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Spalter: »Heads Up«

Warpaint

Dürfen Warpaint Kopf nach oben in die Sonne blinzeln, oder müssen sie uns weiterhin in der Dunkelkammer Gesellschaft leisten? »Heads Up« entfacht einen Streit, der sich auf die Bewertung von Gradwerten ausweitet.
Geschrieben am
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»Wann hört das endlich auf«, frage ich mich, irgendwo auf einem frühherbstlichen Feld in den Weiten Brandenburgs. Es ist heiß, noch einmal knallt die Sonne. Das neue Warpaint-Album am Start. Niemand da. Los geht es. Besser als die Vorfreude wird es nicht. Die Poster-Girls des Indie-Rock machen jetzt in Pop.  Das Unheil kündigt sich bereits im ersten Song »Whiteout« an. In »By Your Side«, dem auch erst zweiten Song des Albums, sind Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg, Emily Kokal und Stella Mozgawa dann endgültig vom Weg abgekommen. Sie wollten schneller und tanzbarer klingen, dabei verirren sie sich aber bereits hier. Wahrscheinlich wollen sie mystisch klingen, doch da ist nur Kälte. Dann folgt schon »New Song«, und da zerschießt es das Album, zerschießt es die Band. Musik für die nächste GNTM-Live-Show, hastig eingespielt zwischen zwei Heidi-Klum-Moderationen. Das geht dann so weiter, und man fragt sich, wann das Album eigentlich endet. Und was das alles soll. Warpaint sind aus der Dunkelheit getreten und im Licht verbrannt. Schade. Auf den Feldern der Uckermark zeichnen sich in der Ferne Windränder ab. Nichts ist für immer. 
Stephan Uersfeld


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Man muss kein Freund der Sonne sein, um am neuen Album von Warpaint Gefallen zu finden, Mr. Uersfeld. Aber es hilft, die Sonnenbrille beim Ereifern einfach mal kurz abzunehmen und tief durchzuatmen: Ja, die vier Kalifornierinnen haben sich auf ihrem dritten Album »Heads Up« abermals ein neues, leicht abgewandeltes Sound-Gewand zugelegt. Und im Zuge dessen den schwebenden Post-Punk ihres selbstbetitelten Vorgängers um dezent treibende HipHop-Beats und R’n’B-Einflüsse erweitert. Früher nannte man so etwas künstlerische Weiterentwicklung. Für diese haben sich Warpaint laut Presseinfo von so unterschiedlichen Künstlern wie Kendrick Lamar, Janet Jackson, Nile Rodgers und Björk inspirieren lassen. Hören tut man dies indes nur selten so explizit wie in der ersten Single »New Song«, die, wie schon »Disco/Very« auf dem Vorgänger, die Grenzen der Tanzbarkeit auslotet, nur eben deutlich hittiger produziert ist. Der potenzielle erste Dance-Hit Warpaints steht exemplarisch für ihre Hinwendung zum Pop, bleibt im Album-Kontext aber die einzige knallige Gute-Laune-Offensive. Die restlichen Songs auf »Heads Up« tragen noch immer die schwermütige Handschrift der Band, auch wenn sich durch die kalifornische Düsternis der ein oder andere Mitsing-Refrain zieht (»So Good«). Ja, Warpaint wollen mit ihrem neuen Album mal aus der Dunkelkammer rausblinzeln. Im Licht verbrennen sie deswegen noch lange nicht, wenn dabei so tolle Songs wie der sinnlich vor sich hin groovende Opener »Whiteout« herauskommen.
Luka Nowak

Warpaint

Heads Up

Release: 23.09.2016

℗ 2016 Rough Trade