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»Ich wünsche mir Influencer, die was zu sagen haben«

18 Fragen an 2018 mit Nike van Dinther

Wir werfen einen Blick in das gar nicht mehr so ferne Modejahr 2018. Welche Trends können wir erwarten? Welches Label wird durchstarten? Diese Fragen haben wir einer gestellt, die es wissen muss: Nike van Dinther, Mitbegründerin des Blogzines »This is Jane Wayne«, das sich neben Mode auch mit Feminismus befasst.
Geschrieben am

Interview:
Chiara Baluch

01 Welches wird das erste Trendteil, das du dir im neuen Jahr leisten wirst?
Ich versuche ja stets, mich nicht in Eintagsfliegentrends zu verlieren, über den Cord-Boom 2017 habe ich mich aber dennoch gefreut. Dieses ganze Thema »Menocore« kitzelt außerdem meine Geschmacksnerven. Ich freue mich deshalb auf die ersten kühlen Frühlingstage, an denen ich meine (noch?) furchtbar unmodischen London-Birkenstocks als fersengeschlossene Variante ausführen kann.  

02 Über welches Label wird die Modewelt sprechen?

Grundsätzlich sind gerade kleine Selfmade-Brands wie Paloma Wool, Amend Atelier oder Maison Cléo in aller Munde, besonders dank Instagram. Vermutlich wird das erst einmal so weitergehen, was ich begrüße, weil die Perlen der Modewelt damit weder gänzlich unerschwinglich sind noch von der Sweatshop-Stange kommen. Persönlich bin ich gespannt auf das Jahr 2018 mit BELIZE. Das Label wurde von Valeska Duetsch und Fiona Bansal gegründet. Valeska kommt aus Westberlin und hat unter anderem bei Stella McCartney und Chloé gelernt. Wir können also ganz bestimmt Großes erwarten. Sollte Karl Lagerfeld aber tatsächlich Chanel verlassen, wird dessen Nachfolgerin oder Nachfolger in punkto Gesprächsstoff wohl alles übertrumpfen.  

03 Welchem Trend wünscht du ein Comeback in 2018?

Ich wünsche mir wieder mehr Tomboys! Und Mut zu breiten Schultern. Die Achtziger sind auf dem Papier zwar längst zurück, aber die Alltagsrealität sieht noch ganz anders aus. Schade, man schaue sich nämlich nur mal den modischen Werdegang von Julia Roberts an – herrlich kastenförmig! Ach, und das Haar. Dauerwelle, anyone?
04 Pantone wählt immer eine Trendfarbe des Jahres aus. Welche Farbe trägst du im nächsten Jahr? 
Ich hätte es selbst nie für möglich gehalten, aber: ein leuchtendes, sattes Lila, ohne Pastell, bitte. Ich fürchte daran kommen wir, genau wie an Brauntönen, bald beinahe nicht mehr vorbei.

05 Denim ist natürlich in jeder Saison ein wichtiges Thema. Wie schätzt du seinen Stellenwert 2018 ein. Werden wir alle Denim All-Over tragen oder doch eher schlicht zur Jeans greifen?

Mir leuchtet diese ganze Denim-Diskussion schon lange nicht mehr ein. Es ist ein bisschen wie der Murmeltiereffekt in Modemagazinen: Da wird jedes Jahr geschrieben, der Trenchcoat sei zurück! Ja, war er denn jemals weg? Wenn es um Jeans geht, ist mittlerweile doch ohnehin alles erlaubt. Wobei ich vermute, dass es noch eine ganze Weile mit eierförmigen und körperfernen Jeanshosen weitergehen wird, auch mit der Super-Karotte. Ich frage mich bloß, ob es bald wieder an der Zeit für den Bootcutschnitt ist?

06 Wie stehst du zum Thema Accessoires. Was wird hier an unseren Hälsen, Ohren oder auf dem Kopf zu finden sein?

Protzig wird es! Aber nicht wegen des Wertes, sondern wegen der Größe. Die skandinavische Zurückhaltung wird längst von der bunten und wilden zurückgewonnenen Freude an der Mode abgelöst, weshalb vor allem Ohrringe inzwischen wahnsinnige Dimensionen annehmen, ob aus Plastik, Harz oder als Häkelkunst. Feine Handschuhe könnten gerade in der Abendgarderobe ein Comeback erleben. Genauso wie funkelnde Haarspangen. Als Gegenentwurf zur Tristesse der weltpolitischen Lage.  

