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Zeitzonen und große Egos

Bildband zu Mode und Kunst

Das Hummerkleid von Elsa Schiaparelli und Salvador Dalí, Cindy Shermans Selbstporträts in Vintage Chanel oder die von Elmgreen & Dragset installierte Prada-Boutique »Prada Marfa« in der Wüste – in Bildern und Essays zelebriert »Art And Fashion: Collaborations And Connections Between Icons« 25 der spannendsten Verbindungen von Mode und Kunst. Autorin E. P. Cutler erklärt deren Faszination. 
Geschrieben am
Was fasziniert dich an der Fusion von Kunst und Mode?
Ich finde es unruhestiftend und rebellisch, wenn Grenzen verwischt und überschritten werden – diese Provokation fasziniert mich. Zudem sind Kollaborationen zwischen Kreativen extrem schwierig. Kontinente, Zeitzonen, Sprachbarrieren, große Egos und unterschiedliche Visionen müssen überwunden werden. Wenn das tatsächlich passiert, muss man es feiern.

Wie würdest du jemandem, der sich wenig mit Mode und Kunst beschäftigt, die Intention hinter »Prada Marfa« erklären?

»Prada Marfa« ist eine Prada-Boutique mitten im texanischen Nirgendwo, ausgestattet mit Schuhen und Handtaschen. Niemand hat und niemand wird den Laden je betreten. Warum steht er da? Was bedeutet er? Das sind die Fragen, die Elmgreen & Dragset meiner Meinung nach herausfordern. Ich stelle mir gerne vor, wie der Sand der Zeit die Boutique irgendwann verschlucken wird, diese Vergänglichkeit aller Dinge. Und ich denke an den unersättlichen Appetit der Gesellschaft – und an meinen eigenen – nach dem nächsten »Must-have«. Ich sinniere über die Bedeutung von Kunst und Mode in der Gesellschaft. Diese Fragen, das Grübeln, das Innehalten, der mentale Störfaktor – ich denke, genau das bezwecken Elmgreen & Dragset mit ihrer Installation. Aber das müsste man die Künstler selbst fragen. Ich denke nur nicht, dass sie antworten würden.

Auch Raf Simons kommt in deinem Buch vor. Im Herbst hat er überraschend seinen Chefdesigner-Sessel bei Dior geräumt, auch, um sich dem Druck zu entziehen, Kollektionen wie am Fließband zu entwerfen. Gibt es in der Modeindustrie noch Raum für mehr als nur ein gut zu vermarktendes Produkt?
Es ist verheerend. Sein Weggang wird auf jeden Fall ein kreatives Vakuum entstehen lassen. Ich hoffe nur inständig, dass er sich nicht komplett aus dem Bereich der Damenmode zurückzieht. Die CEOs großer Luxusmarken müssen sich heute vor allem vor den Aktionären rechtfertigen. Sie betreiben quasi Leistungssport, müssen ihre eigenen Rekorde alle drei Monate übertreffen und den Profit immer weiter steigern – ad infinitum. Das ist krank. Bei Raf Simons stellt sich nicht die Frage, ob er das könnte – natürlich kann er das. Er scheint es nur einfach nicht zu wollen. Und wer kann es ihm verübeln? Wenn mehr Designer wie Künstler statt businessgetriebene Roboter operieren würden, hätte abseits von Fast Fashion und dem Druck von sechs Kollektionen pro Jahr echte Kreativität gegen den Kommerz eine Chance.  

 - »Art and Fashion: Collaborations and Connections Between Icons«, E.P. Cutler & Julien Tomasello, erschienen bei Chronicle Books  

E. P. Cutler; Julien Tomasello;

Art and Fashion: Collaborations and Connections Between Icons by E. P. Cutler (2015-10-13)

Release: 13.10.2015

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