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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Vom Ritchie

Wer zum Teufel ist eigentlich ...

Auf dem Weg durch seinen grünen und beschaulichen Düsseldorfer Stadtteil muss Vom Ritchie alle paar Meter anhalten: Anwohner grüßen, ja, preisen ihn. Beliebt ist der englische Exilant augenscheinlich punkübergreifend. Vom Ritchie – längst nicht nur Drummer der Toten Hosen. Er ist auch Labelboss, Heimbarbetreiber, Feierbiest und ... ein guter Nachbar.
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Die beiden ersten Fragen eines Interviews mit Vom Ritchie liegen auf der Hand. Die erste lautet: Seit wie vielen Jahren lebst du jetzt in Deutschland? Die zweite: Wieso um Himmels willen müssen wir das Gespräch dann auf Englisch führen? Antwort eins: »20«, Antwort zwei: »Because I’m a lazy British bastard!«


Dieser entwaffnenden Aussage will man gern glauben, auch wenn der kleine schmale Punk alles andere als faul wirkt. Neben seinem Engagement bei den Toten Hosen betreibt er mit seiner Frau das Label Drumming Monkey Records, unterhält diverse Bandprojekte wie die Spittin’ Vicars und die Corner Boys, hilft an den Drums Gott und der Welt aus, hatte 1986 mit Doctor & The Medics’ »Spirit In The Sky« einen Nummer-eins-Hit, erzieht einen vierzehnjährigen Sohn mit Profigitarristen-Ambitionen (spielt bei Meg ‘n’ Jez) und füllt umherschweifende Haschrebellen genauso wie durchs Rheinland tourende Bands in seiner berüchtigten Kellerbar ab. Uff, längster Satz der Ausgabe. Danke fürs Dranbleiben.

Zum Glück geht es bei Intro nicht nur um Fakten, sondern vor allem um Emotionen. Also, Reinhold-Beckmann-Blick auflegen, sich vorbeugen und fragen: »Vom, wenn man in so eine lang laufende Maschine wie Die Toten Hosen einsteigt, ist es tatsächlich so, dass man auch nach anderthalb Jahrzehnten für viele immer noch ›der Neue‹ bleibt? Wie es Jason Newstedt seine Zeit bei Metallica einst verleidet hat?« Klar, das kenne er, dass bei der Backstageparty immer mal wieder einer kommt, der meint: »Vor deiner Zeit waren die aber besser!« Vom winkt ab. »Die Band hat sich tatsächlich musikalisch Ende der Neunziger verändert, das hatte aber gar nicht so viel mit mir zu tun«, führt er aus. »Wenn das wem nicht passt, so what! Und für die allermeisten fühlte sich der Wechsel sehr natürlich an. Ich war der Roadie von Wölli [Voms Vorgänger], hing also eh immer mit der Band rum und musste, wenn es mit dessen Arm nicht mehr ging, ohnehin schon öfters einspringen, bevor er aus gesundheitlichen Gründen endgültig ausscheiden musste. Ich kann nur sagen: Die Akzeptanz bei Band und Fans könnte nicht größer sein.«

Vom Ritchie wirkt bei seinen Erzählungen tatsächlich so agil und witzig, wie man ihn sich vorstellt. So kennt man ihn von Tour-Dokus, in denen er sich Frösche in den Mund steckt (»Vom, isst du etwa die Kröte?« – »Nein, ich sauge nur dran!«) oder nackt und singend durch die Bandgarderobe rennt (»Ach, das hatte ich nur gemacht, damit das Footage nicht langweilig wirkt, eigentlich war da nicht mal eine Aftershow-Party«).



Geselligkeit in Kombination mit Bescheidenheit zeichnen den niedlichen Zuwanderer, der seine Frau fragen muss, ob er mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, mindestens genauso aus wie die goldenen Händchen fürs krachige Punkrockgetrommel. So jemanden sieht man eben gern in der Nachbarschaft oder auf der Bühne. Ein Toast auf Stars mit Kumpel-Attitüde.