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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Das komplette Interview

Wax Tailor

Der französische HipHop-Magier zu den Gastmusikern auf seinem neuen Album "Hope & Sorrow" und den musikalischen Untergrund in seinem Heimatland
Geschrieben am
Dein erstes Album "Tales of the Forgotten Melodies" zog die Vergleiche direkt an: endlich wieder im Sinne vom alten DJ Shadow und RJD2. Was hältst du von diesen Bezügen?
Ich verstehe die Vergleiche, weil wir in einer musikalischen Familie sind. Ich bin mit RJD2 getourt und wir haben herausgefunden, dass wir tatsächlich viele ähnliche Einflüsse haben. Von daher scheint es mir auch einleuchtend. Aber letztlich fügt jeder Produzent seinen Einflüssen Neues hinzu.
Du hast dich ja - im Vergleich zu den beiden anderen Produzenten - für dieses zweite Album "Hope & Sorrow" weiterentwickelt, ohne dich radikal umzuorientieren.
Es ist keine exakte Fortführung von "Tales of the Forgotten Melodies", es ging mir darum, die musikalische Richtung zu verbreitern. Ich wollte mehr Vocals. Das war eine Herausforderung, weil ich mit den traditionellen Methoden des Songwritings ja nicht so vertraut bin. Also begann ich mit Sampling und dem Entwickeln von Texturen. Manchmal fange ich einen Track mit einem simplen Gimmick an - und von da aus läuft alles von allein. Ich will hier nicht in die Falle tappen, nur names zu droppen. Ich denke, die Hörer haben keine Lust mehr auf diese seelenlosen Marketingtricks. Ich habe die Platte wie einen Film behandelt, wie ein Casting: nachdem ich die Songs produziert hatte, überlegte ich erst, wer nun singen könnte, wie ein Charakter in einer Szene in einem Film.

Dein Sound klingt stark nach Downtempo, vielleicht sogar Triphop. Das sind ja zwei Genres, die über die Jahre an Einfluss verloren haben. Was kannst du diesem Sound noch hinzufügen?
Ich komme ursprünglich vom HipHop, ich denke, das spürt man bei meiner Musik. Ich bin überhaupt kein Freund von dieser Lounge-Szene, das ist oft sehr langweilig. Ich denke, es geht bei mir eher um Soul, Funk, Jazz - nur eben mit den Methoden des Samplings. Ist das komplett neu? Ich würde sagen, es ist eben mein persönlicher Ansatz.
Gibt es in Frankreich, deinem Heimatland, eine Szene, der du dich zugehörig fühlst?
Im Moment wächst eine Szene im Untergrund. Ich toure viel und viele Produzenten kommen zu meinen Shows, geben mir danach ihre Demos. Das interessiert mich sehr, es ist stimulierend.
Du hast ja ein paar beeindruckende Namen auf dem Album, z.B. Ursula Rucker oder Sharon Jones. Wie kam es dazu?
Ich kannte sie nicht persönlich vor den Aufnahmen. Ich wollte eben für "The Way we lived" eine Soulstimme und dachte sofort an Sharon, die dieses 70er Gefühl mitbringt. Für "We be I" begann ich mit dem "Watts Prophets"-Sample und dachte, dafür könnte ich einfach nur Ursula nehmen. Ich schickte ihr also den Song und sie reagierte sofort. Ich bin sehr stolz auf den Song, denn Ursula ist eine tolle Künstlerin und eine fantastische Frau, sie war sehr engagiert. Wir diskutierten viel über den Track, jetzt liebe ich das Resultat.
Vor ein paar Jahren war französischer HipHop ja eine große Nummer, auch in Deutschland. Jetzt bestimmen eher Ed Banger die Wahrnehmung von außen auf Frankreich. Wie siehst du das?

Es hat sich viel geändert. Vor zehn Jahren gab es eine HipHop-Szene, jetzt haben wir eher kleine Szenen mit mehr Verbindungen untereinander. Das Problem: es wird viel kommerzieller Rap von den Medien gepusht, die Alternative Rapper haben´s da schwer. Andererseits denke ich, wir haben momentan interessantere Bands als noch vor einigen Jahren. Es gibt Electro-Einflüsse, Live-Bands, die Turntablist-Szene ist vielleicht die beste der Welt. Ich denke wirklich, es passiert viel im Moment in Frankreich. Momentan bin ich auf Tour, jeden Tag ausverkauft. Das hätte man vor zwei Jahren noch nicht glauben können. Wir haben 25000 Platten verkauft mit "Tales of the Forgotten Melodies" in Frankreich, das neue Album war in der ersten Woche zweiter - hinter Timbaland!