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Grob im Detail

Boessert/Schorn

Sonia Boessert und Brigitte Schorn waren sich schnell einig: Während ihres Modestudiums in Halle aufeinandergetroffen, gründeten
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Sonia Boessert und Brigitte Schorn waren sich schnell einig: Während ihres Modestudiums in Halle aufeinandergetroffen, gründeten sie 2003 ein gemeinsames Label und präsentieren ihre handgefertigten Kollektionen mittlerweile international in Showrooms in Berlin, Hollywood und Tokio.

Ihr schafft es, ein Kleidungsstück gleichzeitig nach grobem Entwurf und doch perfekt vollendet aussehen zu lassen, so als würdet ihr das schon immer machen. Welchen Berufswunsch habt ihr früher in "Meine Schulklasse"-Heftchen geschrieben?

B: Hausfrau - wie meine Mutter. Später wollte ich dann einen Secondhandshop haben oder einen Selbstversorger-Bauernhof.
S: Schon immer Designerin ... mal Foto, mal Möbel, mal Grafik, mal Mode.
Wie schildert ihr einem Ahnungslosen eure Kollektion?
S: Tragbar, komfortabel, in handgemachter Ästhetik, rau, roh, grob, unangestrengt, unaufdringlich weiblich, unakkurat, störrisch.

Euer Markenzeichen ist ein Wappen, welches Land bewohnt ihr?
B: Es ist der Zusammenschluss zweier Reiche. Wir sind beide Individualisten und bestehen auf unseren Entscheidungsfreiräumen innerhalb der gemeinsamen Arbeit.
S: Das symbolisiert das geteilte Wappen sehr gut. Es tauchen unsere Initialen darin auf, außerdem das Handwerkszeug Nadel und Faden [Brigitte] und auf der anderen Seite der Vogel auf einer Kugel [Sonia]. Wir haben während des Studiums mal Bücher über Heraldik angeschaut, die Wappen haben uns so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, unsere Tradition selbst zu schaffen.
Stellt euch vor, ihr hättet einen Wunsch frei und dürft einen Trend setzen, der sich weltweit durchsetzt. Wie sieht dieser aus?

B: Zerschlissene Wollpullis kunstvoll gestopft.Und was darf nie wieder aufleben?
B: Das Korsagenkleid.
S: Zu stimmige Outfits. Ich mag es nicht, wenn alles perfekt zueinander passt. Sonst geht für mich fast alles durch - mit der passenden inneren Haltung.
Welche Fremd-Kollektion hättet ihr am liebsten selbst entworfen?
S: So stelle ich mir diese Frage nicht. Ich mag es sehr, eigene Handschriften zu sehen, Unterschiedliches und sehr Eigenes. Kollektionen, die mir gefallen, ändern sich stetig, es gibt ja immer wieder neue gute Designer. Ich mag es sehr, überrascht zu werden, eine Sprache zu entdecken, die ich vorher noch nicht kannte, und sie trotzdem zu verstehen. Dann stellt sich noch die Frage, unter welchen ästhetischen Aspekten man die Kollektion betrachtet, also die Perspektive. Es gibt Kollektionen, die finde ich schön, weil sie auf dem Laufsteg (in der Entfernung) sehr schön sind, andere finde ich toll, weil die einzelnen Teile aus der Nähe betrachtet sehr sensibel gefertigt sind.
Wie viel Prozent eures Lebens macht die Mode aus? Was passiert in der restlichen Zeit?
B: Mode nimmt zurzeit nur 40 % ein. Ich habe eine kleine Tochter, die beansprucht schätzungsweise 58 %, die restlichen 2 % sind Entspannung.
S: Ich bin Fachidiotin - 90 % Mode, dann essen, sonnen, Filme schauen, schlafen, lesen, tanzen.
Welche Band würdet ihr gerne mal einkleiden?
B: Maher Shalal Hash Baz, die finde ich ganz lustig. Sie sehen relativ unauffällig aus, aber sympathisch, und ich habe bei einer Frau einen Schottenrock gesehen, der mir auch gut gefällt und den ich als Stoff schon verwendet habe. Ich denke, wir könnten uns verstehen.
Was macht ihr in zehn Jahren, und wo wohnt ihr dann?
B: Ich wohne schon jetzt nicht mehr in Berlin, sondern am Niederrhein, dort betreibt mein Freund eine Baumschule. In zehn Jahren werde ich wahrscheinlich immer noch dort wohnen, aber wieder viel reisen können.
S: Was ich in zehn Jahren mache? Mode. Ich bin erst seit drei Jahren in Berlin, in zehn Jahren werde ich auch noch dort leben, in elf Jahren nicht mehr.

.:: www.boessert-schorn.de ::.