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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Aaron Dessner

Wer ist eigentlich ...

Aaron Dessner gilt als die treibende musikalische Kraft hinter The National. Seine Songwriter-Skills bilden die Arbeitsgrundlage für den charismatischen Texter und Sänger Matt Berninger.
Geschrieben am

Die Wahrnehmung einer Band beginnt zumeist bei ihrem Sänger. Um die Genese der Musik zu verstehen, muss man aber tiefer blicken. Das ist bei The National nicht anders, wo zunächst alle über Matt Berninger reden, den Mann der brummend vorgetragenen nihilistischen Gedanken, die er auch auf dem neuen Album »Trouble Will Find Me« wieder poetisch ausbreitet. So singt er beispielsweise im Song »Don’t Swallow The Cap«: »I have only two emotions, careful fear and dead devotion.« Ein klassischer Berninger könnte man sagen. Wo aber wäre er ohne die Gebrüder Scott und Bryan Devendorf sowie die Zwillinge Bryce und Aaron Dessner?

Vor allem Aaron Dessner, der mit seinem Bruder Scott seit Kindertagen gemeinsam musiziert, ist essenziell für den melancholischen Folk der Band. Den Anfang nehmen alle The-National-Songs in seinem Haus in Brooklyn, genauer im Hinterhof, wo er sich ein Studio gebaut hat. Hier, in Laufweite zu seinem Bruder, begann der just Vater gewordene Aaron bereits vor Sonnenaufgang an den Kompositionen für das neue Album der Band zu arbeiten: »Ich war wegen unserer Kleinen ständig auf den Beinen, konnte kaum schlafen. Ich bin dann immer ins Studio geschlurft, um an Songideen zu arbeiten. Die habe ich anschließend mit Scott ein wenig ausgearbeitet und Matt geschickt.« Das ist seit jeher die bevorzugte Arbeitsweise der Band: »Matt ist kein ausgebildeter Musiker, sein Zugang ist eher von Leidenschaft geprägt. Er ist echter Fan, hört ständig Musik. Er schickt mir Lieder, die ihn inspirieren, und ich lasse sie in meine Ideen einfließen. Diesmal war viel von Dylan, Bowie und Roy Orbison dabei. Mit dem Texten kann er erst anfangen, wenn ihm etwas gefällt. Wir haben da mit den Jahren ein gutes Gefühl füreinander entwickelt.«

Auch außerhalb des Bandkosmos’ ist Aaron Dessner umtriebig: So produzierte er das letzte Album der wundervollen Sharon van Etten (»Tramp«) und die aktuelle Veröffentlichung der Local Natives (»Hummingbird«). Außerdem verdanken wir ihm und seinem Bruder Scott den Aids-Benefizsampler »Dark Was The Night«, auf dem er zum Beispiel gemeinsam mit Justin Vernon den Song »Big Red Machine« beisteuerte. Außerdem vertreten auf der Doppel-CD: Feist mit Ben Gibbard, Yeasayer, Spoon, Beirut, Arcade Fire. Und dann gibt es da noch das Independent-Label Brassland, das Scott mit Aaron und Alec Hanley Bemis im Jahr 2001 gegründet hat. Eines der ersten Releases war das Debüt von The National, deren Backkatalog auch heute noch eine verlässliche Einnahmequelle ist. Andere Künstler wie der Songwriter Doveman, die neueren Signings Buke And Gass und This Is A Kit sind zumindest keine Verlustgeschäfte. »Wir wollten anfangs eigentlich gar nicht so viele Künstler unter Vertrag nehmen«, berichtet Aaron aus dem Labelalltag, »aber dann haben wir gemerkt, dass es funktioniert, obwohl wir nur die Musik herausbringen, die uns gefällt. Wir hätten nie gedacht, dass das ein Geschäftsmodell ist – aber andererseits hätte ich auch nie gedacht, dass The National mal im Radio gespielt werden und den Hollywood Bowl in L.A. ausverkaufen.«