-) Singen; dafür hat Sofia Coppola sie im Video zu The White Stripes "I Just Don't Know What To Do With Myself" rangelassen. In diesem räkelt sich Kate effektvoll ungelenk auf Podest und an der Pole.


Damit aber auch genug an halben Kompromissen. Hoffnung macht die aktuelle Generation musizierender Models, die sich gegen Grenzziehungen und Rollenzuschreibungen wehren - einfach, da sie beides draufhaben. Die im Hipster-Epizentrum Brooklyn lebende Lissy Trullie zum Beispiel hat sich erst als Model einen Namen gemacht, um auf diesem Standbein direkt ihre Musikerkarriere in Angriff zu nehmen. Angenehmer Nebeneffekt: So müssen im Videoclip auch nicht mehr fremde Topmodels aufgefahren werden.