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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»I like to talk about sad things«

William Fitzsimmons live in Köln

Ein bestuhlter Saal mit einem 250-Mann Publikum, auf der Bühne ein bärtiger Mann aus Pittsburgh, der von seinen Toilettengewohnheiten erzählt. Mit seinem unbestreitbaren Singer-Songwriter-Talent und kurzen Geschichten aus dem Leben zeigte sich William Fitzsimmons bei seiner Show in Köln durch und durch sympathisch.
Geschrieben am
05.02.2017, Köln, Deutschlandfunk Kammermusiksaal

Ein bisschen underdressed kommt man sich vor, wenn man in den abgeranzten Konzert-Sneakern den Kammermusiksaal betritt. Mit Sekt und Wein stimmen sich die meisten auf das bevorstehende Konzert ein. Der bestuhlte Saal und die Kameras wecken eher den Anschein, als würde hier gleich eine Preisverleihung stattfinden. Das bringt aber auch viel Gutes mit sich: Kein drängendes Getöse und kein Meer aus Smartphones in der Luft, um den besten ach so spontanen Schnappschuss auf Instagram posten zu können. Das Filmen wird den Profis überlassen. 

Nachdem William Fitzsimmons die Bühne betritt und die ersten Töne auf seiner Gitarre zupft, ist das Drumherum sofort vergessen und zeigt: Musik braucht kein großes Trara, um zu wirken. Von schmalzigem Gezwitscher und gefühlstotem Akkordgeschrammel ist Fitzsimmons weit entfernt schafft mit seinen Melodien einen Sound, der einfach aber schön ist. 

Dem melancholischen Gehalt seiner Songs wird durch kurze Hintergrundgeschichten noch mehr Leben eingehaucht. »Hear Your Heart« schrieb er beispielsweise für seine ihm unbekannte Großmutter. Zwischen den Songs gibt er aber auch einige Random-Stories zum besten und teilt ein paar grundlegende Lebensweisheiten mit seinem Publikum: »Glück ist wenn man mit einer leeren Papierrolle auf der Toilette sitzt und plötzlich doch noch eine volle Rolle in der unteren Schublade des Schranks findet«. Das lockert die Stimmung im Saal ein ums andere Mal und verhindert bei so viel traurig anklingenden Songs den Fall in ein emotionales Tief. Bei so einem fliegenden Wechsel zwischen Melancholie und Humor vergehen die knapp 80 Minuten fast wie im Flug. Da kann man nur hoffen, dass sich der Singer-Songwriter bald wieder blicken lässt. Diesmal vielleicht auch in einem Pub? 

William Fitzsimmons

Charleroi: Pittsburgh, Vol. 2 - EP

Release: 01.04.2016

℗ 2016 Grönland Records