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Beachtet Belgien!

Zita Swoon

Stef Kamil Carlens holt mich vom Bahnhof in Antwerpen ab. Und das muss er auch. Schließlich wollen wir das Interview in seinem neuen Haus machen, und das liegt ziemlich abseits in einem Vorort namens Hoboken (nur damit nicht wieder falsche Ableitungen gezogen werden: Dieser gab dem New Yorker Vorort
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Stef Kamil Carlens holt mich vom Bahnhof in Antwerpen ab. Und das muss er auch. Schließlich wollen wir das Interview in seinem neuen Haus machen, und das liegt ziemlich abseits in einem Vorort namens Hoboken (nur damit nicht wieder falsche Ableitungen gezogen werden: Dieser gab dem New Yorker Vorort of Yo-La-Tengo-Fame den Namen, und nicht andersherum). Ein stattliches Anwesen hat er sich da zugelegt, gleich mit mehreren Gebäuden, mit deren Renovierung er gerade schwer beschäftigt ist. Und dabei hat der Zita-Swoon-Mastermind doch eh ein volles Schedule. Nach seinem Ausstieg bei dEUS vor sechs Jahren veröffentlichte er zwei reguläre Alben (neben einigen EPs und Remixsammlungen), schrieb die Musik für verschiedene Theater- und Tanzprojekte und etablierte sich zudem als bildender Künstler. Hinzu kommen die bereits existierenden Pläne für das kommende Album, das wohl Ende nächsten Sommers veröffentlicht werden soll.

Dazu muss man wissen: Das aktuelle Album "Life = A Sexy Sanctuary" konnte leider erst mit einjähriger Verspätung in Deutschland erscheinen. Stef erklärt das ganz nüchtern: "Wir sind bei Warner Benelux unter Vertrag, und die Warner-Departments in der ganzen Welt haben die erste Option, es zu veröffentlichen. Die Entscheidung des jeweiligen Departments kann eine Weile dauern. Und wenn sie dann nicht veröffentlichen wollen, müssen wir uns nach einem neuen Deal umschauen. Wir machen unser Management selbst, das ist sehr zeitaufwendig." Nun sind sie beim Hamburger Indielabel Strange Ways gelandet, und scheinen äußerst zufrieden mit der Entwicklung zu sein: "Bei Warner wären wir möglicherweise neben solchen Veröffentlichungen wie den Chili Peppers untergegangen, es ist also nicht immer richtig, als kleine Band bei einer solch großen Firma zu sein. Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit von Strange Ways, ich arbeite mit Leuten, die ich kenne, ich kann sie anrufen und mit ihnen sprechen, es ist einfach viel netter."

Das Album ist im Vergleich zum Vorgänger "I Paint Pictures On A Wedding Dress" poppiger geworden, mit klareren Sounds und besser nachvollziehbareren Einflüssen aus verschiedensten Genres. Zita Swoon beeindrucken ähnlich wie einige andere Bands aus der Antwerpener Szene mit einem Popverständnis, das dem von Cpt. Beefheart, Frank Zappa und vor allen Dingen Tom Waits sehr ähnelt. Stef bekennt sich auch ganz offen zu seinen Vorbildern: "Tom Waits war ein sehr großer Einfluss. Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, entdeckte ich ihn und hörte seine Musik fast ausschließlich. Ich war nie mehr so beeindruckt von einem Künstler wie von ihm. Der Einfluss wird wohl immer da sein."

Die Band steht ganz exemplarisch für die Arbeitsweise, die in der Antwerpener Szene typisch ist. "Verschiedene Sachen gleichzeitig machen", so oder so ähnlich muss die Parole geklungen haben, die Rudy Trouve, zentrale Figur und (Ex-) Mitglied von dEUS, Kiss My Jazz und Dead Man Ray laut Stef seinerzeit ausgab. Schlagzeuger Aarich Jespers beispielsweise baut obskure "Musikmaschinen". Für seine persönliche Vielseitigkeit findet Stef eine ganz einfache Erklärung: "Es ist recht langweilig nur in diesem Rhythmus zu leben: Platte-Tour-Promotion-Platte ... Ich möchte auch andere Dinge tun, z. B. an meinem Haus arbeiten, Blumen pflanzen, aber mich auch in den anderen Künsten versuchen. Nur in der Welt der Popmusik zu leben wäre zu langweilig für mich."