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Jetzt schon legendär!

Week-End Fest 2013

Wir verlosen noch mal zwei Tickets für das dritte Week-End Fest am kommenden Wochenende in Köln. Letzte Einladung zu einem außergewöhnlichen Line-Up in einer ganz speziellen Location!
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Aller guten Dinge sollen ja drei sein. Für das Kölner Week-End-Fest gilt Binsenweisheit No. 1 in diesem Jahr gleich doppelt. Zur dritten Ausgabe ihres charmant-visionären Festivals bespielen die Veranstalter Jörg Waschat und Jan Lankisch nun die schon die dritte außergewöhnliche Location in Köln. Die mit den Jahren vergilbte Aura der Mülheimer Stadthalle dürfte eifrigen Konzertgängern leicht fortgeschrittenen Alters immer wieder mal gegenwärtig sein, etwa wenn sie eine Schallplattenbörse in dem rechtsrheinisch gelegenen Sechziger-Jahre-Bau besuchen, wo heutzutage hauptsächlich kleine Messen zwischen Esoterik und Erotik, Modelleisenbahn- und Antiquitätenfetisch, sowie Karnevalssitzungen über die Bühne gehen. Früher, als alles zwar nicht besser aber doch anders war, fanden in der schönen Mehrzweckhalle zwischen der Beton-Oase Wiener Platz und dem schlammigen Ententeich im Mülheimer Stadtpark noch regelmäßig Konzerte statt, deren Eintrittskarten es wert waren, an der Pinnwand des Sammlers zu landen.

Das Week-End Fest hüpft aber nicht nur über den Rhein auf die »Schäl Sick«, es kehrt nach dem Ausflug in die etwas zu kühlen Ehrenfelder Balloni-Hallen zurück zu seinen Wurzeln. Schließlich wurzelt das Week-End Fest in traditionsreichen Kölner Läden, die entweder kurz- oder langfristig eine neue Bestimmung erhalten haben. Da wäre die alte Riphahn-Architektur-Diva Ufa-Palast, in der 2011 das erste Week-End Fest stattfand. Und dazu gehört auch die Klubbar King Georg im Agnesviertel, eine Rotlichtkaschemme seit den Zeiten des »Chicago am Rhein«, von 2008 an unter neuer Flagge segelnd, und 2013 nicht zuletzt auch dank  Jan Lankischs Booking Gewinner des Spielstättenpreises der Initiative Musik. Back to the roots – das könnte zudem das Leitmotiv des musikalischen Programms des Week-End Fests 2013 sein. Zumindest stehen die meisten der Künstler, die am 13. und 14. Dezember in der Mülheimer Stadthalle auftreten werden, nicht am Ende der Tradition von DIY-Ästhetik und Pop mit Würde, sondern gehören zur Gründergeneration einer Geschichte, von der man heute nicht mehr ganz sicher sein kann, ob sie noch ewig fortgesetzt wird. Das dritte Week-End Fest gerät somit auch zum Fluchtpunkt des großen historischen Postpunk-Gemäldes.


Wenn die Originale auf der Bühne stehen, muss man keine Angst haben,  dass einem Abklatsch oder Wischiwaschi vorgesetzt wird. Teilweise sind die Künstler des Week-End Fests 2013 in Werk und Leben so original, dass man nicht mal befürchten muss, ihnen könnten während des Gigs aus Altergründen die Zähne aus dem Mund fallen. So ist Mark E. Smith, seines Zeichens Kopf und Bauch (und Hand und Fuß) der 1976 in Manchester gegründeten Punk-Außenseiter The Fall nicht nur bekannt für seine kompromisslose Ablehnung jeglicher Anbiederung an kommerzielle Verwertungslogik, er ist auch berüchtigt für seine auf dem Zahnfleisch und in breitestem Dialekt gegebenen Interviews. Nun war Mark E. Smith so nett, sich persönlich ein DJ-Set von Andi Thoma zu wünschen. Seine Kooperation mit Mouse On Mars – 2007 musizierte das Trio St. Werner, Thoma, Smith gemeinsam unter dem Namen Von Südenfed - hat er wohl noch in bester Erinnerung.

 

Der Auftritt von The Fall steht als schillernder Schlusspunkt des Freitagabends selbst wiederum im Schatten großer Ereignisse, die ab 20 Uhr in der Mülheimer Stadthalle ihren Lauf nehmen, wenn die US-Hardcore-Ikone Grant Hart aus dem Repertoire von zig Solo-Alben schöpft. Gerade als die virtuosen und den SST-Sound prägenden Hüsker Dü in Auflösung begriffen waren – Grant Hart war deren Drummer und neben Bob Mould zweiter genialer Songwriter -, ging Harts Stern als eigenständiger Performer mit dem Album »Intolerance« auf. Das schrullige Pop-Alien kann man getrost als sein Opus magnum bezeichnen. Leider war Grant Harts Stern in den vergangenen 25 Jahren nur sehr flackerhaft wahrzunehmen, um mal im Bild zu bleiben, etwa im Werk seiner nächsten Band Nova Mob, manchmal schienen ihn gar düstere Wolken für immer zu verdecken, unter seinen Fans hielten sich permanent Gerüchte über weitere Abstürze und noch mehr unveröffentlichte Alben. Zuletzt erschien in diesem Jahr mit »The Argument« ein schöner Beweis dafür, dass Grant Hart noch brennt und immer noch wundervolle Songs zu schreiben vermag. Wem bei Mark E. Smith und Grant Hart allein die Anknüpfungspunkte an die Jetztzeit fehlen, dem kann freitags mit Yuck geholfen werden, die zwischendurch den Rock-Anker auswerfen.

 

Auch das jüngere Publikum dürfte während des Week-End Fests 2013 Aha-Erlebnisse verspüren. Der Erfolg der sanftesten Indie-Riesen der Neuzeit, The xx, wurde bereits oft mit Verweisen auf das walisische Trio Young Marble Giants kommentiert, das zu Beginn der Achtzigerjahre mit dem Album »Colossal Youth« unsterblich wurde. Wobei die minimalistischen Songs der Young Marble  Giants dem The xx-Schmusepop bis heute voraushaben, dass sie nie so cool und abgebrüht waren. Überhaupt ist der Samstag beim Week-End Fest 2013 nicht bloß jetzt schon legendär, sondern lockt mit Erkenntnisgewinn. Vielen Zuschauern dürfte beim abschließenden Auftritt Robert Forsters samt Streicherquartett zwar ein nostalgischer Schauer über den Rücken krabbeln, auch da die traurige Gewissheit im Raum steht, dass ein Go-Betweens-Konzert seit Grant McLennans Tod nicht mehr möglich ist. Daneben aber könnte für alle die Ahnung zu spüren sein, worum es damals ging - 1977, als The Go-Betweens in Brisbane anfingen, und 1981, als The Pastels sich in Glasgow formierten -, und was man heute mit dieser Energie und ihren Ursachen anfangen kann. Ganz nebenbei gibt es das Gerücht, manche Week-End-Besucher hätten ihre Tickets nur deshalb angeschafft, weil The Pastels-Sänger Stephen McRobbie immer noch so eine geile Sau ist. Natürlich auch ein guter Grund.

 

 


Das neue Video von The Pastels zum aktuellen Song »Kicking Leaves«, veröffentlicht am letzten Freitag: