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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Selbstbestimmung oder PR-Stunt?

Yacht verkaufen geleaktes Sex-Tape

Claire Evans und Jona Bechtolt sind das kalifornische Pop-Duo Yacht und ein Paar. Auf Facebook gaben die beiden gestern bekannt, dass ihr Sex-Tape geleakt wurde und dass sie den Entschluss gefasst haben, so viel Handlungsspielraum, wie ihnen geblieben ist, zu nutzen und es selbst online bereitzustellen. Neugierige werden aufgerufen, das Tape nicht irgendwo im Internet anzuschauen, sondern bei Yacht selbst zu streamen und den Leak somit nicht zu unterstützen. Nach dem ersten Schreck kommen aber auch Zweifel an der Geschichte auf.
Geschrieben am
Gestern sorgte das Pop-Duo Yacht aus Los Angeles mit einem Facebook-Post für Wellen im Netz, in dem die beiden Musiker, die auch privat liiert sind, verkündeten, ihr nur für sich aufgenommenes Sex-Tape sei im Internet veröffentlicht worden. Jona Bechtolt schreibt dort im Namen der beiden unter anderem darüber, wie ihre persönlichen Grenzen mit der Veröffentlichung verletzt wurden und bittet die Leser des Posts, sich das Video nicht anzusehen.
Zwei Stunden später folgte ein Kommentar der Band, der die Ankündigung enthielt, das Video verkaufen zu wollen. Wenn die privaten Aufnahmen nun eh nicht mehr aus dem Internet zu retten seien, so wolle man zumindest so viel Selbstbestimmung behalten wie möglich, und böte daher die Möglichkeit des käuflichen Erwerbs zugunsten eigener Einnahmen an.
Nach anfänglichen Solidaritätsbekundungen kamen aber die ersten Zweifel auf. In einem Artikel der Website Thump wird die Frage aufgeworfen, ob das Ganze nicht doch nur ein Marketing-Stunt sei. Zumindest mehren sich Hinweise darauf: im ersten Facebook-Post lamentieren Yacht über die prekäre finanzielle Situation von Bands in Zeiten, da Musik nicht mehr Kunst, sondern Content sei. Könnte ein vermeintliches Sex-Tape also ein Meta-Kommentar zu den Musikmedien sein, die nicht zwischen Meldungen über Musik und Meldungen über geleakte Videos  unterscheiden? Das erste Mal, dass Yacht Unsinn über sich selbst erzählen und der Presse gezielte Falschinformation unterbreiten, wäre das nicht, wie sie auch schon selbst mal bestätigt haben.

Bei dem experimentellen Versuch, das Video zu kaufen, stellten die Thump-Autoren fest, dass weder Geld von der Kreditkarte verschwindet, noch das Video tatsächlich zu sehen ist – es taucht lediglich eine Fehlermeldung auf. Sämtlichen Reddit-Usern ergeht es genauso, niemand scheint das Video jemals irgendwo gesehen zu haben. Es wird daher spekuliert, ob es ein PR-Stunt für ein Video zum Song »I Wanna Fuck You Till I'm Dead« vom letzten Yacht-Album  »I Thought The Future Would Be Cooler« sein könnte.

Sofern dem so wäre, drängt sich indes die Frage auf, ob diese Instrumentalisierung eines Leak-Szenarios tatsächlichen Opfern eines solchen Datendiebstahls gegenüber gerecht ist. Bis zu einem nächsten Update seitens der Band bleiben derartige Gedanken jedoch Spekulation. Die Spurensuche geht erstmal weiter.

YACHT

I Thought the Future Would Be Cooler

Release: 16.10.2015

℗ 2015 Downtown Records under exclusive license to Sony Music Entertainment UK Limited