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Kanada In Angst

Ween

Eigentlich passiert nicht wirklich viel Neues auf Weens unaufhaltbarem Weg zur Adoleszenz. Der große Quantensprung fand schon vor knapp zehn Jahren statt, als man nach einigen sehr verschrobenen und derb humoristischen Frühwerken mit “Chocolate And Cheese” eine Platte aufnahm, die verschiedenste Sti
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Eigentlich passiert nicht wirklich viel Neues auf Weens unaufhaltbarem Weg zur Adoleszenz. Der große Quantensprung fand schon vor knapp zehn Jahren statt, als man nach einigen sehr verschrobenen und derb humoristischen Frühwerken mit “Chocolate And Cheese” eine Platte aufnahm, die verschiedenste Stilarten originalgetreu wiedergab und das eigene Humorverständnis in etwas subtilere Bahnen lenkte. Für diese Überlegung hat Mickey Melchiondo (alias Gene Ween) aber nicht mehr als ein akustisches Schulterzucken übrig. Ganz andere Dinge sind mittlerweile im Ween’schen Kosmos wichtig, so wurde Mickey gerade Vater eines Sohnes.

Ansonsten residieren sie immer noch in New Hope, hängen noch mit denselben Leuten ab, die auch die Liveband Ween bilden, und machen noch immer weiter mit dem Konzept des kreativen infernalischen Duos. Immerhin hat sich für das neue Album mit Sanctuary ein Label gefunden, dessen bisherige Arbeit Mickey ausdrücklich lobt. Vor allem die Kommunikation sei eine ganz andere als damals, als man den Plattenvertrag mit Elektra abarbeitete und für diese Firma mehr als einmal nur unverhohlen böse Worte übrig hatte. Das neue Album heißt “Quebec”, und als Begründung für die Titelwahl spult Mickey etwas von einem mysteriösen Vibe ab, den der Ort mit der Platte gemein habe: dunkel, unheimlich und psychedelisch. Natürlich glatt gelogen, bietet “Quebec”, die Platte, doch wie fast jedes Album davor ein Potpourri an Stilarten und natürlich auch entsprechenden Stimmungen. Man höre z. B. “Fancy Pants” und versuche das mit der Beschreibung Mickeys in Einklang zu bringen. Für ihre Stilvielfalt hat Mickey indessen eine so einfache wie einleuchtende Erklärung: “Ich würde uns als Songwriting-Duo bezeichnen, unsere verschiedenen Stilarten resultieren nur daraus, dass wir verschiedenste musikalische Vorlieben haben.”

Ween haben immer noch damit zu kämpfen, von vielen Leuten in erster Linie als Comedy-Act begriffen zu werden. Mickey versucht beharrlich, mit dieser Einschätzung aufzuräumen: “Wenn wir ein Comedy-Duo wären, hätte uns schon längst keiner mehr hören wollen. Die Musik ist der wichtigste Aspekt, und hinter dem, was wir da singen, steht oft auch eine gar nicht so lustige Geschichte.” Auf die Frage nach dem traurigsten Ween-Song ever hat Mickey dann auch eine klare Antwort: “Der traurigste Song ist wohl ‘Birthday Boy’ vom ‘God Ween Satan’-Album, ein sehr intensiver Song mit einer Geschichte, die tatsächlich passiert ist: Ein Junge hatte Geburtstag, und statt Glückwünschen findet er auf dem Anrufbeantworter die Trennungserklärung seiner langjährigen Freundin. Er wird daraufhin ziemlich depressiv. Das ist auch einer meiner Lieblingssongs.” “Birthday Boy” ist auch ein heiß begehrtes Kleinod auf den Live-Bootlegs, die bisher von Ween kursierten. Diese Begehrlichkeiten hat die Band nun aufgenommen und mittlerweile zwei offizielle Live-Alben veröffentlicht: “Sie werden nur über unsere Homepage verkauft. Sie laufen aber auch wirklich gut, die erste Auflage von einer der Platten war allein schon durch Vorbestellungen ausverkauft. Wir sollten vielleicht nur noch solche Live-Aufnahmen veröffentlichen.” Trotz einer mittlerweile sehr vorzeigbaren Karriere haben die Ween-Brüder immer noch ein paar geheime Träume, von denen mir Mickey schließlich einen verrät: “Ich würde liebend gern mal mit Curt Kirkwood von den Meat Puppets [jetzt bei Eyes Adrift] zusammenspielen. Ich liebe diese Band schon seit meiner Teenagerzeit. Seitdem ist er mein Lieblingsgitarrist. Ich habe ihn schon mal getroffen, aber nicht geschafft, ihn danach zu fragen.”