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»Sad and shit«

William Fitzsimmons live in Köln

Heult doch: Berufsmelancholiker William Fitzsimmons gibt ein Konzert während der c/o pop im Gloria in Köln und alle so »seufz«.
Geschrieben am
23.08.2015, Köln, Gloria

Es ist der letzte Abend der c/o pop und der Woche, die letzte Station der Fitzsimmons-Europa-Tour und generell das Letzte. Wenn man kein Pärchen oder kichernde Freundinnen oder beides ist, steht man ziemlich allein auf weiter Gloria-Flur. Sonntag, man könnte es ahnen: alle nüchtern, alle bedächtig, alle gemütlich, alle früh ins Bett, für alle morgen Montag. Also: alle »mal runterkommen«. William Fitzsimmons ist einer der wenigen Singer-Songwriter, der es schafft, dass man bei dieser Art Musik nicht an ein Wort wie »schmalzig« denkt und heute beweist er wieder, warum das so ist.

Der bärtige Typ aus Pittsburgh weiß das, er weiß genau was er da tut, er tut es schließlich seit zehn Jahren. »I know, it’s gonna be sad and shit«, ach, Danke, »but that can be fun too, right?« Right. Alle lachen. Generell wird mehr gelacht, als man glauben mag, bei all den Trennungs- und Todesgeschichten, die einem da von der Bühne erzählt werden. Fitzsimmons gibt sein Bestes in Sachen Selbstironie, fast als wäre ihm seine schwermütige Musik ein bisschen peinlich. Ein- oder zweimal zu viel bezeichnet er sich selbst als »idiot« oder »fucking idiot«. Peinlich ist ihm sein »I Want It That Way«-Cover dann aber nicht, Stichwort Auflockerung. Die Leute singen erst ein bisschen verhalten mit, niemand will so richtig zugeben, den Text zu können, aber dann röhren doch noch einige richtig los.
Und Fitzsimmons so: »I am the only person in the world who can make the Backstreet Boys sound fucking depressive.«

Trotz der vielen Selbstzweifel (»That’s not really Rock 'n' Roll«) fühlt er sich sichtlich wohl. »I am exactly where I want to be«, lobt er Ort und Publikum, und geht sehr offenherzig mit seinem Privatleben um. Man kann sich Dank der emotionalen, persönlichen Texte ja bereits einiges denken, anderes erfährt man aber eben nur durch seine Bühnen-Geschichten. Zum Beispiel, dass seine Großmutter eine wunderbare Sängerin war, oder dass Fitzsimmons mit seiner Frau gerade adoptiert hat, »two horrible children«, wie er sagt. Das Publikum lacht, er entgegnet »no, they are really awful«. Diese Kinder haben nämlich sein Sexleben zerstört und sobald er nach Hause kommt, das hat ihm seine Frau versichert, wird ganz sicher nicht kopuliert. Na gut.

Wenigstens wird es während des Konzerts für ihn dann noch intim, als er sich samt seiner Band in die Menge begibt und von dort aus die Zugabe absolviert. Alle rücken zusammen, neigen den Kopf, Pärchenmenschen streicheln sich gegenseitig den Rücken. Gleich geht es nach Hause, ist ja schließlich morgen wieder Montag.  

Wer wissen möchte, was William Fitzsimmons vom Wu-Tang Clan hält und wer zu den Lieblingskünstlern des Songwriters zählt, sollte sich unser 
»You Spin Me Round«-Video ansehen.