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Soundästhetische Geschichtenerzähler

Xul Zolar Live in Hamburg

Das Kölner Quartett veröffentlichte im Januar sein langersehntes Debütalbum »Fear Talk«, mit dem es nun in Hamburg für sphärische Intimität sorgt.
Geschrieben am
15.02.2018, Hamburg, Prinzenbar

»Wir freuen uns wieder hier zu sein «, sagt Ronald Röttel, Sänger von Xul Zolar und meint damit die Prinzenbar in Hamburg, in der sie bereits vor drei Jahren beim Reeperbahn Festival spielten. Seit über einem halben Jahrzehnt wartete man auf das Debütalbum der Kölner, die schon als Support für Future Islands oder SOHN auftraten. Die Live-Qualitäten von »Fear Talk« präsentieren sie im Rahmen ihrer Tour nun auch überzeugend dem Hamburger Publikum. Xul Zolar gehören zu den Bands, die sich in die Riege des »Sound Of Cologne« einreiht, aktuell auch vertreten durch Bands wie WOMAN oder Bergfilm. Was Xul Zolar ausmacht, ist ihre überzeugende Mischung aus komplexen, rhythmisch-diffizilen Popmelodien und warmen Synths, mit der sie einen sanften Sog erzeugen. Eröffnet wird der Abend von Monako aus Hamburg, bei der man 3/5 von der Band Der Ringer entdeckt, die hier aber auf Englisch textet und den schmachtend-tanzbaren Grundstein der Atmosphäre des Abends legt.


Das letzte Mal stand Xul Zolar als Trio, nun aber als Quartett auf der Bühne der Prinzenbar. Als man sich zu wundern beginnt, weshalb Röttel sich nach jedem Song regelmäßig gen Boden bückt, bekommt man schnell die Erklärung:  »Wenn ihr euch wundert warum wir immer auf den Boden gucken – wir haben ausversehen die Setlist in Schriftgröße 12 ausgedruckt«. Das bleibt allerdings auch die einzige – sehr charmante - Irritation des Abends. Stressfrei und dennoch intensiv gestalten sie ihr Konzert. Dennis Hoffmann am Schlagzeug sticht durch seine energetische Spielweise besonders hervor, wenn er seinen ganzen Körper einsetzt, kurz innehält, dann immer wieder einhändig spielt, die andere Hand überm Kopf erhoben und dabei einen Rhythmus erschafft, der mitreißt. Ergänzt wird dies durch den leidenschaftlichen Gesang Röttels, einen slappenden Bass und an die Achtziger angelehnte Synths. Dank verdichteter, sich überlappender Übergänge verliert man sich ganz in der Musik.


Mit den Zeilen »nobody needs to love«, die die grundlegende Melancholie der Band widerspiegelt, verabschieden sich Band und Publikum voneinander, doch kehrt Xul Zolar für zwei Zugaben auf die Bühne zurück, um noch einen der malerisch-mitreißendsten Songs vom ersten Album zu spielen: »Nye«.
Was am Ende bleibt, ist die tiefe Zufriedenheit soundästhetischen Geschichten über Liebe und Schmerz gelauscht zu haben, unter deren Bann man noch auf dem Heimweg steht.