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Warum es Sünde ist, mit Kylie Minogue zu schlafen

Die Wahrheit

Barack Obama sieht so nobel aus wie Borussia Mönchengladbach. Endlich wird das gewürdigt. Von Boris Fust
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Barack Obama sieht so nobel aus wie Borussia Mönchengladbach. Endlich wird das gewürdigt. Von Boris Fust.

Krefeld. Barack Obama ist zum "Krawattenmann des Jahres 2009" gewählt worden. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, der stets korrekt, aber leger gekleidete US-Präsident kämpfe wie kein anderer zuvor wider den tierischen Ernst, wie er den Alltag im Irak und Afghanistan präge. Medienberichten zufolge kommentierte Obama die hohe Ehrung gewohnt leger, aber korrekt mit "Gee!".

Obama ist nach Alwin Schockemöhle, Borussia Mönchengladbach und Regierungs-Newcomer Guido Westerwelle der 33. Preisträger. Unterdessen wurden kritische Stimmen laut, die bemängelten, Berichte über eine Auszeichnung kämen verfrüht, da das Jahr noch nicht ganz rum sei.

Zu den beständigen Mahnern und Warner dieser Republik gehört bekanntermaßen auch Harald Martenstein, das Schmunzelmonster von der "ZEIT". Der Autor des Jahrhundertbuchs "Männer sind wie Pfirsiche" mahnte und warnte aus Anlass des diesjährig dahinwelkenden Literaturherbstes vor David Foster Wallaces Schundroman "Infinte Jest", der nach sechsjähriger Bearbeitung nun in einer deutschen Übersetzung ("Unendlicher Spaß") vorliegt. Martenstein hat das Werk an einer beliebigen Stelle aufgeschlagen. Sein Kennerblick verriet sofort: zu viele Adjektive. Außerdem sei beim Lesen eines einzigen Satzes nichts zum Thema Pubertät zu erfahren gewesen. Das aber zeichnet gute Literatur nun einmal aus. Schließlich will man wissen, weswegen der renommierte Kulturkritiker um das Jahr 1968 herum eine tiefere, gewichtigere Stimme und lange Haare bekommen hat.

"Weine nicht, kleine Eva", "Ännchen von Tharau" oder "Die rote Sonne von Barbados" – Adjektive benutzen die Flippers nur, wenn es sie einen echten lyrischen Mehrwert bieten. Schade, dass diese althergebrachte Art der Lieddichtung ab dem 19. März 2011 unwiderruflich der Vergangenheit angehören wird. Denn an diesem Tag – es wird ein Samstag sein – spielt die 1964 in Knittlingen bei Pforzheim gegründete Band das letzte Konzert ihrer Abschiedstournee – ohne Schlips und Kragen, aber gegen den Bierernst des Lebens.

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Barack Obama sieht so nobel aus wie Borussia Mönchengladbach. Endlich wird das gewürdigt. Von Boris Fust.

Worin er eigentlich besteht, dieser Ernst des Lebens, wurde nach Jahrhunderten der Unklarheit nun erstmals erforscht. In der Fachsprache nennt man das Phänomen "Augmented Reality", das sich kinderleicht grafisch veranschaulichen lässt. Was die Fachleute meinen, ist eine Technologie, die es ermöglicht, mit einer Zaubersonnenbrille Auto zu fahren. Das stylische Nasenfahrrad schützt dabei nicht nur vor krebserregenden Strahlen, sondern ermöglicht es auch, dass man zum Beispiel Fußgänger auf einem Zebrastreifen nackt sieht.

Natürlich birgt jede neue Technologie auch Gefahren – etwa dann, wenn sie in die Hand von Sido gerät. Der sympathische Sozialarbeitsrapper wurde nun von einem Gericht schuldig gesprochen, eine gehbehinderte Frau mit Steinen beworfen und gedroht zu haben, sie mit ihren Krücken zu erschlagen. Dabei hatte Sido sich lediglich dieses erweiterte Realitätsvideo in seine Ray-Ban(TM) einspiegeln lassen. Und es steht ja auch schon in der Bibel: Wer unschuldig ist, wirft den ersten Stein.

Niemand weiß das so gut wie Nick Cave. Privat liest der am liebsten die aus der Septuaginta übernommenen Teile des Alten Testaments, die durch ihr reichhaltiges Aufkommen an Adjektiven einen besonderen Reiz auf den urchristlichen Musiker ausüben. Thematisch geht es in den bei Google Books kostenlos downloadbaren "Murder Ballads" in der Hauptsache um Pubertät und ums Ficken, wie es sich nun einmal für einen Monsterbestseller gehört. In diesem heiligen Geiste hat er nun mit "The Death Of Bunny Munro" selbst ein paar Psalme gedichtet, in denen es darum geht, mit Avril Lavigne und Kylie Minogue zu schlafen. So wahr ihm Gott dabei helfe.

Lesen Sie nächste Woche: Weshalb Mutya Buena von den Sugababes sich einen Hintern implantieren lassen will, warum es aufregend ist, wenn Amelle Berrabah ihre Brust auch ohne Implantat im neuen Skandalvideo zeigt – und wieso das der mit einem konservativen Modegeschmack gestraften Madonna-Tochter Lourdes nie passieren könnte.