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Strangelove TV

Woog Riots

"Strangelove TV" ist vielleicht das letzte Anzeichen dafür, dass Anti-Folk in den Proberäumen Deutschlands angekommen ist. Folk, bekanntlich die Basis und nicht das Gegenmodell zu Anti-Folk, hatte hier ja seit den 80ern seltsamerweise ständig Konjunktur auf unterschiedlicher Flamme. Genoss zahlrei
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"Strangelove TV" ist vielleicht das letzte Anzeichen dafür, dass Anti-Folk in den Proberäumen Deutschlands angekommen ist. Folk, bekanntlich die Basis und nicht das Gegenmodell zu Anti-Folk, hatte hier ja seit den 80ern seltsamerweise ständig Konjunktur auf unterschiedlicher Flamme. Genoss zahlreiche Reinkarnationen, die mal eher auf englischen (Anfang der 90er), seit einigen Jahren auch wieder auf amerikanischen Folk abzielten. Letzterer gespielt von einer beachtlichen Zahl junger Bands und in indie-poppiger Form z. B. regelmäßig zu hören auf den Pittiplatsch-Samplern. Und doch: Irgendwas fehlte dort meistens, was zum Beispiel The Moldy Peaches auszeichnete. Vielleicht, weil dort oft nur versucht wurde, den perfekten Pop-Song mit Indie-Mitteln zu simulieren? Oder weil die Texte zwar witzig, unterhaltsam, gefühlvoll etc., aber eben nie besonders besonders waren? Beim Debüt der Darmstädter Woog Riots, die sich nach einem Stadtteil der hessischen Humanismus- und Pennäler-Humor-Geburtsstätte (Büchner; "Darm-") benannt haben, ist genau das anders. Die Musik von Silvana Battisti und Marc Herbert erinnert an ein Sammelsurium der schönsten Folk-Brechungen der letzten 20 Jahre. An Camper Van Beethoven, die Country-F.S.K.-Version, manchmal auch an den Weirdo Jad Fair. Die englischen (manchmal bewusst genglischen) Texte sprechen für eine Direktheit, einen lyrischen Modernismus (oder zumindest ein angenehm frisches Referenzspektrum), wo sonst gerne regressiv klingende Gefühlsduseleien vorherrsch(t)en. Woog Riots provozieren, verwirren, ironisieren oder kokettieren - manchmal ist unklar, was gerade ("Once I made a record / I did it for you all / Like the man on the cross 2000 years ago"). Und landen schlussendlich vom Prinzip her da, wo uns Moldy Peaches auch hinbrachten: bei wunderschön kurzweiligen, musikalisch wie inhaltlich gehaltvollen und augenzwinkernden Weisen über das Dagegensein.

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