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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Weltruhm und Burn-out

Beirut

Unser Autor Jens Friebe sprach Zach Condon über sein neues Album »The Rip Tide«.
Geschrieben am

In seiner Heimat Santa Fe war Zach Condon – weder Hispanic noch Punk – stets Außenseiter. Mit 16 schmiss er die Schule, reiste nach Frankreich und fand dort ironischerweise Balkan-Blasmusik. Zurück in Amerika gründete er das Projekt Beirut. Es folgten Weltruhm und Burn-out. Von Letzterem gut kuriert, sprach Condon mit Jens Friebe unter anderem über sein neues Album »The Rip Tide«.

Zach, 2008 brachst du aus Erschöpfung deine Tour ab. Wenn du jetzt wieder unterwegs bist, hast du da einen Regelkatalog, der verhindert, dass sich das wiederholt?
Es gibt nur zwei Regeln: 1. Nie mehr als zweieinhalb Wochen am Stück Shows spielen. Und 2. Mindestens einen Off-Day innerhalb dieser zweieinhalb Wochen. Wenn ich mich daran halte, gibt es kein Problem.


Seit dem Beginn deiner Karriere wirst du als lebender Beweis für die Möglichkeit einer unpeinlichen Verbindung von Welt- und Popmusik gefeiert. Auf deinem neuen Album hat man aber das Gefühl, dir reicht's jetzt auch mal. Interfolkloristische Klangfarben sind stark zugunsten von gutem, altem angelsächsischen Crooner-Pop verblasst.

Weißt du, als ich anfing, haben sich die New Yorker noch kaputtgelacht über meine Sachen. Die hörten aus dem Balkan-Einschlag den Gag raus, hielten das für ein ironisches Novelty-Element. Damit kam ich einigermaßen klar. Später drehte sich das dann total um, und ich wurde wider Willen immer mehr zu einer Art Kultur-Attaché. Jetzt hatte ich das Gefühl, ich muss aus dieser Ethnofalle raus, auch auf die Gefahr hin, nur noch ein normaler Songwriter zu sein.

Dein Songwriting ist aber nichtsdestotrotz sehr speziell. Jedes Lied besteht nur aus einer kurzen Akkordfolge, die von Anfang bis Ende wiederholt wird. Variationen entstehen nur durch den Gesang. Hast du von Anfang an so gearbeitet?
Ja. Meine Instrumentierung täuscht darüber hinweg, dass ich früher hauptsächlich IDM-Zeug gehört habe, Aphex Twin und so. Ich komme also eigentlich vom Track, sitze lange am Akkordeon oder an der Mandoline, bis ich einen hypnotischen Loop gefunden habe. Einen, den man sich fünf Minuten anhören kann, ohne gelangweilt oder genervt zu sein.

In den Texten kommen auffällig viele Ortsnamen vor. Verbindest du mit all den seltsamen Städten, über die du singst, etwas, zum Beispiel Berlin oder Goshen?
Goshens gibt es in den USA unzählige, so wie Jerusalems. Und jeweils steckt hinter dem mythischen Namen ein deprimierendes Tankstellenkaff. Diese seltsame Kluft zwischen Name und Ding brachte mich auf den Songtitel. Allgemein bin ich wirklich besessen von Ortsnamen, unabhängig von allen konkreten Assoziationen. Es geht nur um den Zauber des Klangs.

Mittlerweile hast du ein Haus in Brooklyn. Klingt »Brooklyn« für dich nach Zuhause?
Zumindest mehr als alles andere.