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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Carsten Schumacher

Ziegenblut & Mötöröl #241

Okay, Leute, entstaubt die Klangschale, entzündet die schwarzen Kerzen, rutscht rüber und macht den Dämonen Platz auf dem Sofa: Jetzt kommt die Düsternis auf den Plattenteller.
Geschrieben am
Ach, was waren das doch für Zeiten, in denen Bands noch diese kleinen, silbernen Schlagstöcke, genannt Querflöte, mit sich rumschleppten, um sie auf einem Bein stehend in den höchsten Tönen zu traktieren. Blood Ceremony und ihr mitreißender Okkult-Rock haben das nicht vergessen, und Sängerin Alia O’Brien läuft bei »Lord Of Misrule« (Plastic Head) wieder zur Höchstform auf. Dieses Album sollte bei keinen Saturnalien fehlen und könnte auch mal im Bauchtanzkurs Anwendung finden.

Blood Ceremony

Lord of Misrule

Release: 25.03.2016

℗ 2016 Rise Above Records

Nein, das ist nicht von Weihnachten liegen geblieben: Cult Of Luna & Julie Christmas ist die wirklich interessante Zusammenführung des schwedischen Post-Metal-Teams Cult Of Luna mit der Made-Out-Of-Babies-Sängerin Julie Christmas aus Brooklyn. »Mariner« (Indie) klingt aus diesem Grund anders als alle Alben davor, bestreitet allerdings auch nie, dass es sich zunächst nur um ein Experiment handelt. Und zu mehr als einem gefühlten Gast-Status reicht es bei Julie Christmas dann auch nicht.

Cult of Luna & Julie Christmas

Mariner

Release: 08.04.2016

℗ 2016 Cult Of Luna

Bleiben wir im Sujet des Nicht-Alltäglichen und rauchen eine Shisha mit Blaak Heat, einer französisch-amerikanischen Band, die mit Klängen aus dem vorderen Orient, härteren Rock-Riffs und Jazz-Texturen herumjongliert. »Shifting Mirrors« (Svart) wurde dadurch zu einem sehr lebendigen Psych-Groove-Album, zu dem Dopeheads und Sufis gemeinsam die Kasbah rocken können und selbst die Jazzrock-Typen locker werden. Die Band hieß übrigens früher mal Blaak Heat Shujaa, hat jetzt aber zum Glück mit dem kürzeren neuen Bandnamen auch einen besseren Sound hinbekommen.
All das müsste bei Ihsahn und seinem sechsten Soloalbum »Arktis« (Candlelight) noch diskutiert werden. Der Emperor-Sänger schaukelt sich darin in schwerem Schlingerkurs durchs ewige Eis. Prog, Beats, Black Metal, Pop, klassischer Metal – alle spielen mit und gehen sich dabei auch mal gegenseitig auf die Nerven, oder waren’s meine? Jedenfalls ist »Vielfalt« doch nicht immer so ein positiv besetzter Begriff, wie man hier lernen darf (wobei ich mich gleich mal bei allen Vielfalten entschuldige, die einen ordentlichen Job machen; hier geht es um eine Verwendung des Begriffs, als wäre der komplette Gewürzschrank in die Suppe gefallen).

Ihsahn

Arktis.

Release: 08.04.2016

℗ 2016 Tanglade Ltd t/a Candlelight Records, under exclusive license from Ihsahn and Mnemosyne Productions

Jetzt braucht’s mal eine Portion Purismus, und Deadsmoke, namentlich Maurice, Matteo und Gianmaria, können liefern. Die drei Italiener holen für ihr Debüt »Deadsmoke« (Heavy Psych) mal so richtig aus und doomen und sludgen in einem bratentiefen Frequenzbereich, dass man darauf grillen könnte und Gegenstände in näherer Umgebung Feuer fangen. Manche nennen das atavistisch, ich nenne es gemütlich.
Und wenn man jetzt im Anschluss direkt die neue Church Of Misery einwirft, denkt man direkt an Blues. Dabei sludgt es einfach nur weniger, und ihr Doom, der in den Hype-Tagen des Stoner-Sounds auch mal dahingehend umetikettiert worden war, ist im Angang etwas klassischer. Doch die japanische Band mit dem treusorgenden Faible für Massenmörder und Serienkiller schmeißt auf »And Then There Were None?« (Plastic Head) schnell eine Schippe Dreck hinterher. Rein japanisch ist die Band übrigens nicht mehr, denn Bassist Tatsu Mikami war zuletzt das einzig verbliebene Mitglied und hat nun Repulsion-Sänger Scott Carlson sowie Mitglieder von Blood Farmers und Earthride in die Band geholt, was den Sound ein wenig runder und wärmer macht.

Church Of Misery

And Then There Were None...

Release: 04.03.2016

℗ 2016 Rise Above Records

Und wenn wir schon mal da sind, können wir auch gleich noch blumig-breitbeinige Refrains draufbuttern und wären bei Spiritual Beggars und ihrem »Sunrise To Sundown« (Inside Out), das man guten Gewissens nur hören kann, wenn man aufgrund des eigenen Zustands schon nicht mehr in der Lage ist, den Unterschied zu Deep Purple festzustellen. Oder wenn das Schiebedach offen ist. Aber dann macht’s Spaß.

Spiritual Beggars

Sunrise to Sundown

Release: 18.03.2016

℗ 2016 Century Media Records Ltd., under exclusive license from InsideOutMusic / Licensed from Savage Messiah Music

Und hätte man jetzt einen Albernheits-Regler, den man ganz nach links drehen könnte, bis nur noch schweres Riffing, wuchtiges Schlagzeug und ansonsten Finsternis übrig blieben, hätte man schon mal den Anfang von Like Rats, die auf »II« (Southern Lord) wie schon beim selbstbetitelten Debüt vor vier Jahren zwischen Midtempo-Stampfern und Death-Prügelei abwechseln und dabei in einem wirklich guten Sound herrlich wild um sich schlagen. Klingt, als ob ihr Heimatort Chicago aus (extrem fetten) Höhlen bestehen würde. Toll!
Und wo wir schon in der Vorzeit stecken, sollen auch gleich Moonsorrow Erwähnung finden, die auf »Jumalten Aika« (Century Media) die Brücke zwischen Heidentum, Runenkunde, folkloristischem Firlefanz und majestätischem Black Metal zimmern. Ein wirklich schönes Bauwerk, mit allerlei Schmuckelementen, an dem nur das Plastik nervt, das im Hintergrund immer wieder aus dem Synthesizer schwappt. Manchmal wünscht man sich, dass solche Bands die Geduld zu warten hätten, bis sie per Crowdfunding die Kohle für das Orchester aus Prag, Budapest oder meinetwegen auch Oulu zusammenhaben.

Moonsorrow

Jumalten Aika

Release: 01.04.2016

℗ 2016 Century Media Records Ltd.

Das haben die ebenfalls finnischen Horse Latitudes günstiger gelöst: Auf »Primal Gnosis« (Ritual) hört man eher düsteres Geschabe, eine Art Vorstufe von Obertongesang, allerhand religiöses Geschirr und finstere Bässe (derer hat die Band zwei). Hätte jemand gesagt, diese Doom-Band habe gerade sieben Jahre in Tibet verbracht, würde man keine Sekunde daran zweifeln. Ansonsten lässt sich dieses Album aber auch prima nachts allein im Wald hören – sofern die Eichhörnchen stabile Nerven haben (zu erfragen beim Förster).

Horse Latitudes

Primal Gnosis

Release: 15.04.2016

℗ 2016 Ritual Productions