×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Wer braucht schon neue Kleidung?

Caroline Hoops im Interview

Wer wirklich etwas ändern will, sollte bei seinem eigenen Konsumverhalten anfangen. So wie Caroline Hoops. Auf ihrem Blog »Ein bisschen grüner« schreibt sie über ihren Alltag nach dem Zero-Waste-Prinzip. Verschwendungen, unnützer Müll und Konsum werden hierbei auf ein Minimum reduziert. Bei Caroline landen nur Secondhand-Klamotten in der umweltfreundlichen Tüte.
Geschrieben am

Interview:
Chiara Baluch

Du lebst nach dem sogenannten Zero-Waste-Prinzip. Wie bist du dazu gekommen?
Vor ein paar Jahren bin ich über die Amerikanerin Lauren Singer und ihren Blog »Trash is for Tossers« gestolpert. Lauren ist eine der Vorreiterinnen der Zero-Waste-Lebensweise. Ich habe einen Artikel über sie und ihren Lebensstil gelesen. Das hat mich erst einmal neugierig gemacht, allerdings noch nicht dazu geführt, dass ich das Prinzip direkt für mich umgesetzt habe. Ich bin dann irgendwann noch mal auf das Thema gestoßen, als ich im Netz nach Alternativen für Haarpflege gesucht habe.

War das also der Schlüsselmoment, der dich zu deinem Umdenken bewegt hat? 
Ich würde sagen, das hat sich nach und nach entwickelt. Ich habe begonnen, Umweltwissenschaften zu studieren, und mich automatisch mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Dabei habe ich festgestellt, dass quasi alle meine Pflegeprodukte ausschließlich aus Chemie bestehen und total schädlich für uns sind. So hat meine Zero-Waste-Reise quasi im Badezimmer bei Cremes und Shampoo begonnen und sich auf alle anderen Bereiche wie meinen Kleiderschrank ausgebreitet.

Auf deinem Blog berichtest du, dass du so gut wie keine neue Kleidung kaufst. Woher bekommst du deine Klamotten?

Das ist unterschiedlich. Am liebsten kaufe ich offline. Ich gehe sehr gerne auf Flohmärkte, weil dort das Angebot mit Abstand am günstigsten ist. Und es gibt ja mittlerweile auch diese sogenannten »Mädchenflohmärkte«, der Name ist zwar etwas blöd, aber dort bekommt man meist schöne gebrauchte Kleidung. In Secondhand-Geschäfte gehe ich auch sehr häufig. Eine andere coole Alternative sind Tauschpartys, auf denen man Kleidung untereinander tauschen kann. Man muss hier also noch nicht einmal Geld ausgeben. Online bin ich dann ab und zu auch auf Plattformen wie Kleiderkreisel unterwegs.

Wie schaffst du es, bei den ganzen neuen Klamotten in den Schaufenstern standhaft zu bleiben?
Am Anfang war es noch ziemlich schwierig, nicht schwach zu werden. Aber mit der Zeit hat die Versuchung abgenommen. Ich bin viel seltener in der Innenstadt unterwegs und verspüre überhaupt nicht mehr das Bedürfnis, in die Stadt zu gehen und zu gucken, was ich dort alles kaufen könnte. Ich kaufe auch nicht nur Kleidung aus zweiter Hand, sondern so ziemlich alles – Möbel oder andere Gebrauchsgegenstände beispielsweise. Deswegen habe ich nicht mehr diesen Konsumdrang. Mich stresst das ganze Angebot eher. Außerdem bin ich total verwöhnt vom Secondhand-Geschäft, weil es so günstig ist. Denn wenn ich mir doch mal etwas Neues kaufe, dann ausschließlich verhältnismäßig teure Öko-Mode. Die Preise sind zwar gerechtfertigt, aber natürlich überlege ich zweimal, ob ich mir das T-Shirt für 40 Euro leiste oder darauf verzichten kann.

Du lebst vegan. Beziehst du dann auch nur vegane Kleidung?
Ja. Allerdings besitze ich einen Ledergürtel und habe auch Lederschuhe im Schrank. Das finde ich okay, weil ich die Sachen secondhand gekauft habe.
Es gibt Modelabels, die nach dem Zero-Waste-Prinzip schneidern. Beispielsweise hatte Weekday vor einiger Zeit eine Kollektion, bei der die Schnittmuster so gefertigt wurden, dass dabei so wenig Stoff wie möglich in der Tonne landete. Wie stehst du dazu? 
Generell finde ich es immer besser, Kleidung zu kaufen, die schon im Umlauf ist. Aber es ist super, wenn große Marken wie Weekday sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen und solche Kollektionen auf den Markt bringen. So rückt das Bewusstsein dafür etwas mehr in die Öffentlichkeit.   

Ist dein Kleiderkonsum seit deinem Umstieg auf Zero Waste gesunken, oder ist das Angebot so groß, dass du so viel im Schrank hast wie vorher?
 
Ich könnte auf jeden Fall so viel kaufen wie früher, versuche jedoch, das Thema Kleidung etwas minimalistischer anzugehen. Ich sortiere öfter aus, kaufe aber gern etwas »neues« Gebrauchtes. Es ist also möglich, auch mit gebrauchter Mode seinen Kleiderkonsum beizubehalten.

In einer perfekten Welt: Würdest du dir wünschen, dass jeder nur noch Gebrauchtes kauft? 
Ich fände es gut, wenn es weniger Fast Fashion gäbe und nachhaltiger und fairer produziert werden würde. Dadurch würde im Umkehrschluss die Qualität steigen, und die Leute würden automatisch weniger Schrott kaufen. Die Kleidung, die sie im Schrank hätten, wäre einfach langlebiger.