×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Maeckes über seine Projektreise nach Uganda

»Wir tanzen!«

Vom 12. bis zum 22 Februar reisten Maeckes und Marteria im Rahmen eines Projektes der Charity-Organisation Viva con Agua nach Uganda. Maeckes schrieb für Intro seine Eindrücke auf.
Geschrieben am

Autor: Maeckes

Die Hamburger Organisation Viva con Agua setzt sich für eine hygienische Trinkwasser-Versorgung in Entwicklungsländern ein. Im vergangenen Februar begleiteten die Rapper Marteria und Maeckes ein Projekt der Institution und reisten nach Uganda. Der Trip wurde von ZDFkultur begleitet und ist im Juni in einer zweistündigen Dokumentation zu sehen.

»Besucher schmeißen auf Festivals Pfandbecher in Gummischlauchboote, die auf Menschenmassen surfen, und mit dem Pfandbechererlös werden irgendwo auf der Welt Brunnen gebaut und so der Zugang zu sauberem Trinkwasser garantiert. Betrunkene retten die Welt. Klingt ziemlich dumm. Und unterstützenswert. Ich unterstütze das. Zeit für eine kleine Projektreise mit Viva con Agua!

Hello Africa

Nach 2 Flügen und einigen schlechten Actionfilmen im Inflight-Entertainment befinden wir uns in einem kleinen Bus, der uns 6h über die holprigen Strassen Ugandas nach Lira fährt. Im Halbschlaf sehe ich stundenlang aus dem Fenster. Getrimmt darauf sämtliche kulturelle Unterschiede in Sekundenschnelle wahrzunehmen, bemerke ich nur, dass die Menschen hier noch laufen. Kilometerweit. Zu Fuß. Und Fahrräder was tolles sind. Und alles (Türen, Familien, Holz) auf Motorrädern transportiert wird.
Wie ich es sonst nur aus Youtubevideos kenne. Und man uns zuwinkt. Teilweise. Hello Africa, tell me how you're doin'?!

More Water, More Party

Man erklärt uns, dass viele in den Dörfern noch nie einen Weißen gesehen haben. Und wir auf jeden Fall nicht distanziert und reserviert reagieren dürften, wenn die Dorfbewohner auf uns zukommen. Alles annehmen. Aber nix Ungekochtes essen & trinken!

Marten und ich spielen gerade noch eine Runde afrikanisches SchnickSchnackSchnuck, als es laut wird: Die Frauen des Dorfes fangen unseren Bus ca.500m vor dem Dorf mit lautem Gesang und Getanze ab. Wir steigen aus und tanzen mit ihnen bis zum Dorfplatz, auf dem das ganze Dorf zusammengetrommelt wurde. Tanzpflicht! Das kenn ich so nicht von Youtubevideos.
Der Brunnen, der vor einem Jahr hier gebaut wurde, funktioniert einwandfrei. Das Dorf verwaltet ihn. Es gibt Wasser! Wir tanzen!

Im Dorf am Tag darauf gibt es keinen Brunnen. Nur ein türkises Wasserloch. Aber nicht in Traumstrandtürkis, eher so Kloreinigertürkis. Drumherum liegen Äste, damit die Tiere nicht so viel reinscheißen. 2 Kilometer ist die Wasserquelle vom Dorf entfernt.

Für das deutsche Fernsehen schleppen wir 20l-Kanister ins Dorf. Es ist nervig. Hier soll ein Brunnen gebaut werden. Wir tanzen!

Wir tanzen und lachen die Bilder, die vor der Reise noch als Klischees abgeheftet waren, einfach aus unseren Köpfen. Plötzlich sind sie Real. Echte Freude, aber auch echte Blähbäuche. Und irgendwie auch echte Verbesserung, die wir mit Rapkonzerten (!) und Festivalbesucher mit Biergetrinke(!) und Pfandbecherschmeisserei herbeiführen. Ich bin ganz kurz Vater Theresa. Ich tanze!

So brutal wie das Leben, ist nur das Leben drumherum.

Um einen brutalen Kreis um unser Getanze zu zeichnen: Vor der Schule, die wir darauf besuchten, wurde einer Frau das Kind von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer geklaut.  Wir schweigen. Am Folgetag ziert die Zeitungsüberschrift, dass ein Gefängnisaufstand in Lira nur mit Hilfe des Militärs niedergeschlagen werden konnte. An der Universität Kampalas, an der wir eine Deutschstunde gegeben haben, gab es Demonstrationen gegen die Studiengebühren, die mit Wasserwerfer und Tränengas eingedämmt wurden. Studierende rannten mit abgebrochenen Stöcken über den Campus – während ich mit afrikanischen Studenten »Lagerhalle« von den Orsons rappe...

»wir haben alles gesehen, alles gefühlt, alles erlebt, alles gespürt, alles gemacht...«

Didi's Funshow

Dann der Tag des Auftritts. Tagsüber gehen wir mit den afrikanischen Rappern Abramz und Sylvestah ins Studio. Auf der Fahrt dorthin erzählen sie uns, dass es in Uganda eine Zeitlang aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen nur deutsches Fernsehen gab und sie große Didi Hallervorden-Fans seien. Das Eis war gebrochen. Wir rappen! Die Studiotechnik ist vergleichsweise ähnlich wie ein deutsches Homestudio, die Gepflogenheiten fast schon schwäbisch: Man zieht die Schuhe aus vor dem Rappen. Nur an der Studiotoilette merken wir noch, dass wir in Uganda sind. Es ist eine Latrine.

Track fertig, ab ins Goethe-Zentrum und gleich auf die Bühne. Im Publikum kommt ein Sudanese zu mir und fragt ob ich das Lied »Betrunkene Kinder« spielen könne, er sei extra dafür zehn Stunden mit dem Bus aus dem Sudan nach Uganda gefahren. Ich frage, ob er deutsch kann. Er verneint. Der Auftritt läuft. Die Afrikaner tanzen zu Deutschrap. Wir spritzen Wasser in die Menge. Alle tanzen!

Mein persönliches Fazit

Mein Zynismus ist mir geblieben. Mein Bewusstsein, kein Essen wegzuschmeißen oder das Wasser beim Zähneputzen auszumachen auch. Hinzugekommen ist eine Dankbarkeit und eine temporäre Wiederentdeckung der Einfachheit. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Nicht ganz sicher was mein Beitrag in dem Ganzen ist, würde doch immer wieder ZDF-Dokus drehen, dafür werben und somit ein Botschafter für Viva con Agua sein. Eine Organisation, die ohne Achselhaardreadsweltrettercharme auf einfachen direkten Wegen hilft.

Zu guter Letzt möchte ich erwähnen, dass ein afrikanisches Kind sehr neugierig auf mich zukam und dann schreiend weggerannt ist. Als ich die Älteren fragte, was denn gerade vorgefallen sei, antworteten sie mir, das Kind denkt, ich sei Gott. Tschüss Afrika!

Danke Viva con Agua. Danke Welthungerhilfe. Danke Uganda.

Maeckes«









Folgt uns auf

  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr