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Wie wär’s mit Westbeat?

Westbam

Warm wird Maximilian Lenz, besser bekannt als Westbam, seine Gemüsepizza, die jetzt gerade dampfend vor ihm auf den Tisch gestellt wird, wohl nicht zu sich nehmen. Er tut zwar alles, was an Kau-, Schmatz- und Schluckaktionen nötig ist, um sich das Ding einzuverleiben, aber es muss doch noch so viel
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Warm wird Maximilian Lenz, besser bekannt als Westbam, seine Gemüsepizza, die jetzt gerade dampfend vor ihm auf den Tisch gestellt wird, wohl nicht zu sich nehmen. Er tut zwar alles, was an Kau-, Schmatz- und Schluckaktionen nötig ist, um sich das Ding einzuverleiben, aber es muss doch noch so viel gesagt werden: zum neuen Album, zu Kunst generell, zum persönlichen Dagegen-Sein, zu surrealistischem Oszillieren ... Es geht auf halb vier zu, aber so was wie Mittagspause ist nicht drin, wenn eine lebende Rave-Maschine wie Westbam ihren Promomodus hochgefahren hat. Dieser Modus ist auf sympathische Weise fahrig, locker und v. a. durch einen assoziierenden Redeschwall mit nur wenigen Unterbrechungen gekennzeichnet. Da muss sich die Pizza eben mal kurz gedulden.

Nach Oldschool-, Nena- und "Grand Prix"-Abenteuern steuert Westbam 2005 wieder offensiver den Dancefloor an, Seitenblicke auf End-80er, Anfang-90er und die Rockmusik, die es irgendwie immer schon gab, sind dabei durchaus gestattet. Mit nur einem der griffigen Schlagworte, für deren Schöpfung Westbam ja bekannt ist - siehe Technolectro, Electro-Pogo etc. -, ist dieser Entwurf zunächst nicht zu packen, denn Vielfältigkeit regiert oder, im Sinne des Künstlers ausgedrückt: das Anti-Konzept-Konzept. Straightness in den einzelnen Tracks ja, aber nicht im selben Maße auch Stringenz über die gesamte Albumlänge. Westbam ist das natürlich bewusst, schließlich hatte sein Masterplan das diesmal so vorgesehen. "Das Konzept des neuen Albums - jedes Album ist ja ein Konzeptalbum - war eben, nicht so konzeptionell heranzugehen, sondern von der Stärke der einzelnen Aufnahmen auszugehen. Es soll letztendlich facettenreicher sein und mehr aus der Qualität der einzelnen Tracks Sinn machen. Also weniger der große Entwurf, sondern einzelne Entwürfe mit einer Logik, die sich von selbst ergibt, ohne dass ich mich groß konzeptionell als Ganzes durchgestylt hätte. Also weniger streng."

Trotzdem vermisst Westbam noch die finale Veredelung durch eine passende Etikette, die das Album komplett machen würde: "Die Leute sagen ja immer: 'Ich will in keine Schublade gesteckt werden.' Ich möchte sofort in eine Schublade gesteckt werden, aber bitte in meine eigene! Damit mich die Leute auch finden können, weil sie wissen: Da ist er ja, in seiner Schublade." Endlich Zeit, wieder ein Stück Pizza einzuschieben und den Interviewer mal grübeln zu lassen. In diesem Sinne also ein kleiner, vielleicht ein wenig tautologischer Vorschlag: Wie wär's mit "Westbeat"?