×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sven Regener

Was macht eigentlich ...

Die Frage in der Überschrift lässt sich leicht beantworten: eine weitere Geschichte rund um Sven Regeners ersten Helden »Herr Lehmann«. Dessen Kumpel Karl Schmidt geht in Regeners neuem Roman für das Techno-Label Bummbumm Records auf »Magical Mystery«-Tour. Amüsant und schlau erzählt, wie immer. Aber warum plötzlich Techno, Herr Regener?
Geschrieben am

Das erste Mal hat sich Element-Of-Crime-Sänger und -Songwriter Sven Regener Ende der 80er-Jahre an einem Roman versucht. »Der war aber nicht gut«, erklärt er ganz entspannt beim Interview in Berlin. Deshalb bekam ihn auch niemand zu lesen. Zehn Jahre später startete er einen neuen Versuch und landete einen Bestseller. »Herr Lehmann« kauften bis heute mehr als 1,5 Millionen Menschen, Leander Haußmann verfilmte die Kneipentour mit Christian Ulmen als Frank Lehmann. Regeners literarische Prequels »Neue Vahr Süd« und »Der kleine Bruder« verkauften sich ebenfalls blendend. Sein neues Buch »Magical Mystery« würde man im TV-Serien-Kontext ein Spin-off dieser Trilogie nennen, Hauptfigur ist Herr Lehmanns bester Freund Karl Schmidt. Die Handlung ist etwa fünf Jahre nach dem Mauerfall angesiedelt. Schmidt lebt in einer Hamburger WG für Ex-Süchtige, als ihn ein Anruf aus der Vergangenheit erreicht. Für seine Berliner Kumpels vom Electro-Label Bummbumm Records soll er Tourbus fahren. Die vermeintliche Schnapsidee: einfach mal mit Techno-DJs auf Tour gehen und sehen, was passiert. Angelehnt an den Trip der Beatles und den daraus resultierenden Fernsehfilm. Niemand im Bus hat »Magical Mystery Tour« mit den Beatles gesehen, Sven Regener auch nicht, aber das nehmen sowohl die Romanfiguren als auch ihr Autor erst mal als gutes Zeichen. Von wegen Mystery.

Bücher und Songs zu schreiben, sagt Regener, sei gar nicht mal so verwandt, wie man sich denken könnte. »Außer, dass sie denselben Autor haben. Das bin ich. Aber da habe ich nie einen Zusammenhang gesehen und wollte die beiden Welten auch nie füreinander in Geiselhaft nehmen. Ich find es ganz gut, dass man das trennt.« Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die ihre Romane im Musikgeschäft ansiedeln, wirkt »Magical Mystery« eher erlebt als recherchiert. Kein Wunder. Regener kam Mitte der Neunziger selbst mit der deutschen Techno-Szene in Kontakt, als ihn seine Frau, die Ladomat-Gründerin Charlotte Goltermann, mit aufs Sonar und auf die Mayday schleppte. Dem Sänger gefiel die Musik wegen ihrer Offenheit und Experimentierfreude, bereits kurze Zeit später spielte er Gasttrompete bei Whirlpool Productions. »Bummbumm-Musik« gehört für ihn seitdem dazu: »Man geht ja auch mal in die Philharmonie und guckt sich die Philharmoniker an, was die da runterfiedeln. Das ist doch auch toll.«


Die unterhaltsamen Dialoge und die seitenlangen schlauen Sätze von »Herr Lehmann« bestimmen auch das neue Buch. Exakte Beschreibungen brauchen eben Raum zum Atmen: »Generalisieren ist mein Ding nicht, ich kann immer nur konkret. Das ist für einen Romanautor aber okay. Und für einen Songwriter auch.« Eigentlich wäre der Mann inzwischen genau der Richtige, all den angehenden Romanautoren aus dem Medienbusiness mit ein paar Kreativtipps auf die Sprünge zu helfen. Nur darauf hat er überhaupt keinen Bock. »Ich bin schlecht mit Ratschlägen«, sagt Regener. »Ich traue mich schon lange nicht mehr, den Leuten gute Ratschläge zu geben. Wer weiß, was man damit anrichtet.«

 

Sven Regener »Magical Mystery« (Galiani Berlin, 420 S., € 19,90)