×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Von Sneakern, Jägern und Sammlern

Ausstellung: »Sneaker – Design für schnelle Füße«

Sneaker haben es von sportlicher Streetwear hin zu abmontierter High Fashion geschafft. Und von der Straße ins Museum. Ab dem 13. Mai widmet das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dem Turnschuh-Trend eine eigene Ausstellung: »Sneaker – Design für schnelle Füße«. Dr. Jürgen Döring ist Leiter der Sammlung Grafik und Plakate im MKG und Kurator der Schau. Frederike Ebert hat ihn zum Interview gebeten.
Geschrieben am
Worin liegt die Faszination bei Sneakern?
Sneaker sind ein Phänomen – seit den 80er-Jahren haben sie sich in die Mitte unserer Gesellschaft geschlichen: Sie sind ein Statement und dabei dermaßen alltäglich, dass sie oft nur Kennern auffallen. Um sie herum hat sich eine rege Szene entwickelt, mit Sammlern, eigenen Medien und Foren, mit großen Stars, deren Designs weltweit Beachtung finden – aber auch sehr viel kleinen Firmen, die vor Ort in Shops verkaufen.

Wie ist die Idee entstanden, dem Thema eine Ausstellung zu widmen?
Die Idee ist angesichts der Fülle neuer und unkonventioneller Grafik entstanden, die im Umfeld der Sneaker-Kultur weltweit zu beobachten ist. Bereits vor gut 20 Jahren habe ich in einer Ausstellung dieses Thema – damals auf Nike-Plakate begrenzt – vorgestellt und seither weiterverfolgt. Als ich die neue Ausstellung vorbereitet habe, wurde mir klar, dass es diesmal ohne die Schuhe selbst nicht geht. 

Woher stammen die Ausstellungsstücke?

Die Schuhe kommen zum größten Teil von Sammlern und anderen Leihgebern, zum sehr viel kleineren Teil aus der Textilsammlung des Hauses. Wir werden gut 100 Paare zeigen. Besondere Unterstützung erhalten wir von dem Hamburger Sammler Hoschi Morano. Die Drucke – Plakate, Illustrationen, Websites und mehr – haben wir rund um die Welt, von Japan bis Brasilien, bei Agenturen und jungen Designern angefragt. 

Wie vermittelt man einen textilen Trend in Papierform?

Textil und Grafik hängen von jeher eng zusammen: Stoffmuster, Textil- und Modeentwürfe aller Art – fast immer geschehen sie auf Papier. Sneaker sind nicht nur »textiler Trend« – sondern genauso ein grafischer. Man denke nur an die Rolle, die Logos, Farben und Grafikdesign spielen. 

Welchen Zeitraum umfasst die Ausstellung? Lassen sich bestimmte Trends in der Plakatgestaltung erkennen?

Wir zeigen vereinzelt Schuhe aus den 30er- bis 70er-Jahren. Aber eigentlich beginnt die Ausstellung Mitte der 1980er-Jahre, mit Michael Jordan und Run DMC (»My Adidas«). Trends in der Plakat- und überhaupt Grafikgestaltung gibt es, aber sie weisen in verschiedene Richtungen. Einerseits die Verherrlichung der Stars, mit großen Porträts oder rasanten Sportaufnahmen. Für mich interessanter sind grafische Ansätze, bei denen Geschwindigkeit und andere Eigenschaften der Sneaker umgesetzt werden. 

Gibt es Parallelen zwischen Kunst- und Sneaker-Sammlern?

Die gibt es selbstverständlich – wie bei allen Objekten, die gesammelt werden, gibt es besonders begehrte, und der Wert steigt trotz zunehmenden Alters und Verfalls. Und hier beginnt die Irrationalität, sowohl bei der Leidenschaft der Sammler als auch bei der Preisentwicklung des Marktes.

Um an das Objekt ihres Begehrens zu gelangen, gehen Sammler oft ungewöhnliche Wege – was bei Otto-Normal-Schuhträgern gern auf Unverständnis stößt. Wie bringen Sie den Ausstellungsbesuchern die Relevanz des Themas näher? 

Wir werden mit Sammlern sprechen und fragen, wie sie an das jeweilige Schuhpaar gelangt sind. Ich glaube, dass es da sehr viele Wege gibt, und die werden wir nicht bei jedem ausgestellten Schuh, aber doch bei einer ganzen Reihe in Form kleiner Geschichten erzählen.  

Mehr Infos zur Ausstellung gibt es hier.


– »Sneaker – Design für schnelle Füße« (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; 13.05.–28.08.16)