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Ganz ohne Kiffen

Washed Out im Gespräch

Unter dem Begriff »Summer of Chillwave« verbirgt sich das Jahr 2009, das Künstler wie Toro Y Moi, Neon Indians oder Washed Out ganz nach oben spülte. Gerade Letzterer stand mit seinem verwaschenen Indie-Dance-Sound für ein neues Lebensgefühl. In Berlin stellte Ernest Greene nun sein audiovisuelles neues Album »Mister Mellow« vor. 
Geschrieben am
Animationen preschen so schnell über den Screen, dass die Augen kaum nachkommen. Von wegen »Mister Mellow« – weich, freundlich, lieblich, benebelt also im klassischen Wortsinn –, »mellow« ist hier wenig. Das audiovisuelle Album ist der neueste Output von Ernest Greene a.k.a. Washed Out. Es ist ein einziger Trip, der nur 28 Minuten währt, aber vier Jahre Entwicklungszeit brauchte. »18 Monate saß ich allein an der Musik und weitere acht Monate an der visuellen Seite«, erzählt der 34-jährige Südstaatler, dessen Akzent unüberhörbar, aber sehr angenehm ist. In das europäische Redneck-Bild passt er jedoch keineswegs. Weder fliegen die Coors-Dosen (eine sehr bekannte Leichtbier-Marke) durch die Wohnung, noch werden andere Substanzen konsumiert. Vielmehr herrscht gekonnte Langeweile im Hause Greene – mit Frau, die auf der letzten Tour auch in seiner Band spielte, und mittlerweile einem Kind. »Lustigerweise denken viele Leute, dass ich den ganzen Tag kiffe und dabei Musik mache. Das ist aber recht weit von der Realität entfernt.«

Er sieht Washed Out eher als »9 to 5«-Job. Und trotzdem hat dieses Projekt so lange gedauert? »Ich versuchte, eine kohärente Ausdrucksweise zu finden, und fragte mich lange, wofür Washed Out auf einem weiteren Album stehen müsste.« Die Antwort lag die ganze Zeit vor ihm – in Form von Demos und Fingerübungen, die er in Produktionspausen zum Spaß aufgenommen hatte. Was auch erklärt, warum »Mister Mellow« viel skizzenhafter geworden ist. Hier trifft Dance-Musik auf HipHop, ohne eines der beiden Genres sein zu wollen. Die Platte ist viel groovier als ihre Vorgänger, das Sampling viel direkter. Deshalb landete Washed Out auch als Chillwave-Künstler auf Stones Throw – dem HipHop-Gralshüter-Label aus L.A. schlechthin. Und das hat Ernest Greene ganz ohne Kiffen geschafft.

Washed Out

Mister Mellow

Release: 30.06.2017

℗ 2017 Stones Throw Records