×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

im Interview

Yo La Tengo

Georgia und Ira führen eine geniale Doppelehe: Glück in der Liebe und bei der Arbeit und das ist YO LA TENGO. Seit 1985 treten sie regelmäßig an die Öffentlichkeit um scheu und zurückhaltend ihr neuestes Erbe Velvet Undergrounds (und es gibt bei Gott keine rechtmäßigeren) vorzustellen. Und pö a pö g
Geschrieben am

Georgia und Ira führen eine geniale Doppelehe: Glück in der Liebe und bei der Arbeit und das ist YO LA TENGO. Seit 1985 treten sie regelmäßig an die Öffentlichkeit um scheu und zurückhaltend ihr neuestes Erbe Velvet Undergrounds (und es gibt bei Gott keine rechtmäßigeren) vorzustellen. Und pö a pö ging es aufwärts. Wie soll man ihr Schaffen (außer mit dem Velvet Underground-Vergleich) beschreiben?Sie klingen urban und dunkel, schön - aber doch schräg, experimentvoll - aber doch straight und mit Konzept. Nun gibt es wieder ein neues Werk und das ist Anlaß genug, mal mit den beiden „Hübschen " zu sprechen. - So the story goes...:

Mit Eurem aktuellen Album "May I Sing With Me" erhaltet Ihr ja auch oder gerade aus kom­merzieller Ebene erstaunlich gute Resonanz. Ist das jetzt der große "Durchbruch" für YO LA TENGO und die letzte Erscheinung auf CITY SLANG (meinem Lieblings­label)?

"Wir haben keine Ahnung ob das jetzt der große Durchbruch ist. Wir versuchen einfach nur gute Platten zu machen und freuen uns, wenn den Leuten da draußen das Ergeb­nis gefällt. Wir bleiben bestimmt bei CITY SLANG, ist ja auch unser Lieblingslabel!"

In wie weit unterscheidet sich Euer neues Werk denn vom bis­herigen Schaffen? Seid Ihr denn umgänglicher geworden?

"Der Unterschied liegt einfach dar­in, daß diese Platte einfach neuer ist als die anderen. Wenn Du es als "umgängiger" empfindest, ist das Deine Interpretation. Wir haben le­diglich, wie eigentlich immer, ver­sucht eine gute Platte zu machen, - that's all!" Wie schafft Ihr es, soviele unterschiedliche Stilelemente und Stimmungen in Eure Musik zu packen, ohne daß es da zu Reibungen in der Songstruktur kommt, denn ich weiß zwar nie, wie ein Track verläuft, aber komme eigentlich auch mit dem größten Soundchaos bei Euch klar, weil da immer noch so ein klares Muster bleibt. Ist das beabsichtigt? "Die unterschiedlichen Stilelemente bestimmen das Gesamtbild der Platte. Wenn alle Songs so wären wie "Sattelite", wäre das Stück nicht das, was es jetzt ist, neben einem Stück wie "Mushroom Cloud Of His". Die Stücke sind alle verschieden und die Auswahl wohl beabsichtigt. Das heißt, wir setzen uns nicht hin und sagen "wir machen jetzt mal einen ruhigen Song" oder "jetzt mal wieder ein bischen Feedback". Wir überlegen uns eine gute Mischung aus schon produzierten, aber noch unveröffentlichten Songs und die bilden ein ganzes Album."

Ist es nicht schwer für Euch die Feinheiten und Züge der Alben auch live darzubringen? Oder sind YO LA TENGO live anders?

"Es ist verdammt schwer, das live so rüber zubringen. Wir versuchen es einfach, wenn es auch vom Sound her live nicht immer leicht ist. Ich glaube, wir sind live lauter und rockiger als man von den Platten vermuten würde, aber versuchen auch durch unsere Persönlichkeiten und durch Ausstrahlung die feineren die feineren Züge der Alben zu vermitteln. Irgendwie klappt es."

In wie weit ist das Ehepaar Hubley/Kaplan dieses denn auch in musikalischer Hinsicht. Kombiniert Ihr Euch da oder darf jeder mal für ein Stück Hauptakteur sein und dann nur Mitspieler?

"Basicly this is a mirriage of music, yes. -Ira schreibt die meisten Songs, aber die Musik ist eine Sache von uns beiden!" (die beiden schauen sich recht zufrieden an)

Habt Ihr unterschiedliche Geschmäcker? Und was hört Ihr, wenn Euch danach zumute ist, am liebsten?

"Wir haben ziemlich gleiche Geschmäcker und besitzen Billionen Platten. Die letzten, die wir uns gekauft haben, sind Michael Hurley, Sun Ra, Crime, The Moles und Fish & Roses, falls die von Euren Lesern jemand kennt. Aber wenn sie uns kennen, bestimmt".

Was inspiriert Euch denn immer wieder neu? Wie wird bei Euch aus einer kleinen Idee ein gesamter Song?

"Gute Frage. No Comment (Georgia), it's hard to say. (Ira) Manchmal sitzen wir zusammen und probieren was aus und ir­gendwann wird das dann ein Song. Manchmal macht jeder für sich. -Ach shit, wir sind nicht so easy beim Interview und außerdem totally crabby. Frag doch bitte was leichteres!"

Wie heißt Eure neue Platte? Nein, sagt mal, seid Ihr denn auch heute noch mit Euren ersten Veröffentlichungen zu­frieden, oder habt Ihr Euch in­zwischen soweit verändert, daß es da schon zu Identifikations­problemen kommt?

"Oh nein! Wir sind mit jeder ein­zelnen Veröffentlichung voll zu­frieden, auch wenn wir live nicht mehr viel von den frühen Sachen spielen."

Wenn man das augenblickli­che "Phänomen" NIRVANA nimmt, habt Ihr nicht Angst, daß Euch (vielleicht ja schon mit dieser Platte) so etwas auch mal widerfahren könnte und muß es dann nicht grausam für einen Musiker sein, daß plötzlich auch alle alten Platten bestens verkauft werden? Wie wichtig ist der Verkauf?

(Ira wird plötzlich wieder munter:) „Was ist denn mit NIRVANA passiert? Sie haben halt viele Platten verkauft und wer würde sich da nicht freuen? Und wieso ist es grausam, wenn alte Platten sich plötzlich gut verkaufen? Wir machen keine Platte mit der Idee, davon soll jetzt mal eben höllisch viel verkauft werden, sondern wir wollen in erster Linie, daß es eine gute Platte wird. Wir sind dann natürlich auch bereit, dafür Promoaktivitäten wie diese hier zu machen. Natürlich wissen wir nicht so recht, wie wir reagieren, wenn sich unser Leben schlagartig durch großen Erfolg ändert. It's hard to say, aber es ist ja noch nicht so weit!"

Nochmal zurück zum Konzert: Wenn Ihr im Mai und Juni auch in Deutschland auf Tour geht, gibt es da einen Club auf den Ihr Euch aus Erfahrung besonders freut und warum wird denn erneut der ostdeutsche Raum ausgelassen? Schade für die Leute dort!

"Das Forum in Enger und das Berliner Loft sind Läden, die wir echt sehr mögen. Da stimmt die Atmosphäre. Warum wir nicht im Osten spielen? Warum eigentlich nicht? Wir fragen da mal unseren Booker!"