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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war’s: Heimlich zu viel Cola

We Are The City live in Köln

We Are The City geben tatsächlich den verworrenen, rasenden und sich stetig wandelnden Großstädten ein musikalisches Gesicht. Sowohl auf der Bühne als auch musikalisch steht hier selten etwas still.
Geschrieben am
20.01.2016, Köln, Blue Shell

 Irgendwie war es ja klar. Wenn die Alben mit so hyperaktivem Experimental-Pop daherkommen, wird auf der Bühne nicht auf einmal ein Trantüten-Trio auftauchen. Die drei Kanadier waren noch nie um eine verrückte Idee verlegen. 2013 produzierten Sie während der Aufnahmen zum zweiten Album »Violent« einen gleichnamigen Spielfilm, der mittlerweile auf den großen Film-Festivals gezeigt wird. Die Aufnahmen zu ihrem neuen Album »Above Club« fanden, nun ja, über einem Club statt und wurden komplett im Netz gestreamt. Und die Tempowechsel, rhythmischen Feinheiten und verworrenen Songstrukturen erzählen ihr übriges.

Diesen exaltierten Einfallsreichtum übertragen We Are The City nicht unbedingt auf eine besonders ausgefallene Live-Show. Vielmehr wird dem guten alten Rock-Konzept der Bühnenekstase gehuldigt. Drummer Andy Huculiak wirkt wie ein junger Samuel T. Herring (Future Islands) der heimlich zu viel Cola getrunken hat. Gitarrist David Menzel bleibt als Performer eher Joe Strummer nahe. Nur Sänger Cayne McKenzie versucht in dem ganzen Wirrwarr so etwas wie ein ruhiger Unruhepol oder unruhiger Ruhepol zu bleiben. Was nur logisch erscheint, denn in dem ganzen soundtechnischen Kuddelmuddel ist sein teilweise fast folkiger Gesang ein Ankerpunkt. Der musikalische Rest erinnert vor allem bei den Uptempo-Songs immer wieder an die klangliche Verschrobenheit und rhythmische Undurchsichtigkeit von Animal Collective.

Selbst die Bühnenansagen und Kommunikation unter den Bandmitgliedern sind von einer Geschwindigkeit, dass irgendwann auch klar ist, warum die Kanadier scheinbar alles gleichzeitig machen können. Je schneller man denkt, desto schneller kann man auch reden bzw. machen. Und dass dann nach gerade mal 45 Minuten das Konzert unvermittelt und ohne Zugabe endet, fügt sich auch in das Gesamtbild. Irgendwie war es ja klar.