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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Carsten Schumacher

Ziegenblut & Mötöröl #246

Wie klingt es, wenn Dark Throne im Fackelschein Joy Division hören? Oder ein Wikinger rappt? Oder satanische Drogenbarone sich Trump vorknöpfen? Alle Antworten in dieser Kolumne.
Geschrieben am
Oh Mann, was haben wir die Alben von At The Drive-In rauf und runter gehört, als die Band uns im letzten März besuchen kam. Wild Throne hatten das damals schon längst erledigt und hatten ihr Debüt »Harvest Of Darkness« (Roadrunner) mit Ross Robinson aufgenommen, der ja auch »Relationship Of Command« produziert hat. Bei Wild Throne klingt alles noch ein wenig mehr nach Math-Rock und Prog, wobei man diskutieren kann, ob das nicht »räsonierter« bedeuten könnte. Trotzdem eine großartige Platte.

Wild Throne

Harvest of Darkness

Release: 02.10.2015

℗ 2015 Roadrunner Records

Merkwürdige Verwandtschaft mit Black Peaks: Auch sie haben ein gefeiertes Debüt herausgebracht, das nun verspätet bei uns erscheint. Und auch ihr Sound ist alles andere als straight. Warum gibt es die Kategorie AD(H)S-Rock eigentlich nicht? Jedenfalls fragt man sich bei »Statues« (Cooking Vinyl), wie die Band es überhaupt schafft, wenigstens für die hymnischen Refrains still sitzen zu bleiben.

Black Peaks

Statues

Release: 08.04.2016

℗ 2016 Sony Music Entertainment UK Limited

Okay, alles fantastische Alben, aber in Satans Augen Streberkrach. Nehmen wir uns also der dunklen Seite an. Serpent Ascending haben es nach acht Jahren geschafft, aus ihrem finnischen Demo-Keller heraufzukrabbeln und mit »Ananku« (I, Voidhanger) das erste richtige Album aufzunehmen. Ein wundervoll okkultes Stück Death Metal mit waberndem Gesang, rohen Drums, saftigen, teilweise dissonanten Gitarren und genau der Art von Metal-Mystik, die den Sell-out-Verdacht fernhält.
Ähnlich häretisch, dafür mit mehr Punk’n’Roll spielen Okkultokrati aus Norwegen auf »Raspberry Dawn« (Southern Lord). Greg Anderson sagt, sie klängen wie Dark Throne, die im Licht einer Fackel Joy-Division-Alben in den dunklen Wäldern von Oslo hören. Aber was weiß der schon!

Okkultokrati

Raspberry Dawn

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Southern Lord Recordings

Und apropos Skandinavien: Die Isländer Skámöld haben mit »Vögguvísur Yggdrasils« (Napalm) gerade eine neue Platte draußen und erzählen darauf die Geschichte von Muspellsheim und Nifelheim, was für Viking-Metal jetzt nicht ungewöhnlich wäre. Aber wer mal einen Sänger mit Death-Metal-Stimme rappen hören will, sollte unbedingt einen Song wie »Nifelheimur« checken. Das ist dann so eine Art Viking-Rap-Crossover.
Vom Kuriosum zum Kleinod: Dreamarcher haben mit ihrem Debüt »Dreamarcher« (Indie) ein hübsches Experiment veröffentlicht, bei dem die Band in überzeugender Weise immer wieder anders klingt. Doom, Prog, Black-Metal, Alternative, Ambient – alles geht. Jazz-Studenten eben. Lässt man das Album im Hintergrund laufen, hat man das Gefühl, dass sich jemand nicht entscheiden kann, welche Band laufen soll – faszinierend!

Dreamarcher

Dreamarcher

Release: 07.10.2016

℗ 2016 Indie Recordings

Ähnlich faszinierend, dafür aber so imposant wie eine Winterlandschaft bei Vollmond ist Mare Cognitum aus Kalifornien, bestehend aus einem einzelnen Musiker. Der hat mit »Luminiferous Aether« (I, Voidhanger) ein Black-Metal-Album eingespielt, das beinahe symphonisch anmutet, aber zu unterproduziert ist, um kitschig zu wirken. Endlich ist Geldmangel mal für etwas gut!
Jetzt aber wieder Licht und Räucherstäbchen an, denn bei Monkey3 aus der Schweiz hat alles diesen trippig-psychedelischen Charme, wenn sie ihren kosmischen Rock spielen, der ein wenig, aber nicht zu proggy rüberkommt und gar nicht so schlecht produziert ist. »Astra Symmetry« (Napalm) ist das sechste Album einer Band, die aus dem Stoner-Rock kommt, ihm aber entwachsen zu sein scheint und auch weitgehend auf Gesang verzichtet. Schöne Musik für einen Abend mit dem Duftkissen.

Monkey3

Astra Symmetry

Release: 02.09.2016

℗ 2016 Napalm Records Handels GmbH

Und wo wir gerade über ältere Semester reden: Auch Sahg aus Norwegen haben ein neues, schmissiges Midtempo-Hardrock-Album, dessen Titel »Memento Mori« (Indie) unter dem Einfluss des Ablebens der Ikonen Lemmy Kilmister und David Bowie gefunden wurde. Der Verlust dieser Vaterfiguren stand Pate, und uns wäre das fast nicht aufgefallen, weil Teufel, Tod und düstere Gedanken hier nun mal zum guten Ton gehören!
 Von hier aus einige Schritte Richtung Stoner-Metal liegt der Riff-Rock des südkalifornischen Trios Kyng, dessen drittes Album »Breathe In The Water« (Razor & Tie) von Machine produziert wurde. Dabei handelt es sich allerdings nicht, wie in der ersten Schrecksekunde vermutet, um den Puhdys-Sänger, sondern um den Clutch-Produzenten. Schön heavy und mit Gastbeiträgen der Gitarristen Zach Blair (Rise Against) und Brian Blickle (Ex-Baroness).

Kyng

Breathe in the Water

Release: 07.10.2016

℗ 2016 Razor & Tie Recordings. Distributed by Razor & Tie Recordings.

So, jetzt noch schnell was zu Opeths neuer Platte »Sorceress« (Nuclear Blast) sagen, ohne die Worte »1970er-Prog-Rock-Revival«, »Jon-Lord-Orgel«, »Jazz« und »Nick Drake« zu benutzen … äh … hm …

Opeth

Sorceress

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Nuclear Blast Entertainment

Na, jedenfalls haben Brujeria auch endlich wieder eine neue Platte gemacht. Die satanischen Drogenbarone um Mastermind Juan Brujo wurden natürlich von der Agitation Donald Trumps wachgeküsst. Am Record Store Day hat die mysteriöse mexikanisch-amerikanische Band dem Präsidentschaftskandidaten die Single »Viva Presidente Trump!« gewidmet – auf Vinyl in den Farben der mexikanischen Flagge. Sie hätten den Song viel lieber »Kill Trump!« genannt, hatten aber die Befürchtung, den anschließenden Rechtsstreit zu verlieren. Jetzt bauen sie darauf, dass der verhasste Kandidat die Präsidentschaftswahl gewinnt, und sie danach im Kampf gegen ihn triumphieren, ohne eine einzige Kugel abgeben zu müssen. Den Abschluss des wie immer komplett auf Spanisch gesungenen Albums »Pocho Aztlan« (Nuclear Blast) bildet übrigens die alte Single »California Uber Aztlan«, die auf keiner guten Metal-Party fehlen darf. Lang lebe Brujeria!

Brujeria

Pocho Aztlan

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Nuclear Blast Entertainment