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Die prototypische Abiband

You Say Party! We Say Die! live

31.05.06, Köln, Gebäude 9. Wie verwegen wurden YSP!WSD! uns im Vorfeld annonciert. Eine Inkarnation von Karen O solle da am Mikrofon stehen. Party und Ekstase. Windig und wild. Und: Sie sind doch noch so jung! Für diejenigen, denen diese Ankündigung das erste Besuchsargument gewesen ist, muss der er
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31.05.06, Köln, Gebäude 9. Wie verwegen wurden YSP!WSD! uns im Vorfeld annonciert. Eine Inkarnation von Karen O solle da am Mikrofon stehen. Party und Ekstase. Windig und wild. Und: Sie sind doch noch so jung! Für diejenigen, denen diese Ankündigung das erste Besuchsargument gewesen ist, muss der erste Eindruck der Band aus Vancouver enttäuschend gewesen sein. Denn ganz im Gegenteil kam da ein Quintett auf die Bühne, das wohl die prototypischste Abiband darstellte, die je über den Atlantik herüberschwappte: Typen mit schwarzen T-Shirts mit Aufdruck und ohne Frisuren, Mädchen mit knielangen Röcken, blickdichten Stumpfhosen und Oberteilen. Und ja, jung.

Aber Leute wie uns von der Intro entkrampft so was ja eher und gibt uns einen neuen Baustein zu der Illusion, es selbst auch noch mit unseren Superbands schaffen zu können. Also zuhören. Die Debüt-EP von YSP! kam im Vorfeld schon gut an und machte Appetit auf das Album, das demnächst auch hier eintrudeln sollte. Was die Band davon auf die Bühne brachte, war sehr klassisch dem geschuldet, was gerade populär wird, hier wie auch in Nordamerika: Dancepunk mit New Wave-Elementen und hohem Tempo, so wie Electric Six, Hot Hot Heat, Metric und einige andere. Und gerade Sängerin Becky Ninkovic bemühte sich redlich, so etwas wie Feuer unter die ca. 70 Besucher im Gebäude 9 zu verteilen. Das klappte auch, wenigstens partiell, denn einige ihrer Albumsongs verfügen doch über Hooklines, die sofort funktionieren und alles Positive dieser Stilart in sich versammeln. Daran konnte auch keine durch gerissene Gitarrensaiten erzwungene Pause etwas ändern. Dann gab es aber auch Phasen während des Konzertes, in denen wenigstens ich mich nicht so richtig mitgenommen fühlte, in denen genau das Problem eintrat, das Bands oft haben, deren Stilart gerade anfängt auszuleiern. Denn viele der YSP!-Stücke machten doch den Eindruck, dass sie zu sklavisch an einem bestimmten Schema hingen, dass die Band zu mutlos vor Variabilität zurück schreckte. Kann aber auch eine Jugendsünde sein, sprich: kann sich im Verlauf der Karriere noch ändern. Potenzial dazu versprach die gute Stunde Set jedenfalls.

Support waren übrigens die großartigen Octo Wallace aus Köln mit einem völlig unbeschreibbaren Potpourri an Stilarten, so wild, dass die Band wohl am besten auf Mike Pattons Ipecac-Label passen würde. Wer sich in Köln und um Köln herum das Gehirn mal wieder richtig ausblasen lassen möchte, sollte ein Konzert von diesen wählen, bzw. sie fürs eigene Wohnzimmer engagieren. Ich glaube, dass er oder sie es nicht bereuen würde.