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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Friese & Hölle

Ziegenblut im Dosenbier #259

Ergibt es Meta-Retro, wenn man bei Retro-Sound Retro-Bands referenziert? Bleibt da nur noch die Flucht in den Drone? Hölle und Friese sinnieren vor dröhnenden, dem Burn-out entgegenblutenden Boxen.
Geschrieben am
Hölle betritt den Underdog Recordstore und hört sehr klassischen Sound. H: Moin Friese, hat irgendwer den Keller von Led Zeppelin aufgeräumt, oder was läuft da? F: Ich würde zumindest keine fünf Pfennig dagegenwetten, dass der Besenjunge die dort gefundenen Aufnahmen nun als Greta Van Fleet veröffentlicht, so nah ist nicht nur der Sound am Original, sondern auch die musikalische Qualität. Vor 40 Jahren vielleicht Ausschussware, heute aber sehr erfrischend. H: Die »From The Fires« (Republic) ist ja schon die zweite EP der Band, und mich erinnert der Sound immer auch an andere Retro-Referenzen von Darkness bis Mooney Suzuki, so meta ist die Kiste mittlerweile. Jedenfalls ist die Sound-Ästhetik ganz schön historisierend.

Greta Van Fleet

From the Fires

Release: 10.11.2017

℗ 2017 Republic Records a division of UMG Recordings Inc & Lava Music LLC

Leg doch mal die neue White Wizzard auf, dann hören wir uns an, wie Judas Priest klängen, wenn sie heute noch 20 wären. F: Beim Opener hast du definitiv recht. Ansonsten ist diese Kapelle eher die kondensierte Iron-Maiden-Historie. Mastermind und Bassist Jon Leon wäre gerne Steve Harris, nur halt in ungeduldiger, vom Debüt zu »Seventh Son Of A Seventh Son« als direktem Nachfolger. Dabei hat er gefühlt mehr Mitglieder gefeuert als Harris in der gesamten Historie von Maiden. Nun wieder mit dem Screamin’ Demon eine Art »Brave New World«-Reunion. Dass das alles qualitativ nicht an die Großtaten der Idole heranreicht, sei geschenkt. Aber »Infernal Overdrive« (M-Theory) ist eine unterhaltsame, klassische Heavy-Metal-Platte, deren Line-up nun hoffentlich länger hält, als das Anhören dieser Platte braucht. 

White Wizzard

Infernal Overdrive

Release: 12.01.2018

℗ 2018 M-Theory Audio

H: Nicht dass wir jetzt mit den Wizards durcheinanderkommen: Hast du eigentlich die neue Electric Wizard gehört? Lass uns mal gerade aufs Bremspedal latschen. Gerade der Anfang ist ‘ne schön bluesige Doom-Nummer. Oder ist das eher doomiger Blues? F: Ich bin für duesiger Bloom. Vorab erst mal ein Halleluja (oder wie auch immer man dem dunklen Lord dankt), dass man keine Referenzband im Kopf hat, weil Electric Wizard selbst die Referenz sind. Aber läuft die Platte in der richtigen Geschwindigkeit? Mir kommt es gerade vor, als würden sie sich plötzlich in einem regelrechten Geschwindigkeitsrausch befinden. Nicht dass es ihnen nicht stehen würde, doch der Fuß steht mittlerweile ganz schön in der Garagentür. H: Hm ja, »Wizard Bloody Wizard« (Spinefarm) variiert gerade am Anfang, nachher schleppt es sich wieder etwas ein, aber manche Perlen der Düsternis haben die Anmut schwarzen Kaffees, das mag stimmen.

