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Mit Friese & Hölle

Ziegenblut im Dosenbier #263

In ihrem Ansinnen, Intro doch noch in ein Metal-Mag zu transformieren, sind Friese und Hölle gescheitert. Dennoch hängen sie ein letztes Mal im Plattenladen ab.

Geschrieben am

Hölle betritt den Underdog Recordstore. Schlachtengesang umschmeichelt sein urplötzlich im geisterhaften Wind flatterndes Haar. Reflexhaft greift die eine Hand ums Handgelenk des anderen Armes. H: Wtf?!? F: Boss Move. Obwohl das jetzt hier popkulturell die Genre-Grenzen sprengt. Also lieber zurückgerudert, und zwar in eine Zeit, als man Manowar noch hören konnte: die Zeit von Ross The Boss. Denn wir hören sein aktuelles Schlachtwerk »By Blood Sworn« (AFM). H: Schöne Songs dabei, aber ich vermisse einfach die Stimme von Eric Adams, auch wenn ihm langsam die Haare ausfallen.

Ross the Boss

By Blood Sworn

Release: 20.04.2018

℗ 2018 AFM Records, a division of Soulfood Music Distribution GmbH

Lass mal lieber »Hellhound« (ROAR) von Monument hören. Aber Obacht, der Anfang klingt original wie »Little Big Horn« von Running Wild. F: Da man seit Jahren kaum eine Running-Wild-Platte wirklich anhören kann, ist das eine schöne Abwechslung im Zitate-Rock-Universum. Obwohl aufgrund der ähnlichen Klangfarbe zu Dickinson (bei schwächerem Songwriting) wohl eher »No Prayer For The Dying« Pate stand. H: Eine gerade im Vergleich zum Spätwerk zu Unrecht geschmähte Platte und dennoch eine Frechheit! Jeder einzelne Monument-Song hätte Dickinson-Soloplatten wie »Tattooed Millionaire« um Längen aufgewertet.

Monument

Hellhound

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Rock Of Angels Records

Aber schön, dann lass uns mal die Frauenquote heben und zugleich auch die Geschwindigkeit, denn Nervosa haben mit »Downfall Of Mankind« (Napalm) ihr drittes Album draußen. F: Quote, Schmote. Mich interessiert nur, ob die gut sind oder eben nicht. Und Jessas, sind Nervosa gut. Die haben auch im Vergleich zu ihren Vorgängeralben noch eine ordentliche Schippe an Geschwindigkeit draufgelegt. So könnten Kreator klingen, wenn Dave Lombardo sich hinters Schlagzeug setzen würde. H: Lombardo spielt ja sogar nach Noten, das braucht es hier gar nicht. Aber die Wut und die Wucht dieses brasilianischen Frauen-Trios sind wirklich sensationell. Die fauchen einfach alles und jeden aus dem Weg.

Nervosa

Downfall of Mankind

Release: 01.06.2018

℗ 2018 Napalm Records Handels GmbH

F: Wo wir gerade so aufgeputscht sind, machen wir doch einfach mal mit dem Schlagabtausch von Distillator und Space Chaser weiter. Die Niederländer legen zwar stark vor und holen mit dem »Black Magic«-Cover von Slayer sogar eine geschmackvolle Verstärkung in den Ring. Aber Space Chaser scheint es nicht zu gefallen, dass Pripjat gerade den hiesigen Thrash-Metal-Thron erklommen haben, und sägen bereits wieder am Stuhlbein. Wo Erstere bei mir vor allem durch ihre Wut punkten, haben Space Chaser mit Siggi die stärkste Stimme im Neo-Thrash-Universum. H: Eine ziemlich ausgewogene »Split« (This Charming Man), wobei Space Chaser zwischen dem ganzen Gedresche immer wieder sehr geile rhythmische Sachen machen.

Space Chaser

Distillator Split - EP

Release: 25.05.2018

℗ 2018 This Charming Man Records

F: Beenden wir aber jetzt mal den Geschwindigkeitswettbewerb und schalten ein paar Gänge runter. Khemmis legen mit »Desolation« (Nuclear Blast) bereits nach, obwohl der Vorgänger »Hunter« als eine meiner Überraschungen des letzten Jahres den Plattenteller noch gar nicht wirklich verlassen hat. H: Joa, ist jetzt nicht so meine Scheibe Doom, würd ich sagen. Auch die oft gelobten Gesänge von Phil Pendergast kommen für mich eher aus dem Finanzamtstreppenhaus des klassischen Metal. Faszinierend ist aber, dass dieser Clan aus Denver kommt. F: Du hast schon recht, dass das eine sehr metallische Interpretation von epischem Doom ist. Mit Spirit Adrift gibt es auch bereits Mitstreiter dieser Philosophie. Dazu kann man prima auf einem Berg stehen und das Meer anbrüllen. H: Das machen die im Post-Metal aber besser, und die Fjorde Norwegens haben auch schon öfters ans Auswandern gedacht. Aber Colorado hat ja nicht mal eine Küste, und das hört man auch.

Khemmis

Desolation

Release: 22.06.2018

℗ 2018 Nuclear Blast Entertainment

Lass uns doch lieber mit Graveyard weitermachen, die haben gerade mit »Peace« (Nuclear Blast) ihr fünftes Album unter die Hardrocker gebracht. F: Da war meiner Meinung nach die Luft schon ein wenig raus, als sie sich namensgetreu vor einiger Zeit selbst begraben haben. Daher hatte ich auch keinerlei Erwartungen an ihre Auferstehung. Aber als hätte Lemmy ihnen im Afterlife mal gehörig den Marsch geblasen und ihnen eingebläut, dass man nicht wegen einer schlechten Platte gleich das Handtuch wirft, sind die Schweden so fulminant zurück, wie sie es vielleicht nur waren, als sie vor acht bis neun Jahren den Startschuss zur 1970er-Retro-Rock-Welle gaben. H: Klingt nach Werbetext, lässt sich aber nicht leugnen. Ich zweifle zwar, dass Lemmy nichts Besseres zu tun hat, als durch die Hirne von schwedischen Retro-Rockern zu turnen und den Motivationstrainer zu geben, aber dank dieser Platte können wir unseren Frieden mit der Band machen.

Graveyard

Peace

Release: 25.05.2018

℗ 2018 Nuclear Blast

Bevor wir uns nun endgültig ins schwärzeste Schwarz verabschieden: Lass uns doch noch eine Runde mit dem Night Flight Orchestra drehen. F: Schwarz ist an »Sometimes The World Ain’t Enough« (Nuclear Blast) tatsächlich gar nix. Ihr letztes Meisterwerk habe ich vor einem Jahr an genau dieser Stelle als bestes Classic-Rock-Album seit Totos »IV« betitelt. Und auch wenn dieser Nachfolger zunächst ein wenig schwächer um die Ecke kommen mag, merke ich doch bei jedem weiteren Hördurchgang, dass sie mindestens genauso gut ist. Gene-Simmons-»Dynasty«-Gedenkläufe, Survivor-Refrains – mein Stadion-Disko-Rock-Herz tanzt mich schwindelig. H: Vor meinem inneren Auge läuft gerade »Adventures Of Power«, und ich tanze mit Rocky Balboa Discofox (in der Hoffnung, dass Jennifer Beals gleich abklatscht). So wollen wir in Erinnerung bleiben, oder, Friese?! F: Geben wir Night Flight Orchestra das letzte Wort: »It can’t be that bad, if it feels that good!«

The Night Flight Orchestra

Sometimes the World Ain't Enough

Release: 29.06.2018

℗ 2018 Nuclear Blast

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