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Schon seit Ewigkeiten in Mode

Heute: Chuck Taylors

"An den Schuhen erkennt man auf den ersten Blick, wie jemand wirklich drauf ist." Karolina Burbach über Turnschuhe und Legenden.
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"An den Schuhen erkennt man auf den ersten Blick, wie jemand wirklich drauf ist." Karolina Burbach über Turnschuhe und Legenden.

"An den Schuhen erkennt man auf den ersten Blick, wie jemand wirklich drauf ist", hat mal ein Freund zu mir gesagt, der sich auskennt. "Und?" wollte ich wissen, "Wie bin ich drauf?" - "Du bist cool." An dem Tag hatte ich Chucks an. Das war in den 90ern. Im Fernsehen lief "Ferris macht blau" mit Ferris Bueller in Converse Chucks. Und "Beverly Hills 90210" mit Dylan McKay, dem coolen Serien-Outlaw. Der natürlich auch Chucks trug. In Irvine Welshs kongenialem "Trainspotting" tauchte Ewan McGregor auf Trip im dreckigsten Klo Großbritanniens nach irgendwelchen Drogen - ebenfalls in Chucks.

Chucks, das waren immer Turnschuhe für Rebellen. Für diejenigen, die alles anders machen. Die wild und gefährlich leben. Kleinbürgerliche Sicherheit bereitwillig eintauschen gegen den Traum von der großen Freiheit. Mit so einer Einstellung lebt man vielleicht nicht besonders lang, aber sie ist eine gute Voraussetzung, um eine Legende zu werden.

Und so beginnt die Geschichte der ganz großen Chucks-Legenden eigentlich auch in den 50er-Jahren mit den Anfängen der Jugendkultur. Damals lehnten sich Elvis, der King of Rock'n'Roll, und Filmstar James Dean gegen ihre spießige Elterngeneration auf: Elvis mit laszivem Hüftschwung, James Dean mit provokanten Filmrollen und beide mit Converse-Tretern. Im Zeitalter von Punkrock und später dann Grunge traten die Jungs von The Ramones und The Clash, Iggy Pop und Kurt Cobain in die Fußstapfen der Turnschuh-Rebellen.

Mick Jagger hat 1971 sogar in Chucks geheiratet. Die Ehe hat nicht lange gehalten, die Schuhe schon. Denn die Basketballstiefel mit dem Stern an der Seite haben seitdem keinen Millimeter an Beliebtheit eingebüßt. Im Gegenteil: Jeder, der heute irgendwie angesagt ist, läuft in den Dingern rum: Jude Law, Sienna Miller, Kate Moss, Pete Doherty, Gisele Bündchen, Brad Pitt, George Clooney, Snoop Dog, Johnny Knoxville, Marc Jacobs, Giles Deacon - die Liste ist unendlich lang.
Aber warum sind diese Schuhe nur so verdammt cool? "Sie waren immer etwas anderes - einfach, weil sie schwarz waren und verwegen", erklärt Gene Sculatti, Autor des Buches "The Catalog Of Cool", die Popularität von Converse-Sneakers. "Vielleicht ist es ihre resolute Einfachheit, die sie so attraktiv macht."

Durch ihre Schlichtheit erscheinen die Schuhe authentisch - ein nicht zu unterschätzender Faktor für ihre Coolness. Auch der Preis spielt eine Rolle: Chuck Taylors kann man sich leisten. Wer die Sport-Stiefeletten trägt, dem nimmt man das Rebellen-Dasein auch ab. Es ist ja so: je dreckiger und zerlumpter die Treter, desto besser. An sauberen Schuhen erkennt man den Neuling. Ein echter Turnschuh-Rebell würde sich schämen, in jungfräulich weißen, frisch gekauften Converse-Halbschuhen herumzulaufen. Der wird ja dafür im falschen Viertel verprügelt! Nein, Chucks müssen schmutzig sein. Sie müssen so viel erlebt haben wie ihr Träger. Wahrscheinlich wird es irgendwann, ähnlich wie bei Jeans, Modelle geben, die von vorneherein aufwendig auf alt getrimmt sind.

Bis dahin tragen wir unsere Lieblingslatschen konsequent weiter, bis sie buchstäblich auseinanderfallen. Bis zum bitteren Ende. Und dann? Dann kaufen wir uns neue. Und schmücken sie mit der Patina des nächsten Kapitels unserer Geschichte. Wem das zu lange dauert, dem empfehle ich, damit Gotcha zu spielen. Oder in Toiletten zu tauchen. Hauptsache, wild und gefährlich - und cool.