Electric Wizard

Wizard Bloody Wizard

Release: 17.11.2017

℗ 2017 Spinefarm Records, a Universal Music Company

F: Apropos Perle. Nun kommt eine späte Perle des Jahres 2017: Hard Actions »Hot Wired Beat« (Svart). Seitdem ich bei ihrem letzten Konzert im Kölner Sonic Ballroom den Vorboten des neuen Albums im Gewand der 7" »Tied up« gekauft habe, standen meine Erwartungen auf zwölf. Diese Burschen bringen das neue »Payin’ The Dues« raus. Keine Kompromisse, Highspeed-Punk’n’Roll. H: Diesmal kommt der Sound allerdings aus Finnland. Nach dem gnadenlos guten Debüt nun ein richtig guter Nachfolger, und gleichzeitig erwacht die letzte große Welle dieses Sounds aus Skandinavien aus dem Winterschlaf und legt auch noch mal los – Hellacopters, Gluecifer & Co. Die Platte braucht keine Aufwärmphase, gelernt ist gelernt. 

Hard Action

Hot Wired Beat

Release: 01.12.2017

℗ 2017 Svart Records

In diesem Sinne: Leg doch mal die »No Cross No Crown« (Nuclear Blast) von Corrosion Of Conformity auf, da macht man ja auch nie was falsch. F: COC sind seit ihrer Reunion in einer blendenden Form. Sowohl live als auch auf Platte, wie sie hier beweisen. Keine Neuerfindung oder ein neues Meisterwerk, aber so grundsolide, wie der Charakter von Pepper Keenan immer wirkt. H: Absolut. Southern Rock meets Sabbath in hart. Denselben Produzenten wie immer, und die Single »Wolf Named Crow« bringt sofort den Trademark-Sound. 

Corrosion of Conformity

No Cross No Crown

Release: 12.01.2018

℗ 2018 Nuclear Blast Entertainment

Wollen wir gerade mal die Blues-Tonleiter verlassen? Ich hätte die »Trident Wolf Eclipse« (Century Media) von Watain da. F: Watain feiern 20 Jahre Schweineblut und Pyro-Effekt, keine Kompromisse und den einhergehenden Bühnenmief. Obwohl ich kein Fan bin, geht das hier überraschend gut ins Ohr. Wahrscheinlich ein Indiz, dass es dem gediegenen Schwarzmetaller am Ende zu seicht ist. Oder was sagen Sie, Herr Ziegenblut? H: Mir gefallen Mix und Produktion richtig gut, und bei aller Liebe für Chaos und Verwüstung in musikalischer Entgrenzung hab ich nichts gegen das gute Quäntchen Pop, das der Platte innewohnt. Eine süffige Platte, die nicht mehr erahnen lässt, dass Erik Danielsson wegen Burn-out kürzertreten musste.

Watain

TRIDENT WOLF ECLIPSE

Release: 05.01.2018

℗ 2017 His Master's Noise - A Division of the Temple of Watain, exclusively licensed in the territory to Century Media Records Ltd.

Full stop jetzt! Lass uns mit der »Prospect Of The Deep Volume One« (Indivisible) von Azonic in den Schweif des Kometen eintreten. Die Platte passt hier gut, weil sie sich im Endeffekt dort suhlt, wo Slayer ihr »Reign In Blood« haben ausklingen lassen. F: Wow. Das ist wirklich nur was für Leute, die bei einem Drone-Rock-Konzert bereits nach fünf Minuten gehen, weil ihnen der erste konkret angeschlagene Akkord nach der obligatorischen Intro-Feedbackschleife schon zu viel Zugeständnis an ordinären Stadionrock ist. H: Stimmt. Die sind ein Hardcore-Drone-Duo, aber mit Pauke und Gong! Das ist ein Projekt des Blind-Idiot-God-Gründers Andy Hawkins, aufgenommen von Bill Laswell. Stephen O’Malley ist begeistert! Klingt wie das infernalische, episch dünn gewalzte Ende eines Jahrhundert-Konzerts in Zeitlupe. 

Azonic

Prospect of the Deep, Vol. One

Release: 27.10.2017

℗ 2017 Indivisible Music Corp

F: Beenden wir diese denkwürdige Jahrhundertausgabe unserer Kolumne doch mit einem Zitat aus der Songtexte-Auswahl »Japanische Kampflektüre« (Unundeux) von Christ Of Kather: »Musik soll eigentlich schön sein. Diese hier nicht!«