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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Reign in Mud

Zombie Nation

Atelier Odo Rumpf in Köln-Nippes. Man hat schon knackigere, aber auch dümmere Namen für eine Techno-Location gehört. Aber der feiernden Menge ist das herzlich egal, und die Massivität des Sounds im Atelier, einem ehemaligen mit Schrottskulpturen voll gestellten Bahngelände, lässt sowieso keinen Raum
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Atelier Odo Rumpf in Köln-Nippes. Man hat schon knackigere, aber auch dümmere Namen für eine Techno-Location gehört. Aber der feiernden Menge ist das herzlich egal, und die Massivität des Sounds im Atelier, einem ehemaligen mit Schrottskulpturen voll gestellten Bahngelände, lässt sowieso keinen Raum für so nebensächliche Gedanken. Zerrender und zugleich doch Funk-geladener Krach zermalmt jeden Widerstand gegen den Groove. Irgendwo im Dunkel einer Ecke versteckt, tobt ein Bär herum, hackt mit feisten Pranken auf Mischpult und Sampler ein und headbangt dazu. Er hat ein Slayer-T-Shirt an und malträtiert seine Gerätschaften, bis die Boxen durchzubrennen drohen und der Sound beinahe komplett zermatscht. Reign in Mud. So klingt das Reich von Zombie Nation alias Splank alias John Starlight oder auch einfach Florian Senfter.

Die bärige Art des Münchners kommt auch in real Life sofort rüber, allerdings absolut nicht bedrohlich, sondern einnehmend nett und gemütlich. Einen Interviewpartner wie Flo, der zur Begrüßung erst mal Eis spendiert und das auch noch lachend mit dem lapidaren Schlagwort “Bestechung!” kommentiert, hat man nicht alle Tage. Nach dem ganzen “Rambazamba” (O-Ton Flo) um den Zombie-Nation-Hit “Kernkraft 400” wäre das nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Auch wenn Zombie Nation immer wieder und nun schon zum dritten Mal mit einem heißen, überraschenden Album um die Ecke kommt, ist er eben auch einer dieser Acts, bei denen zwangsläufig über die mächtigen Schatten der Vergangenheit gesprochen werden muss, über diesen einen Out-of-Control-Hit, der rund um die Welt in Charts und Footballstadien einfach machte, was er wollte. Flo spricht mit einer Mischung aus Unglauben, großer Distanz und Amüsiertheit über diese Ereignisse: “Also, MySpace kennst du ja, da habe ich ziemlich viele Requests von zwölfjährigen Baseballfans aus Amerika, weil ‘Kernkraft 400’ die Hymne ihres Teams ist. Das Stück ist in Amerika, Südamerika und in Japan eine Stadionhymne geworden, bei Baseball, Eishockey, Football. Es gibt da ja immer diese kurzen Pausen im Spiel, und da kommt dann zuerst ‘Lollipop, Lollipop’ und danach dann dieses: Dududadida. Ich kann das heute nur noch absurd finden. Mein Anliegen war ein anderes als dieses Stadionding oder in England Platz zwei in den Charts zu werden. Aber ich hab einfach mein Ding weitergemacht und mich da nicht so beeindrucken lassen.”

Zombie Nations Ding war seit jeher ein Elektro, der, statt auf Kraftwerk’sche Asepsis zu achten, viel lieber die Energie von Stromgitarren und Verzerrern anzapfte. Schließlich spielte Flo bis Anfang 20 in einer Metalband und entdeckte Techno dann als den perfekten Lärm zum Die-Sau-Rauslassen. Statt EBM wie noch beim letzten Album geben nun auf “Black Toys” die Neptunes die maßgeblichen Impulse. “Ich sehe da schon Gemeinsamkeiten, es geht halt um so ein Energieding. Bei Metal hat mich das immer schon gereizt: das Energievolle, eher Trockene und Harte. Auch an elektronischer Musik hat mich nie das Verspielte interessiert. Das heißt nicht, dass es unbedingt hart sein muss, aber auf jeden Fall energiereich und basslastig.” Und natürlich schön dreckig. Rock on, Elektrobär!