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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Kolumne für elektronische Tanzmusik

»Zwei Decks«

Die besten Single- und EP-Veröffentlichungen der vergangenen Monate - besprochen im Dialog.
Geschrieben am

Trus'me »Treat Me Right Remixed« (Prime Numbers / VÖ 17.10.14)

BK: House und Techno mit ordentlich Soul, dafür kennt man den Produzenten aus Manchester. Auf seinem eigenen Label Prime Numbers gönnt sich der Brite jetzt eine Remix-Version seines letzten Studioalbums. Trockener und weniger geschmeidig als die Originale wirken viele der Neubearbeitungen. Ich glaube, mir ist das Ausgangsmaterial lieber.
PF: Skudge, Luke Hess, Roman Flügel - das Ensemble der Neuinterpreten ist jedenfalls sehr rund. Qualitativ ist das so durchwachsen, wie es solche Remix-Compilations eben meistens sind. Schön, dass Truncate mit seiner schmutzigen, skizzenhaften  Handschrift gleich zweimal vertreten ist, für mich definitiv die stärksten Umdeutungen.
Boeoes Kaelstigen »Be The Lights Remixes« (Adrian Recordings / Bereits erschienen)
BK: Ein Duo aus Schweden, das sich im Kontext gehobener Tanzmusik bewegt haut eine Remix-Sammlung zu ihrer Synthie-Pop-Single »Be The Lights« raus. Der »Gabriel Gassi Remix« klingt ganz schön nach Großraum-Disco, die anderen drei Tracks der EP sind reduzierter und gefälliger.
PF: Die erste Hälfte kann man mit viel gutem Willen noch als Chillwave oder Tropical-House durchwinken, was der Trance-Käse danach soll – keine Ahnung. Um es mit James Rolfe zu sagen: »What were they thinking!?«
Midland »Duster EP« (AUS Music / Bereits erschienen)
PF: Das Titelstück von Midlands neuer EP holt einen mit seiner gewohnt tollen Klanggestaltung und der packenden Dramaturgie direkt ab. Wie unbeirrt diese analog blubbernde Bassline um den staubigen Groove kreist und irgendwann komplett in den elegischen Streicher-Flächen der zweiten Hälfte strandet – wahnsinn. Das Niveau können die beiden anderen Titel der EP leider nicht mehr ganz halten.
BK: »Duster«, das gefällt mir. So wie in »Zappenduster«. Ich bin allerdings nicht ganz sicher, ob das die richtigen Drogen für mich sind. Irgendwie klingt die A-Seite so ähnlich, wie die Fahrt durch die Krankenhaus-Korridore vor der Blinddarm-OP: Am Anfang begegnen dir freundlich teilnahmslos guckende Menschen in weißen Kitteln und tasten mit kalten Händen deine Leistengegend ab, dann folgt die LMAA-Pille und am Ende erfüllt dich wohlige Wärme. 
Bicep »Lyk Lyk« (Feel My Bicep / Bereits erschienen)
PF: Hatten wir bereits das letzte Mal dabei, Pflichtprogramm. Hier mal etwas weniger der strengen Viervierteltaktung verpflichtet, dafür umso verspielter. »Vintage-Synth-Porn« der selbst den verbissensten Analog-Agnostiker begeistern sollte.
BK: Analog-Agnostiker! Ich verbeuge mich vor dieser Wortschöpfung, muss jedoch sagen, dass ich das gesamplete Gelächter im Opener doch äußerst dämlich finde. Bass und Synthies klingen auf jeden Fall schön nach Hudson Mohawke, die restlichen drei Tracks sind wie gemacht für den nostalgischen Konsolen-Abend.
Julio Bashmore »Simple Love« (Broadwalk / Bereits erschienen)
PF: Julio Bashmore scheint nach seinen großen Hits wie »Au Seve« oder »Battle For Middle You« wirklich die Luft ausgegangen zu sein. Mehr oder weniger dafür hat er im letzten Jahr sogar einen kleinen Shitstorm losgetreten. Auf Soundcloud! Muss man sich mal vorstellen. »Simple Love« kommt jedenfalls auch nicht sonderlich inspiriert daher, ist aber immer noch weit davon entfernt, wirklich schlecht zu sein.
BK: Na endlich, simple Tanzmusik, die nicht komplett doof ist! »Simple Love«, eben. Stünden mir weiße Leinenanzüge besser, ich würde sie zu diesem Track liebend gern ekstatisch mit Aperol Spritz bekleckern.
Downliners Sekt »Silent Ascent Remixed« ( InFiné / Vö: 13.10.14)
BK: Wo wir gerade bei gehaltvollen Getränken sind, zum Abschluss Downliners Sekt. Kalauer beiseite, das Remix-Album des Duos aus Barcelona fängt richtig gut an. Blondes drängen im »Hors Phase«-Remix mit kargem Beat auf den Dancefloor, während der mysteriöse britische Produzent patten den Titeltrack in mitternächtlichen Trance verwandelt. Der Italiener Chevel überspannt dann mit seinen Mönchsgesängen über blechernen Percussions den Bogen allerdings.
PF: Das Original-Album hat mich im April dieses Jahres sehr positiv überrascht. Bei den Neuinterpretationen wagt leider keiner den entscheidenden Twist, der einen Remix häufig erst wirklich interessant werden lässt.