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Die letzten Gentlemen von Bacongo

Stylecheck international

Den Hut tief im Gesicht hängend, ein weißes Hemd, ein schwarzes enges Sakko und einen dünnen langen Schlips tragend – so kennt man Libertines- und Babyshambles-Frontmann Pete Doherty.
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Den Hut tief im Gesicht hängend, ein weißes Hemd, ein schwarzes enges Sakko und einen dünnen langen Schlips tragend – so kennt man Libertines- und Babyshambles-Frontmann Pete Doherty.

Sein Kollege Jarvis Cocker setzt auf Bundfaltenhose und Cordjackett und machte so den Erdkundelehrer-Style wieder populär. Und die Last Shadow Puppets geben sich in Trenchcoat und karierten Hemden die Ehre.
Drei Beispiele dafür, dass der Dandy-Stil, wie ihn Marc Bolan mit T.Rex, der frühe David Bowie oder die Modbewegung um die Small Faces einst geprägt haben, noch immer gerne aufgegriffen wird. Und doch muss man leider attestieren: Dem Patienten Pop gehen die leidenschaftlichen Vertreter des Dandy-Chic langsam aus. Zumindest in seinen Epizentren.



In einer kleinen Gemeinde im Kongo allerdings hat der italienische Fotograf Daniele Tamagni den zelebrierten Stil als Lebensgefühl sehr lebendig vorgefunden: La SAPE (kurz für Société des Ambianceurs et des Personnes Élégantes) nennt sich die dortige Gruppierung. Tamagni hat das Leben dieser Sapeurs fotografisch dokumentiert und ihre Regeln und Geschichten für sein Buch „The Gentlemen Of Bacongo“ eingefangen.

Der Ursprung der Bewegung liegt in der französischen Kolonialzeit des Kongo. Fasziniert vom Stil und der Eleganz der Franzosen, entwickelten die Einheimischen ihre ganz eigene Spielart des Dandy-Styles. Statt Stangenware werden einzigartige bunte und stilvolle Anzüge, Sakkos und Schuhe zur Schau getragen, die mit den richtigen Socken oder der Zigarre bis ins Detail aufeinander abgestimmt sind. Die Sapeurs erhoben den Stil dabei zu ihrer Religion, um ihn kreisen sogar zehn Gebote: So dürfen sie nicht gewalttätig oder arrogant sein, in der Öffentlichkeit ist das Sitzen verboten, Aussehen und Kleidung müssen stets gepflegt sein. Auch wer keinen regelmäßigen Job hat, spart jeden Pfennig für seine Kleidung. Man lässt sich nicht von der Armut des Landes herunterziehen: Erst kommen die Anzüge, dann so triviale Bedürfnisse wie Hunger – und auch der Leitspruch dazu hat Klasse: „Die richtigen Sachen zu tragen füttert die Seele und den Körper.“ Den Spruch sollte mal jemand Pete Doherty ins Ohr flüstern, wenn er das nächste Mal betrunken in Anzug und Krawatte auf dem Bürgersteig liegt.

Daniele Tamagni „Gentlemen Of Bacongo“ (Trolley Books / VÖ 05/10)