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»There’s A Riot Going On«

Yo La Tengo

Die Indie-Rock-Institution aus Hoboken kehrt mit einem in sich geschlossenen Großwerk zurück, das in Zeiten des Aufruhrs in Politik und Gesellschaft an die Kraft der Ruhe und der maßvollen Zurückhaltung erinnert.

Geschrieben am

Yo La Tengo haben seit ihrem Debüt »Ride The Tiger« aus dem Jahr 1986 noch nie eine schlechte Platte aufgenommen. Doch das letzte Großwerk, auf dem nicht nur ihre Stärken gekonnt präsentiert wurden, sondern sich die Band auf der Höhe der Zeit befand, entstand schon zur Jahrtausendwende. Dass das neue Album nun nach dem legendären 1971er-Psychedelic-Soul-Album von Sly & The Family Stone benannt wurde, aus einer Zeit, als das innenpolitische Klima der USA schon einmal kurz vor dem Zerreißen war, ist in Zeiten von Trump, Fake News und dem Riss in der US-amerikanischen Gesellschaft keine Anmaßung, sondern eine kluge List. Denn die Namensgebung bleibt quasi der einzige laute Moment auf der LP. Der Aufstand von Yo La Tengo besteht in der stoischen Ruhe, die in den Songs zelebriert wird, und wirkt wie eine sonische Anweisung, wie der aufgeheizten Stimmung in den Nachrichten, sozialen Netzwerken und der Kultur allgemein zu begegnen ist. Denn das ist die größte Stärke des Trios: Kaum eine andere Band kann kraftvoller leisetreten und zugleich liebevoller Krach machen – nur dass auf Feedback-Noise diesmal gänzlich verzichtet wird. 

Doch die friedliche Stimmung bleibt trügerisch, denn die Songs werden im Laufe des Albums geisterhafter, es entsteht eine Unruhe in der Ruhe, die zum Ende hin auch durch das angejazzte Kontrabassspiel James McNews und die polyrhythmische Percussion immer weiter durchdringt. Der schon fast ambiente Mittelteil klingt nach dem Beginn einer Traumreise in die Vergangenheit, ein Brückenschlag zu Sly Stone in den 1970ern. Lieder wie »What Chance Have I Got«, »Shades Of Blue« und vor allem »Forever« mit seinem Shoo-Wop-Backgroundchor wirken, als seien sie traumwandlerisch aus Überresten alter 1960er/70er-Pop-Songs entstanden. Bei Yo La Tengo liegt in der Ruhe die Kraft, nicht in der wütenden Übersprunghandlung.

Yo La Tengo

There's a Riot Going On

Release: 16.03.2018

℗ 2018 Matador

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