07 Bauchtaschen und Rücksäcke haben wir 2017 gerne getragen. Welche Tasche wird dein Begleiter für 2018?

2017 habe ich mich so sehr über weniger Logos und mehr Bast, Rattan und Beutel in Urlaubs- oder Einkaufs-Optik gefreut. Im Sommer wird das erst einmal so weitergehen, auch bei mir, gerne mit Holzperlenverzierungen. Ansonsten stelle ich mir für 2018 zu meiner eigenen Garderobe tendenziell kleine, besondere und vielleicht runde Henkeltaschen vor, die bei jedem Schritt schwungvoll hin und her baumeln.
08 Im Januar steht gleich wieder die Fashionweek vor der Tür. Auf welche Modeereignisse freust du dich ansonsten noch?
Hoffentlich werde ich es mal wieder zur Fashion Week nach Kopenhagen schaffen. Ich mag es klein und familiär. Eine Frage bleibt dennoch bestehen: Wohin geht es mit den Fashion Shows im Allgemeinen – machen die noch Sinn?  

09 Influencer, Designer, Models: Hast du einen heißen Tipp, um wen wir im neuen Jahr nicht drum herum kommen werden?

Um das Label BELIZE! Ich sage es gern immer wieder. Und hoffentlich um eine neue Generation von Influencern, die neben einem guten Stil auch wirklich etwas zu sagen haben. Oder andersrum: Um Influencer, die anfangen, mehr von sich zu zeigen als den Kleiderschrank und Reiseziele. Ich glaube nämlich, das könnten einige. Nur will das die Masse offenbar überhaupt (noch) nicht sehen.  

10 Dem Thema Feminismus widmet ihr euch auf »This is Jayne Wayne« mit einer eigenen Rubrik. Was glaubst du, erwartet uns dies bezüglich im Hinblick auf das neue Jahr?

Eine neue, mitunter wütende Debatte über Feminismen. Nachdem wir den akademischen Feminismus nun wieder allzu lange aus unserem, sagen wir mal »Elfenbeinturm« betrachtet haben, sollten wir uns jetzt vermehrt dem Realfeminismus zuwenden. Das habe ich von einer unserer Leserinnen gelernt. Wenn wir weiter über spanische Gedichte über Blumen und Frauen auf Hauswänden schimpfen, erreichen wir nämlich niemals die, die wir erreichen müssen. Dann passiert der Mission der Gleichberechtigung am Ende was ihr schon mehrmals passierte: Hardliner werden sich Egalos entgegenstellen und andersrum. Eine Spaltung wäre das Resultat. Und viele, die eigentlich überaus feministisch denken, würden sich vor lauter Augenrollen in eine Trotz-Stellung begeben. Feminismus muss inklusiver werden. Und auch Männer adressieren – damit am Ende alle mitmachen.  

11 Betrachtet man deinen Instagram Account, bist du offensichtlich eine große Blazer-Freundin. Welches Modell landet 2018 in deinem Kleiderschrank?

Am liebsten ein Gigantisches aus Samt von Tibi, mit Schultern, die breiter sind als ich. Weil es das alles aber schon mal gab, würde ich eher auf weitere Second-Hand-Modelle tippen. Aus Brokat, mit Mustern und in tollen Farben.
12 H&M machte gerade wieder Schlagzeilen, angeblich tonnenweise intakte Kleidung verbrannt zu haben. Welche Chancen und Möglichkeiten siehst du beim Thema Nachhaltigkeit? 
Ich hoffe vor allem auf uns Konsumierende. Am Ende passt sich der Markt nämlich der Nachfrage an. Es ist schwer, von heute auf morgen alles zu ändern, für Brands, aber vor allem für den Kunden oder die Kundin – die meisten von uns kennen diesen inneren Schweinehund. Am Ende kann aber nur ein Umdenken ein Andershandeln bewirken. Deshalb: Viel darüber reden und schreiben, reflektieren, zugeben und eingestehen. Wer heute ein Label gründet, kommt an der Nachhaltigkeitsthematik kaum mehr vorbei, weil inzwischen glücklicherweise viele Fragen gestellt werden. Das ist schon mal eine positive Entwicklung der vergangenen Jahre.  

