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Schwesterherz

Waxahatchee live in Berlin

Katie Crutchfields singt wunderschön, vor allem ihre neuen Songs sind Hits. Blöd nur, dass man davon im Musik und Frieden in Berlin so wenig hört. Ihre Schuld ist das nicht.
Geschrieben am
Berlin, 28.9. 2017, Musik und Frieden  

Eine herausragende Schlagzeugerin haben sie mitgebracht, die Schwestern Crutchfield. Aber eigentlich sollte es nicht um das Schlagzeug gehen, eigentlich ist der Gesang das, was die Musik von Katie Crutchfield, alias Waxahatchee, ausmacht.

Ihre Zwillingschwester Allison eröffnet den Abend. Ihre Songs sind denen von Waxahatchee ähnlich, während Katies Musik eher aus dem gemütlichen Wohnzimmer zu kommen scheint, ist Allison in der Garage zu Hause. Lo-Fi klingt sie auch auf ihrem Debüt-Soloalbum, aber so Lo-Fi wie hier im Musik und Frieden nun doch nicht. Allisons Mikrofon ist wohl schon auf Background-Gesang eingestellt, man hört sie einfach nicht. Die Simme versumpft immer wieder hinter Schlagzeug, Bass und Gitarre und so mag zwar der Schwung ihrer Songs rüberkommen, die Texte und damit auch ein Tel des Charmes gehen auf dem Weg zwischen Boxen und Ohren jedoch etwas verloren.
Waxahatchee tritt mit fast identischer Band-Besetzung auf die Bühne, es muss also nicht umgebaut werden. Die Musikerinnen lassen uns trotzdem warten, der Grund erklärt sich dann beim Auftritt: Katie Crutchfield erscheint im knallroten Kleid, die eben noch in Jeans und T-Shirt gekleidete Band ist in Anzüge geschlüpft. Ein hübscher Kontrast zur etwas angeschrammelten Venue.  

Mit »Recite Remorse« beginnt Waxahatchee ihr Set und lässt Hoffnung auf einen besseren Sound wachsen. Der Song beginnt ohne Schlagzeug. Bei dessen Einsatz ist klar: Nix ändert sich. Immer dann, wenn alle Instrumente zusammen spielen, ist auch Katie kaum zu hören, Allisons Hintergrundgesang erst recht nicht. Das Schlagzeug frisst sie unermüdlich auf. Ärgerlich ist das, denn ihre Stimmen ergänzen sich normalerweise perfekt. So sehr Singles wie »Never Been Wrong« oder »Silver« verschwimmen, so klar kommen dann aber die ruhigeren Songs zum Tragen, »Sparks Fly« zum Beispiel. Der Text setzt in Berlin an, Katie widmet ihn deshalb auch der Stadt. Schon Allison hat betont, wie sehr sie Berlin mag. Das Lächeln der Schwestern bei den Worten über Berlin tröstet darüber hinweg, dass das ganz schön nach klassischer Floskel klingt. Ansonsten halten sich beide mit Ansagen eher zurück, was vielleicht dem Fakt geschuldet sein mag, dass eine ziemlich lange Tour hinter ihnen liegt.  

Dass die Crutchfield-Schwestern sympathisch sind und dass der Abend entsprechend schön werden würde, war zu erwarten. Nur auf das Scheppern in den Ohren nach der Show hätten wir verzichten können.

Waxahatchee

Out in the Storm

Release: 14.07.2017

℗ 2017 Merge Records