×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Muso

Wer zum Teufel ist eigentlich ...

Die Biografie des Schwarzwälders Muso kann mit der amerikanischer Straßen-Rapper mithalten: Zwar wächst er als Sohn eines Malers und einer Reinigungskraft in Waldshut-Tiengen nahe der Schweizer Grenze auf – nicht in South Compton –, aber in dieser Idylle fliegt er mehrfach von der Schule, sucht Ablenkung durch Drogen und findet letztlich Rettung in der Musik.
Geschrieben am

»Wenn du aus einer sozial schwachen Familie in einem Dorf kommst, gibt es eigentlich keine Alternative zur Hauptschule«, sagt Muso, der mit bürgerlichem Namen Daniel Giovanni Musumeci heißt, gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Nach der wenig friedlichen Trennung seiner Eltern und einer von Schulwechseln und Drogen bestimmten Jugend schien deswegen auch das Leben als »Troubled Kid« vorprogrammiert. Dass es anders kam und Muso nun mit Mitte zwanzig von der üblichen Zuhälter- und Dealer-Poesie weit entfernt ist, verdankt er neben guten Freunden, die ihn auffingen, wenn es finanziell mal wieder schlecht aussah, vor allem seiner Wahlheimat Heidelberg. Freundschaften ins Umfeld des ortsansässigen Kulturzentrums Karlstorbahnhof vermittelten Kontakte zum Musiker Konstantin Gropper (Get Well Soon) und dem Sizarr-Produzenten Markus »Pink« Ganter. Schnell fand man sich als begeisterte Partner zusammen im Studio wieder und verpasste Musos Texten den passenden musikalischen Rahmen aus Bass- und Synthie-Opulenz.

Als Referenzpunkte seiner EP »Malibu Beach« und des Albums »Stracciatella Now« gibt Muso, in seiner Jugend glühender Eminem-Fan, neben Odd Future auch Underworld an. Anfeindungen aus der HipHop-Szene werden daher als notwendige Begleiterscheinung eines Musikverständnisses akzeptiert, bei dem Rap nur den Startpunkt einer langen Reise auf verschlungenen Wegen darstellt. »Ich denke, man würde es schnell raushören, wenn ich versuchen würde, es anderen recht zu machen und ganz bewusst einen Hit zu schreiben«, führt Musumeci aus. Angst, seine Zuhörer mit den musikalischen Ambitionen oder seinen komplexen, mitunter kryptischen Texten zu überfordern, kennt er nicht. »James Blake hat einmal gesagt, dass man sich seinen Hörer als den klügsten Menschen der Welt vorstellen sollte. Es gibt so viele kluge und kreative Köpfe in diesem Land, die sollte man nicht unterschätzen.«

Viele der Texte des neuen Albums entstanden in jenen frühen Morgenstunden, in denen der Schlaf nicht kommen will. Es sind zu Papier gebrachte Afterhour-Gedanken, Zeilen, die mit scharfem Blick Diskussionsrunden eröffnen und so mögliche Auswege aus einer vom Künstler nicht selten als bedrohlich empfundenen Realität skizzieren. Ein Gefühl von unterschwelliger Beklemmung und dem Ausschauhalten nach Fallgruben zieht sich durch das gesamte Album. »Ich leide manchmal unter Angstzuständen«, kommentiert Muso die dunklen Aspekte seiner Musik. »Der nächste Morgen scheint Lichtjahre entfernt, wenn die Welt da draußen schläft und ich denke, dass ich eine Abfahrt zu früh rausgefahren bin und es jetzt zu spät ist, um mich wieder einzureihen. Dann kommt es zum Stau in meinem Kopf. Bis ich am nächsten Mittag aufwache und mir das alles so lächerlich erscheint. Aber jede Nacht ist Apokalypse.«