13 Sneakers sind aus unseren täglichen Looks fast nicht mehr wegzudenken. Wie stehst du zum Turnschuh-Trend und auf welches Paar setzt du im neuen Jahr?

Ich hatte mich lange satt gesehen am Turnschuh, seit Jahren trage ich fast ausschließlich Chucks. Dabei gibt es so viele schöne Modelle von Veja. Ich empfehle für das Frühjahr vor allem den »Wata«. Der passt zu wirklich allem, besonders das Modell aus Jute.

14 Gerade als Feministin trägt man seine Haltung gerne als Statement auf dem T-Shirt. Was steht 2018 auf deinem Oberteil?

Wenn dort überhaupt noch etwas steht, dann am ehesten »Humanism«. Ich schlage aber vor, die Leute durch Statements zum Lesen und Nachdenken und Miteinanderreden zu bringen. Auf einen alten Pullover habe ich neulich aus rotem Garn die Aufschrift »Susan Sontag« gestickt, weshalb nicht wenige in meinem Freundeskreis wieder zu den Essays und Büchern dieser wunderbaren Autorin griffen. Das ist doch schön! Schöner jedenfalls als »Girlpower« auf einem T-Shirt von Zara durch die Gegend zu tragen. Das ergibt nämlich wirklich relativ wenig Sinn.    
15 Wie sieht es mit Aussortieren aus? Gibt es Kleidungstücke, die du nicht mit ins neue Jahr nimmst? 
Ich sortiere ständig aus, weil ich permanent das Gefühl habe, von Ballast erschlagen zu werden. Für jedes neue Teil muss ein altes gehen. Ich miste aber meistens nicht aus, weil ich die Dinge nicht mehr mögen würde, sondern weil sie es woanders schöner hätten. Einmal habe ich mich im vergangenen Jahr aber doch vertan: Mit einer rosafarbenen Handtasche. Die muss jetzt wirklich weg.   

16 Um noch mal auf euren Blog »This is Jane Wayne« zurückzukommen: Was erwartet eure Leserinnen und Leser 2018? Gibt es schon interessante Pläne, eventuelle Kooperationen oder Ähnliches, auf das wir uns freuen können?
 
Es ist, wie es immer ist: Wir dürfen noch nichts verraten. Aber ich hoffe und glaube, dass es mit uns ohnehin nie so richtig langweilig wird. Außer, das Leben kommt uns mal kurz dazwischen. Ich habe mir aber fest vorgenommen, wieder viel mehr Interviews mit tollen Frauen zu führen. Dazu fehlte mir 2017 ganz häufig die Zeit.  

17 Das Thema Digitalisierung spielt mittlerweile auch in der Modebranche eine wichtige Rolle. Glaubst du an neue Innovation im Jahr 2018?
 
Die Sozialen Medien müssen vermutlich noch interaktiver werden. Man wird mehr Bewegtbild shoppen können und auch über Instagram. Für unseren Blog wünsche mir ein Tool, mit dem Leserinnen und Leser gewisse Beiträge mitgestalten können, damit der Informationsaustausch nicht einseitig bleibt. Gesprochene Kommentare wären auch was. Aber alles in allem geht es bei der Digitalisierung gerade vornehmlich darum, sämtliche Hürden abzubauen. Irgendwie muss der Arm zwischen Handy und Benutzer übergangen werden, damit wir aufhören, auf Bildschirme zu starren und Konzerte mit leuchtenden Displays zu versauen.   

18 Trends kommen, Trends gehen. Was bleibt auch 2018 für dich das wichtigste Teil in deinem Kleiderschrank? 
 
Vermutlich mein brauner Blazer aus Cord von Acne. Der war viel zu teuer, aber eine Belohnung nach einer schlimmen persönlichen Krise. Am meisten hänge ich an Dingen, die selbst Geschichten erzählen oder die dabei waren, als eine ganz besondere erzählt wurde. Solche Teile bleiben dann meist auch für immer. 

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