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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Blood Brothers & Liars live

When the hurlyburly\'s done

17.05.04, Köln, Gebäude 9 Ein großer Haufen Müll, das sind die Blood Brothers. Während die Instrumentalisten verschiedenste Versatzstücke unterschiedlichen Verfallsgrades herbeizerren und aufeinander schichten, tanzen Johnny und Jorden wie zwei tollwütige Ratten darauf herum und kreischen und win
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17.05.04, Köln, Gebäude 9

Ein großer Haufen Müll, das sind die Blood Brothers. Während die Instrumentalisten verschiedenste Versatzstücke unterschiedlichen Verfallsgrades herbeizerren und aufeinander schichten, tanzen Johnny und Jorden wie zwei tollwütige Ratten darauf herum und kreischen und winden sich, formen das ganze Gebilde zu einem theatralischen Punk-Klumpen. Ein herrliches Bad im wohl sortierten Krach, das findet ein bis in hinterste Reihen waches und artig Respekt spendendes Publikum. Bei vielen paart sich Verehrung mit blankem Erstaunen, denn allem Happening zum Trotz wissen die Brüder aus Seattle stets, was sie da treiben. Und die wohl studierte Haltung - sehr britisch, erstaunlich britisch.

Nach der Umbaupause hebt sich der imaginäre Vorhang erneut und aus dem Bühnen-Off stakst einen Vogelscheuchen-Gestalt mit pelzigen Händen, weißer Kleidung und karierter Kapuze. Das Gesicht liegt hinter einem Vorhang aus Haaren. Hinterm Schlagzeug nimmt eine Art Julius Cäsar in goldener Gala-Toga Platz und zupft leicht nervös den Oberlippenbart. Ein Sommernachtstraum? Falls ja, hätte bei dieser Schulaufführung jetzt der Klassensprecher die Gitarre ergriffen. Frisch gewaschene Frisur, gebügeltes hellblaues Hemd. Die Liars sind komplett, das Spiel möge beginnen. Die Akteure lassen den Effektweg glühen und hüllen sich immer wieder in einen Dunst aus Feedback-Schleifen, während der lange Kerl dazu singt und tanzt, schließlich die Kapuze von sich schleudert und optisch von Chewbacca auf ungewaschenen Nick Cave wechselt.

Unverständlich, warum sich die Reihen eher lichten. Das Trio fährt gerade zur Höchstform auf. Auch wenn die Sluts Of Trust erzählen, sie hätten sich auf `ner Theaterschule kennen gelernt, müssen sie die Live-Darbietung der Liars dahingehend erstmal toppen. Wie ein Querfeldeinritt auf dem Psycho-Acker wirkt das Set und erklärt endlich mal die Platten dieser Band. Der Klassensprecher ist dabei übrigens der wüsteste. Als die Band die Pause vor der Zugabe dazu nutzen möchte, mit dem Publikum in Kontakt zu treten, übernimmt er die Moderation, erkundigt sich direkt von der Bühne aus in der ersten Reihe: "What's your name?" "Matthias" "Ok, Matthias, how much money do you got in your pocket?" "Er, not much, really." "You see, we've already got something in common. What is your sign?" "Er, Waterman?!" Nicht nur ein Lied kann eine Brücke sein. Tolles Package, grandiose Aufführung.