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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Regard The End

Willard Grant Conspiracy

Wenn eine feste, tiefe Männerstimme einen Song ganz pathetisch mit der Zeile “Mary was a maiden when the birds began to sing” beginnt, ist Vorsicht angesagt. Nachdem Nick Cave selbst zu einem Klischee seiner selbst geworden ist, macht es sich bei einer weniger bekannten Band nicht besonders gut, sic
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Wenn eine feste, tiefe Männerstimme einen Song ganz pathetisch mit der Zeile “Mary was a maiden when the birds began to sing” beginnt, ist Vorsicht angesagt. Nachdem Nick Cave selbst zu einem Klischee seiner selbst geworden ist, macht es sich bei einer weniger bekannten Band nicht besonders gut, sich in ebendieses Fahrwasser einzureihen. Doch der epigonale Auftakter weicht zum Glück einer Musik, die von der Vielzahl der daran beteiligten Charaktere lebt, getragen von Robert Fishers murmelndem Erzählonkel-Ton, der bestenfalls an Leonard Cohen und Tindersticks, schlimmstenfalls an Roger Whittaker erinnert. Man muss diese Gothic-Balladen um Männer, die ständig Frauen begehren und ihresgleichen töten, schon mögen, um der getragenen Stimmung zwischen Beichtstuhl und Gottesacker jene Schwere abzunehmen, die sich mit unheilvollem Grollen durch alle Nummern zieht. Man muss also selbst dort noch, wo die Willard Grant Conspiracy vom Nick-Cave-Muster abweicht, jene zutiefst ländlich bibelfeste Grundhaltung mögen, vor deren Hintergrund auch Cave seine strikt auf Gut und Böse aufgebaute Weltsicht entwickelt. Die Stärke von “Regard The End” liegt also eher in den Arrangements. Von elf Musikern, darunter auch Chris Eckman (Walkabouts), und zahlreichen Gästen wie Kristin Hersh aufgenommen, gibt es zwischen aller Schwermut so manchen Raum für verspielte Momente, zahlreiche Adaptionen irischer Folklore und nicht zuletzt Dennis Cronins wunderbare, gedämpfte Trompete. Dies sind die kleinen, netten Momente, in denen sich versöhnlich ein wenig irdische Gelassenheit unterm alttestamentarisch geschwärzten Himmel ihren Platz verschafft.