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Soundso

Wir Sind Helden

Wir Sind Helden sind eine der wenigen albumbandhaftigen Singlebands, die es hierzulande zurzeit gibt. Die Alben geben als Ganzes viel her, und die einzelnen Singles räumen zusätzlich verlässlicher ab als Bayern München. Dabei vermeidet die Band jegliche Uli-Hoeneß-Arroganz und bedient mit den Single
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Wir Sind Helden sind eine der wenigen albumbandhaftigen Singlebands, die es hierzulande zurzeit gibt. Die Alben geben als Ganzes viel her, und die einzelnen Singles räumen zusätzlich verlässlicher ab als Bayern München. Dabei vermeidet die Band jegliche Uli-Hoeneß-Arroganz und bedient mit den Singles keineswegs nur beflissen das eigene Schema F, sondern hängt sich reizend rein, jedes Mal was Schönes, was Besonderes zu schaffen. Bitte, was kann man eigentlich noch Besseres über eine Popgruppe schreiben?
Nicht viel, also darf einfach mal erzählt werden, was auf Platte Nummer drei so abgeht: natürlich erst mal die erste Single. Und die steht bei den vier Hamburger/BerlinerInnen ja bereits in einer sehr nachhaltigen Chronologie. Mit dem schmissigen 80s-Lookalike „Guten Tag“ vom Debüt ging es seinerzeit los, dann konterte man die Erwartungshaltung auf die zweite Platte mit der swingigen First-Single „Gekommen um zu bleiben“, die ganz auffällig das gern mit der Band assoziierte sozialkritische Moment außen vor ließ. Issues und Pop, beides wollte man sich nicht nehmen lassen, fühlte sich aber auch zu nichts verpflichtet. Und „Endlich ein Grund zur Panik“, die aktuelle Single, unterstreicht das wieder. Sie verbindet musikalisch die genannten Songs. Findet sich doch sowohl die Synthie-Pop-Hektik allgemein als auch die Swing’n’Ska-Klimax hinter den Refrains wieder. Dazu ein hochformalistisches Video, das neben Godzilla-Filmen auch Tocotronics „Freiburg 2.0“, Tim Burtons „Mars Attacks“ und die Power Rangers als Apropos besitzt. Alles bunt, alles liebevoll aufgefahren, kein Gedanke daran, wenn man es nicht besser wüsste, dass neben der dritten Platte auch ein echtes Baby erfolgreich veröffentlicht wurde und dass aufgrund schlechter Zeiten an der dritten Platte vom Megaseller Wir Sind Helden mittlerweile ein Großteil der finanziellen Jahresplanungssicherheit des Labels angedockt ist. Tja, Singlebands helfen kurzfristig und effektiv, wo sie können.

Aber Wir Sind Helden sind ja eben zudem noch Album-Band und haben auf Strecke natürlich wieder viel mehr zu bieten als Bubblegum-Pop. Es gibt diese tolle Ballade über den Nerd und wie er die Welt regieren könnte, „The Geek (Shall Inherit)“, und Ergreifendes über latente Hoffnungslosigkeit und all die schlechten Chancen im Song „Kaputt“. Überhaupt steckt da abgesehen von der Party wieder so viel Trostreiches drin, dass man oft nur noch schnurren kann, weil man so gestreichelt wird von der Platte, miau miau! Ist doch toll, dass das neben dem eiskalten, staatstragenden und kunstlosen Aphorismen-Mist von Juli und Silbermond sogar im Radio laufen kann. Auch gut übrigens: dass Sängerin Judith im Interview das Quote von Thea Dorn aus dem Rolling Stone widerlegt hat. Jene unterstellte Judith nämlich, dass diese bei ihrem Buch „Die neue F-Klasse“ nicht mitgemacht habe, weil Judith sich vor dem vermeintlichen Makel Feminismus fürchte. Von wegen. Bloß das Buch von Dorn war ihr nicht geheuer. Zu Recht. So. War noch was? Nee? Na, super.