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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Möbelstück

Wolke

Es gibt nur cool und uncool und wie man sich in den stillen Momenten fühlt. Wenn die Welt mal ihre Klappe hält, sprechen Herzen unerhörte Bekenntnisse aus, und eben daraus haben Wolke zehn neue Klavierschmuckstückchen ohne jegliche Ironie geseufzt. Eine übersetzte Coverversion, diesmal das zarte „Ic
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Es gibt nur cool und uncool und wie man sich in den stillen Momenten fühlt. Wenn die Welt mal ihre Klappe hält, sprechen Herzen unerhörte Bekenntnisse aus, und eben daraus haben Wolke zehn neue Klavierschmuckstückchen ohne jegliche Ironie geseufzt. Eine übersetzte Coverversion, diesmal das zarte „Ich will mich befreien“ von Queen, und illustre Gäste (Suzie von Klee, Harald „Sack“ Ziegler, Tim Bindel von Formation Doppelherz 2000) sind natürlich auch dabei. Es geht um Alleinsein, Vertrauen, Hingabe, Reise, Umkehr und Reue, und oft ist ganz offen, ob das angeschmachtete „Du“, dem sie die Hand ausstrecken, ein menschliches ist oder bärtig auf einer anderen Wolke sitzt. In dieser komplizierten und modernen Welt werden Gebete nicht immer erhört, und nach der Rebellion und Depression verheißen das Bekenntnis zum Leben („Das Gegenteil von Tod“) und zum Verliebtsein („Drei Worte“, welche wohl) Rettung. Dirk und Tilman wollten „Das gute wilde Leben“, Oliver und Benedikt singen vom „redlichen Leben“ mit „normalen Interessen: Radfahren, Lesen, Freunde treffen“ und vom „kleinen Schmerz“, den man ganz privat spürt, wenn sich in den Medien andere Leute gegenseitig umbringen. Diese todernste Wahrhaftigkeit, Selbstentblößung und Verkultung von Schlichtheit, die wie Weihrauch durch das ganze Möbelstück nebelt, ist so mutig wie possierlich, und wer sich jüngst bei Obstliedern schon leicht religiös umschlichen wähnte, bekommt hier mal richtig was getrapst. It’s a very, very mad world.