×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Bass! Bass! Wir brauchen Bass!«

Das kann Apples HomePod (und das nicht)

Kurz bevor wir unsere Büros räumen, bekamen wir noch ein Testgerät von Apples neuem HomePod geschickt. Wir haben das schicke, aber vielleicht (noch) gar nicht so smarte Teil mit nach Hause genommen und einem kleinen Test unterzogen.

Geschrieben am

Mit Apple wird es meiner Meinung nach immer dann spannend, wenn die Firma ein Produkt auf den Markt bringt, auf das niemand so richtig gewartet hat. Oder genauer: Eines, bei dem sich viele fragen, warum das eigentlich so lange gedauert hat. MacBooks und iPhones sind Selbstläufer, auch wenn immer viel gemosert wird und die Konkurrenz hier manchmal gar Vorsprung hat – am Ende kaufen dann doch genug Menschen die Dinger, weil Apple gerade in Sachen Benutzerführung und Design vieles richtig macht. Bei Produkten wie Apple Music oder dem HomePod sieht die Sache dann eben anders aus. Apple Music startete damals geradezu holprig, nachdem sich einige namhafte Künstlerinnen und Künstler darüber beschwerten, dass sie in den drei kostenlosen Testmonaten auch leer ausgehen sollten. Außerdem war der Streamingmarkt da schon fest in Spotify-Händen, weil man in dem Hause, das mit iTunes den digitalen Download legalisierte, verständlicherweise noch eine Weile darauf hoffte, dass die Leute Musik weiterhin besitzen und nicht bloß mieten wollen. Mittlerweile jedoch ist Apple Music ein sehr gutes Produkt, das mit Beats One, exklusiven Inhalten und seinen zahlreichen Playlisten punktet und immer besser wird. Außerdem stellte Apple-Music- und Beats-Cheffe Jimmy Iovine sich schon damals im Intro-Interview der Kritik. Der HomePod ist nun also Apples Schritt in den Smart-Speaker-Markt, auf dem sich zum Bespiel schon Amazons Echo, der Sonos One und Google Home tummeln.

»Bass! Bass! Wir brauchen Bass!«

Ganz ehrlich: Es ist schwer, diesem Ding zu widerstehen, wenn man es frisch verpackt zuhause stehen hat. Design können sie eben. Das fängt bei der Verpackung an. Dem schicken weißen Karton, der natürlich – hüstel – unserem aktuellen, letzten Heft nachempfunden ist. Auch die Art, wie sich die Klarsichtfolie löst und selbständig entfaltet, wird Unboxing-Fetischisten und Tech-Nerds eine Erektion verpassen oder breit grinsen lassen. Das Gerät selbst liegt gut in der Hand, wirkt edel und ist erstaunlich schwer. Das Einrichten ist ein Klacks. Anschließen, iPhone daneben halten und der Rest ist mit ein paar Klicks erledigt. Das tiefe Brummen beim Einrichten zeigt dann bereits, wo der HomePod überlegen ist: beim Sound. Sechs Boxen stecken drin, plus Subwoofer. Außerdem vermisst das Gerät mit einer speziellen Technik den Raum, in dem es steht – wie man es auch von Sonos-Produkten kennt. Das Klangerlebnis ist wahrlich beeindruckend, vor allem bei Acts, die gut mit Bässen können. Ich empfehle zum Beispiel mal das neue Drake-Album oder eine Best of von Massive Attack anzuwerfen – oder eben Das Bo. Wenn man sich durch die bereits veröffentlichten Tests liest, kommt fast jeder zum gleichen Schluss: Soundmäßig ist der HomePod unter den Smart-Speakern überlegen. Preismäßig mit seinen 350 Euro allerdings auch. Trotzdem gibt es mir bereits jetzt zu denken, wie oft ich meine (zugegeben auch nicht allzu gute) Stereoanlage verschmähe und über iPad und Homepod höre.

»Tut mir leid, momentan übersteigt das meine Fähigkeiten«

Wie so oft bei Apple braucht es eine Weile, bis der erste Rausch vergeht und man ins Stutzen gerät. Denn: Bei mir funktionieren die erste Schritte auch nur so gut, weil ich iPhone-, iPad-, und Apple-Music-Nutzer bin. Der HomePod lässt sich bisher tatsächlich nur mit einem iOS-Gerät über die Home-App einrichten. Bluetooth 5 gibt es zwar, eine reguläre Verbindung mit dem Lautsprecher über ein Android-Gerät mit dieser Technick funktioniert jedoch trotzdem nicht. Über Airplay kann man mit einem iOS-Gerät den HomePod zwar als »normalen« Lautsprecher nutzen und auch problemlos Spotify verwenden, aber die Sprachsteuerung via Siri funzt wiederum nur bei Apple Music, iTunes und Co.

In Sachen Sprachsteuerung ist der HomePod übrigens auch eher hintenan, wenn man ihn mit der Konkurrenz vergleicht. Siri kann auf dem HomePod nur auf bestimmte Funktionen zugreifen. Termine abfragen, oder frei auf das Internet zugreifen, geht zum Beispiel nicht. Wetter, Nachrichten und Verkehrslage kriegt sie wiederum hin. Auch die Steuerung der Musik gelingt nach einer Weile recht gut. Song- und Albentitel werden meistens erkannt, Laut-Leise-Kommandos auch bei hoher Lautstärke der Musik verstanden, und das Kommando »Hey Siri, spiel ›You Suffer‹ von Napalm Death« bleibt ein großer Spaß, den ihr gerne mal ausprobieren dürft. Und wer – wie ich eigentlich auch – einfach nicht mit seinen technischen Geräten reden will, kann Siri auch einfach über die Home-App ausschalten und trotzdem die wichtigsten Funktionen des HomePods nutzen.

Trotzdem hört man nach einem »Hey Siri!« – was als Startsignal verwendet wird – und einer Frage oft die Antwort: »Tut mir leid, momentan übersteigt das meine Fähigkeiten.« Wobei hier das Wörtchen »momentan« eine wichtige Rolle spielt: Denn all diese Probleme wären sicherlich mit diversen Software-Updates zu beheben. Ebenso die Öffnung für eine reguläre Bluetooth-5-Steuerung über Android-Geräte. So sehr ich auch die Apple Policy verstehe, Kunden ins iOS-Land zu locken, so dumm erscheint es mir, Android-Nutzer völlig außen vor zu lassen.

So ist mein Fazit also ein gemischtes: Ich bin sehr zufrieden, aber eben nur, weil mir als Apple-Kunde sozusagen der weiße Teppich ausgerollt wird. Ich höre oft und gerne Beats One, ich habe einen Großteil meiner digitalen Sammlung über Apple organisiert und ich habe die Vorteile des Streamings seit langem schätzen gelernt (was allerdings zufolge hat, dass meine Vinylsammlung seitdem stetig wächst, weil ich Alben, die mir am Herzen liegen, nun immer auf Platte zulege). Bleibt zu hoffen, dass Apple – wie so häufig – mit der Zeit ein wenig kulanter wird und einsieht, das Android-Nutzer auch Menschen, äh, Kunden sind, denn – verdammte noch mal – das Ding klingt nunmal leider geil.

Und jetzt noch einmal:

»Hey Siri, spiel ›You Suffer‹ von Napalm Death«

»BBBBBBRRRRRRRRÜÜÜÜÜÜÜLLLLLLLLLLL!!!!!!!«

He he ...