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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Carsten Schumacher

Ziegenblut & Mötöröl #243

Wir feiern heute Berliner Sonnenanbeter, spielen LSD-Roulette, schicken Satan zum Therapeuten und erfahren, dass Dark Funeral auch kein kleines Latinum haben.
Geschrieben am
Da ist das Ding! Das Eintreffen des zweiten Sun Worship-Albums »Pale Dawn« (Golden Antenna) löst Juchzen und Kieksen aus. Die Berliner Band, noch ein Geheimtipp, hat nachgelegt. Wieder ist eine fantastische Platte herausgekommen, bei der sich die Szene-Typen erneut streiten können, ob da nun ein »Post« vor den Black Metal gehört oder nicht. Angeblich soll die Berliner Band ja mit ihrem Debüt gar nicht so zufrieden gewesen sein, aber das nehmen wir einfach als gute Grundvoraussetzung für den Nachfolger und lassen uns »Elder Giants«, das Album von 2014, keinesfalls vermiesen. Bei beiden Platten schwirren die jeweils vier Songs um eine Länge von zehn Minuten herum und entzücken alle, die auch schon an Wolves In The Throne Room ihre dunkle Freude hatten.

Sun Worship

Pale Dawn

Release: 06.05.2016

℗ 2016 Golden Antenna

Erden wir uns kurz mit Destruction. Ist das zu glauben, dass das Trio jetzt schon 33 Jahre unterwegs ist? Ist die rasende Geschwindigkeit mittlerweile altersbedingtes Zittern? Nein, das ist unfair, immerhin gehört die Band zu den »Big Teutonic 4«, zusammen mit Wodos und ... Nein, Schluss mit den Albernheiten: »Under Attack« (Nuclear Blast) ist wirklich atemlos eingeprügelt und eignet sich hervorragend für jede sportliche Aktivität.

Destruction

Under Attack

Release: 13.05.2016

℗ 2016 Nuclear Blast

Puh, jetzt erst mal wieder runter vom Laufband. Die kalifornische Space-Rock-Band Farflung meldet sich nach acht Jahren mal wieder. Eine Band, die nicht nur von Krautrockern, sondern auch von der ganzen Post-Kyuss-Posse geschätzt wird und auf »5« (Heavy Psych) daher auch Gäste von Hawkwind und Queens Of The Stone Age beherbergt. Und wenn man mit ihnen so durch den Weltraum riffrockt, kann man sich schon vorstellen, dass sie die letzten acht Jahre entweder auf einem anderen Stern verbracht haben oder wahlweise einfach kurz eingenickt sind.

Das Album könnt ihr hier erstehen.
Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zu Scorpion Child aus Austin, Texas, die auf ihrem zweiten Album »Acid Roulette« (Nuclear Blast) die Geschichte eines Mannes verfolgen, der eventuell unschuldig verurteilt im Gefängnis ein Spiel spielt, bei dem sich alle Teilnehmer Papierschnipsel in den Mund stecken, aber keiner weiß, welche davon vorher mit LSD getränkt wurden und welche nicht. Interessantes Konzept. Vielleicht könnte die Band das auch kurz vor den Auftritten spielen, die Musik würde das jedenfalls nicht beeinträchtigen. 

Scorpion Child

Acid Roulette

Release: 10.06.2016

℗ 2016 Nuclear Blast Entertainment

Okay, genug des Hardrock, jetzt wird wieder gedroschen. Nervosa kneifen die Augen zusammen und nehmen Anlauf. Der Sound der drei jungen Frauen aus São Paulo ist messerscharf und pfeilschnell. Auf »Agony« (Napalm), ihrem zweiten Studioalbum, geht’s bestimmt wieder um die Korruption in Brasilien. Genau verstehen kann man’s nicht, aber das würde die ungeheure Wut erklären, die hier auf klassische Weise in ein wirklich wundervolles Stück Thrash gegossen wurde.

Nervosa

Agony

Release: 03.06.2016

℗ 2016 Napalm Records Handels GmbH

Jetzt sind wir warm für Dark Funeral und ihr erstes Album nach sechs Jahren, »Where Shadows Forever Reign« (Century Media). Nachdem sich die schwedische Band in der Vergangenheit immer wieder an lateinischen Titeln versucht hatte, dabei aber auch so danebenhaute, dass ein altsprachlicher Professor sich meldete und anbot, in Zukunft bei der toten Sprache vorsichtshalber behilflich zu sein, gibt es nun zum ersten Mal einen Albumtitel auf Englisch: ein gut ausgebauter, nicht zu moderner Black Metal mit einer schönen Balance zwischen peitschenknallender Garstigkeit und wohligem Schwofen.

Dark Funeral

Where Shadows Forever Reign

Release: 03.06.2016

℗ 2016 Century Media Records Ltd.

Derart befreit, kann man sich jetzt wieder was Vertrackteres gönnen. Sumac heißt die neue Band von Aaron Turner (Isis), die mit »What One Becomes« (Thrill Jockey) auch schon ihr zweites Album veröffentlicht. Aufgenommen wurde diese räudige Mischung aus Sludge, Hardcore und Post-Metal von Converge-Kopf Kurt Ballou in einer zum Studio umgebauten Kirche. Sakral klingt das deswegen auf gar keinen Fall, eher vertrackt, zerrissen, dunkel, krachend und ein klein wenig verbaut. Leichtigkeit ist jedenfalls anders.

Sumac

What One Becomes

Release: 10.06.2016

℗ 2016 Thrill Jockey Records

Puh, dann doch mal zwischendurch eine Platte wie »Wandering Blind« (Svart), die als Debüt von drei Schweden in Oslo aufgenommen wurde, nachdem sie dort zwei Norweger getroffen hatten. Heavy Blues-Rock in der guten Tradition von Blue Cheer oder Grand Funk mit ordentlich Chorus-Effekt auf dem Gesang, damit der Sänger auch gleich nach Ozzy klingt und sich jeder zu Hause fühlen kann. Brutus heißt die Band, und das Cover sieht aus wie bei Love (der Band) aus der Asservatenkammer geklaut. Ein Album wie ein Freitagnachmittag-Feierabendbier.

Brutus

Wandering Blind

Release: 04.05.2016

℗ 2016 Svart Records

Doch halt, derart versöhnlich können wir nicht auseinandergehen. Da gibt es doch noch diese schwedische Band Waxen, die extra für uns das Sub-Genre Shred Black Metal eröffnet und auch anwendet. »Weihung auf Satan« (Moribund) ist ein wirklich groteskes Ding geworden. Denn auf ihrem dritten Album trifft sich ein Shred-Sound Marke »Ich tätowiere dann mal dein Trommelfell« mit einer plötzlich auftauchenden dudeligen Flitzefinger-Sologitarre Marke Malmsteen oder Blackmore. Das Black-Metal-Schrammeln behält darunter zwar den Sound, ändert das Riffing aber auch mal Richtung Power-Rock. Trotz des vergleichsweise homogenen Sounds ist das eine Platte mit einer Art bipolaren Persönlichkeitsstörung. Wenn Satan so was gefällt, sollte er dringend zum Therapeuten.

Das Album könnt ihr hier erstehen.