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Intro Intim mit Urge Overkill, Hush Puppies, 18th Dye und The Futureheads live

Zurück in die Zukunft

16.03.06 - Köln, Gebäude 9 Einmal mehr balanciert das Intro Intim im März auf einem Seil zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Fast-Vergessenem, Nostalgisch-Verklärtem und Jugend von heute. Ein Blick auf's Line-Up verheißt einen Abend voller Generationenkonflikte und also beste Unterhaltu
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16.03.06 - Köln, Gebäude 9

Einmal mehr balanciert das Intro Intim im März auf einem Seil zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Fast-Vergessenem, Nostalgisch-Verklärtem und Jugend von heute. Ein Blick auf's Line-Up verheißt einen Abend voller Generationenkonflikte und also beste Unterhaltung.

Die erste Begegnung mit der Geschichte fällt seltsam kauzig aus: Urge Overkill, beziehungsweise was von ihnen anwesend ist, nämlich Eddie "King" Roeser und Nash Kato, nehmen artig auf den für sie bereitgestellten schmucklosen Holzstühlen Platz. Ein Novum, verkünden sie, man könne sich nicht daran erinnern, jemals im Sitzen aufgetreten zu sein. Der "King" bestreitet das knapp halbstündige Set an der Gibson SG, sein Kollege gibt nicht nur optisch den Willie Nelson an der Akustikklampfe, der man all' die Jahre ansieht. Es gibt "God Flintstone" als Skelettversion und freilich das Diamond-Cover "Girl, You'll Be A Woman Soon", das - man ahnt es - den meisten Applaus erntet. Ein spärliches Akustikset für die Raritätensammlung.

Anders im Anschluss die französischen Hush Puppies (der Sänger spricht es "Hoosh Pooppies" aus und verweist auf den britischen Gestus). Die werden allenthalben als Frankreichs Antwort auf die Arctic Monkeys angekündigt, nur wie die Frage eigentlich lautete, weiß keiner mehr. Mit den Sheffielder Jungspunden haben sie indes wenig gemein, ihre Musik geht viel mehr in die Breite und strahlt eine unglaubliche Wärme aus. Die Band, die auf dem Benjamin Diamond-Label Diamondtraxx veröffentlicht, plündert die 60er-Jahre Mod-Kultur-Kiste, äußerst tanzbar und catchy. Exemplarisch sei hier auf das superbe Kinks-Cover "I'm Not Like Everybody Else" hingewiesen. Das mittlerweile gut gefüllte Gebäude tanzt, Sänger Olivier empfiehlt sich derweil als neuer The Hives-Frontmann, zieht man Rückschlüsse aus der extrovertierten Bühnenshow.

Danach eine unheimliche Begegnung der dritten Art. 18th Dye sind wieder da, in Originalbesetzung aus dem 1996 geschaufelten Grab auferstanden, was so manchem Indie-Puristen im Publikum die Tränen in die Augen treibt - vor Glück. Das deutsch-dänische Trio war lange Zeit ein heimliches Aushängeschild der Indie-Kultur, zumal für Eingeweihte, und wer zu Lebzeiten John Peel in der Gönnerliste verzeichnen kann, muss irgendwas verdammt richtig gemacht haben. So auch heute abend: 18th Dye spielen die klischeefreie Variante von Noise-Pop, der Krach kommt zuweilen unvermittelt über uns, manch ein Song endet abrupt, so scheint es. Die Band zelebriert ihre Kunst und gehört heute abend mit zum Spannendsten, weil Unberechenbarsten.

Erst kurz vor Mitternacht betreten The Futureheads die Bühne, jene Band, die man gerne mit in den Topf der Neuen Brit-Pop-Welle des vergangenen Jahres geworfen hätte - wäre er nicht schon voll gewesen. Leider scheint die Band zwischen all' den Maximo Parks und Bloc Partys ein wenig untergegangen zu sein, warum bleibt schleierhaft. Ihr vierstimmiger Gesang ist gleichsam Trademark wie Ass im Ärmel, kommt live punktgenau und lässt die ewigen (wie unnötigen) Gang Of Four-Vergleiche hoffentlich bald erstummen. "Decent Days And Nights" fungiert als Opener und vorweg genommenes Highlight, die neue Single "Skip To The End" führt die Grundidee gekonnt weiter. Gleichzeitig scheut sich die Band aber auch nicht, mit dem noisig-monotonen Krachexempel "Return Of The Berserker" Neuland zu betreten. Der Vorhang fällt um kurz vor eins, ein schönes Betthupferl.